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"Projekt Zukunft" in finaler Abstimmung | 17.02.2021 | 11:30 Uhr

Neustart für Deutschlands Fußball-Talente: Die große Diskussion um die DFB-Reform

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−Foto: dpa

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Dauerhaft in der Weltspitze". Nichts weniger als das ist das Ziel, das der DFB mit dem "Projekt Zukunft" verfolgt. Die tiefgreifende Reform um den Fußball-Nachwuchs wird intensiv diskutiert. Der FC Bayern begrüßt die Bemühungen. Bierhoff wirbt, Scholl meckert.

Oliver Bierhoff ist auf großer Werbetour für das "Projekt Zukunft" unterwegs. "Wenn wir jetzt nicht handeln, verspielen wir die Zukunft des deutschen Fußballs", warnte der Direktor des Deutschen Fußball-Bundes dieser Tage bei einem seiner zahlreichen Medienauftritte. Der 52-Jährige betonte dabei auch das, was nicht erst seit dem WM-Desaster von 2018 mit dem Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft immerzu angemahnt wird: "Wir werden für die Zukunft weniger Toptalente haben", sagte Bierhoff.

Aus Sicht des DFB-Direktors ist es dringend notwendig, jetzt gegenzusteuern: "Ich wäre zuversichtlich, wenn wir das "Projekt Zukunft" starten und wichtige Maßnahmen angehen, dass wir dann auch für die Zeit nach 2024 und 2026 wieder gute Spieler haben", sagte er. Das "Projekt Zukunft" - die notwendige, aber auch kontrovers diskutierte Reform des DFB für die Talentförderung in Deutschland.

Bierhoff wirbt sicher nicht ohne Grund gerade jetzt. Der umfassende Maßnahmenkatalog, den der DFB Ende des vergangenen Jahres erstmals einem kleinen Kreis präsentierte, befindet sich in der finalen Phase der Abstimmung mit Landesverbänden, Nachwuchsleistungszentren und Vereinen. Eine Optimierung der Talentförderung wird grundsätzlich begrüßt. Doch aus den 21 Landes- und Regionalverbänden werden auch Änderungen am Konzept aus der DFB-Zentrale eingefordert.

"Das Thema wird fachlich und inhaltlich aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass bei 21 Landes- und fünf Regionalverbänden einige Fragen, Wünsche, Ideen und Anregungen zusammenkommen. Das unterstreicht nicht zuletzt die enorme Bedeutung des Projektes", sagte Jürgen Igelspacher, Geschäftsführer des Bayerischen Fußball-Verbandes. "Dazu zählt auch eine fundierte Abstimmung unter den sportlich Verantwortlichen in den Landes- und Regionalverbänden sowie innerhalb der Profi-Clubs."

Die Landesverbände wollen, dass föderale Strukturen und regionale Besonderheiten Berücksichtigung finden. Eine erste Abstimmungsrunde ging ohne Einigung zu Ende. Übernächste Woche wollen sich die 21 Landes- und Regionalverbände erneut zusammenschalten. Anschließend sind Abstimmungen mit dem DFB geplant.

"Wir alle sind da in einem engen Austausch, das ist wichtig und richtig", sagte der Sportliche Leiter Nationalmannschaften des DFB, Joti Chatzialexiou. "Daher geht es auch nicht um die Entfremdung zwischen Amateuren und Profis - denn Weltspitze erreichen wir nur gemeinsam." Doch die Frage, wie die Ausbildung, Förderung und Talentsichtung am Ende ausgestaltet werden, treibt alle um.

"Wir müssen noch mehr Augenmerk auf die individuelle Ausbildung und Entwicklung der Spieler legen und mehr den einzelnen Spieler fördern, als die Ausbildung als Mannschaft in den Vordergrund zu stellen. In diesem Zusammenhang gilt es auch, den Übergangsbereich vom Jugend- in den Männerfußball nochmals intensiv ins Visier zu nehmen", sagte Jochen Sauer, Leiter des FC Bayern Campus. "Ebenso wichtig ist es aber den Übergangsbereich besser zu gestalten. Sind die Regionalligen und die 3. Liga - wie ursprünglich geplant - wirklich Ausbildungsligen für unsere Talente?" Es müsse "einfach noch mehr Anreize geben, junge Spieler in diesen Ligen einzusetzen".

Sauer begrüßt die Bemühungen des DFB. "Der DFB und die DFL haben sehr viel Arbeit in das "Projekt Zukunft" gesteckt, es wurde viel recherchiert, mit den Beteiligten gesprochen und ausgewertet. Das Ergebnis ist ein ganzheitliches Konzept mit sehr konkreten Umsetzungsvorschlägen", sagte der Bayern-Mann.

Gemeinsam mit dem Cheftrainer U-Nationalmannschaften Meikel Schönweitz hat Chatzialexiou das Projekt maßgeblich mitgestaltet und entwickelt. Anstoß und Triebfeder für die großen Reformgedanken beim DFB ist der immer deutlicher werdende Abwärtstrend bei den Nachwuchs-Nationalteams - von sieben möglichen Turnieren seit 2017 verpassten deutsche Nachwuchs-Teams vier. "Wir sind sowas von abgeschlagen", warnte U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz. Die Einsatzzeiten seiner Spieler in den Topligen sinken, die Marktwerte deutscher Jung-Profis liegen deutlich hinter denen aus dem Weltmeister-Land Frankreich oder aus England zurück.

Spätestens nach der blamablen WM 2018 und der zuletzt unsteten Entwicklung der Nationalmannschaft mit dem 0:6 gegen Spanien im November als Tiefpunkt fürchtet man beim DFB auch auf lange Sicht um die Konkurrenzfähigkeit. "Wenn wir dauerhaft mit unserer Nationalmannschaft an der Weltspitze mitspielen wollen - und das ist unser Anspruch und erklärtes Ziel - müssen wir kontinuierlich auf einen Pool von starken Talenten und damit Nationalspielern von morgen zurückgreifen können", forderte Bierhoff. "Dauerhaft in der Weltspitze" - so steht es im Konzeptentwurf, der der dpa vorliegt.

Die Entwicklung der Spieler soll in den Mittelpunkt gestellt, Talente unabhängig von ihrem Geburtsmonat optimal gefördert werden. Die Entwicklung von Trainern soll verbessert, Wettbewerbe reformiert werden. Dies sieht auch eine Abschaffung von Junioren-Bundesligen vor - und dieser Plan stößt auch auf Widerstand.

Statt der bisherigen Ligen soll es einen geschlossenen Wettbewerb der Clubs mit Nachwuchsleistungszentrum ohne Auf- und Abstieg geben. Sauer gefällt das. "Durch eine NLZ-Spielrunde können alle 56 Leistungszentren einen Wettbewerb auf höchstem Niveau austragen", sagte er. "Der Wettbewerb wird abwechslungsreicher und wir würden uns viel öfter auf einem höheren Niveau vergleichen als bisher."

Zudem könne man zeitweise Reisen und Schulbefreiungen verringern, sagte Sauer. "Besprechen muss man sicher, wie sich eine NLZ-Spielrunde auf die Amateur-Clubs auswirkt und wie eine Integration ambitionierter Ausbildungsvereine aussehen kann."

Thomas Eichin, Nachwuchs-Leiter von Bayer Leverkusen, dagegen hält den sportlichen Wettkampf mit Auf- und Abstieg für unerlässlich. "Unsere Spieler sind teilweise nicht oder unzureichend präpariert für den harten Wettbewerb in der Bundesliga", sagte er. "Die Ausbildung der Spieler findet auch über den Wettbewerb statt." In den Landesverbänden wird das Wettkampfsystem kontrovers diskutiert, wenngleich es hier öffentlich Zurückhaltung gibt.

Da ist Mehmet Scholl offensiver und drastischer. Das Konzept werde nur erfolgreich sein für "die Leute, die an der Macht sind, dass sie ihre Jobs behalten", nörgelte der ehemalige Nationalspieler bei "Bild Live". "Wir sortieren die Effenbergs in der Jugend aus, weil sie unbequem sind, wir sortieren die Ribérys aus, weil sie unbequem sind. Wir kriegen die Kinder nicht mehr von den Bildschirmen weg."

Letzteres Problem, Scholl spricht von "wohlstandsverwahrlost", ist eher gesellschaftlicher Natur. Die Fragen der Fußball-Ausbildung sind zentral im DFB-Konzept. Eichin unterstützt den Ansatz, die Spieler in den Mittelpunkt zu stellen - hält dies aber nicht für eine neue Idee. "Ich glaube, dass jedes Leistungszentrum in Deutschland sich dies auf die Fahne schreibt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Das stellte auch Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge klar. "Ich finde es nicht gerade gut, dass Oliver in diversen Interviews einfach die aus seiner Sicht nicht gute oder schlechte Nachwuchsarbeit auch zum Teil den Bundesliga-Clubs in die Schuhe schiebt", sagte er.

Chatzialexiou hält Diskussionen über Inhalte für normal und richtig. "Dass manche Aspekte des Projekts unterschiedlich betrachtet werden, verschiedene Wünsche und Ideen an uns herangetragen werden, liegt in der Natur der Sache", sagte er. "Es sind schließlich tiefgreifende Veränderungen, die wir diskutieren." U21-Coach Kuntz wünscht sich eine gemeinsame Anstrengung. Das Projekt könne "nur funktionieren, wenn alle Vereine und der DFB zusammen dort eine Lösung finden", sagte er. "Nur dann können wir den Fußball ein bisschen reformieren." − dpa












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