Wintersport
Carolin Kupsch aus Heideck bei Bob-Weltcup in Lillehammer dabei

19.01.2024 | Stand 19.01.2024, 19:00 Uhr |
Cornelia von Hardenberg

Carolin Kupsch (rechts) zum ersten Mal in Schwarz-Rot-Gold mit Nachwuchs-Pilotin Diana Filipszki. Foto: privat

Für die erst 20-jährige Leistungssportlerin Carolin Kupsch aus Heideck steht ein echtes Highlight an: Beim Bob-Weltcup im norwegischen Lillehammer ist sie als Supporterin bei Deutschlands Eiskanal-Elite dabei. In dieser Wintersaison erlebte sie bereits eine Planänderung nach der anderen.

Nachdem die Leichtathletin im Mai erstmals (wie berichtet) mit dem Bobsport in Berührung gekommen war, nahm sie Ende Oktober 2023 am Zentralen Leistungstest (ZLT) der Bobanschieberinnen in Oberhof teil und landete dort in der oberen Hälfte. Damit war der Weg frei, für Nachwuchs-Pilotin Diana Filipszki (Perspektivkader) als zweite Frau in den Eiskanal zu gehen.

Im November in Winterberg war es dann soweit: Kupsch absolvierte ihre erste Abfahrt im Bob. „Das allererste Mal war der Horror. Ich wurde wild durch die Gegend geschüttelt und am Ende tat mir alles weh“, erinnert sie sich an dieses Erlebnis. Doch das fachte ihren Ehrgeiz erst recht an. Kupsch wollte herausfinden, wie sie sich am besten verhalten musste, um ihren eigenen Körper stabil zu halten und gleichzeitig die Pilotin nicht zu behindern. Inzwischen gelingt das sehr gut und sie genießt vor allem die Atmosphäre am Start: Das Adrenalin, das gegenseitige Anfeuern und der enge Kontakt zur Pilotin, all dies fasziniert sie.

Am 19. November 2023 wurde sie mit Filipszki beim Selektionsrennen, das auch als Deutsche Meisterschaft gewertet wurde, hinter Laura Nolte (Olympiasiegerin 2022), Kim Kalicki und Charlotte Candrix fantastische Vierte.

Am Steuer eines Kleinbusses nach Norwegen zum Europacup

Direkt im Anschluss bekam sie hautnah mit, was es heißt, im Leistungssport zur zweiten Riege zu gehören: Sie selbst saß am Steuer des Kleinbusses, mit dem sie sich, den Bob und das Equipment nach Lillehammer (Norwegen) chauffierte. Dort saß die junge Athletin dann in einem von drei Europacup-Rennen hinter ihrer Pilotin. Das Duo erreichte bei minus 20 Grad einen respektablen neunten Platz. Von dort aus fuhr der Tross direkt weiter nach Sigulda in Lettland. Doch hier musste Kupsch den Strapazen Tribut zollen, sie zog sich einen Infekt zu und reiste vorzeitig ab.

Filipszki fährt seitdem mit anderen Anschieberinnen im Europacup weiter. Doch die Türen sind für Kupsch nicht geschlossen. Im Gegenteil: Nach ihrer Genesung erreichte die Neu-Münchnerin im zweiten Leistungstest vor Silvester den dritten Rang und brachte sich damit wieder ins Gespräch. Am vergangenen Samstagabend bekam sie dann einen Anruf vom Bobverband. Sie erhielt die Wahl, ob sie sich am kommenden Wochenende lieber an der berühmten Natureisbahn der Schweiz als Ersatzfahrerin im Europacup, wo auch die Junioren-EM ausgetragen wird, bereithalten möchte – oder ob sie als Supporterin die Monobob-Pilotin Maureen Zimmer, die in Deutschlands A-Kader steht, beim Weltcup in Lillehammer begleiten möchte.

Wieder nach Norwegen – aber dieses Mal mit dem Flieger zum Weltcup

Kupsch entschied sich für den Weltcup: Am Donnerstag durfte sie – dieses Mal im Flieger – mit der ersten Garde zum Weltcup nach Norwegen fliegen und erlebt dort nun hautnah die Wettkämpfe der Weltbesten mit. „Es ist einfach nur klasse, dass ich in Lillehammer Teil des Weltcupteams sein darf, so etwas kann man sich nicht erträumen“, schwärmt sie.

Beim Weltcup ist sie wohlgemerkt nicht als Anschieberin dabei, für Kupsch selbst geht es also nicht in den Eiskanal. Diese Aussicht winkt ihr dafür wieder im Europacup in Innsbruck (ab 29. Januar). Keine Frage: Kupsch ist angekommen in der großen Bob-Welt: „Es war schon immer mein Traum, die deutschen Farben zu tragen. Dass ich dies schon in meiner ersten Saison erleben durfte, ist einfach nur toll“, frohlockt sie.

Dabei ist Kupsch eigentlich in der Leichtathletik zuhause ist. Wahrscheinlich ist genau das ihr Erfolgsgeheimnis. Im Winter steht möglicherweise noch der eine oder andere Kugelstoß-Wettbewerb an. Spätestens in der Freiluftsaison wird man ihren blonden Zopf wieder mit dem Diskus im Ring fliegen sehen.

Von dort geht es in den Hörsaal, denn Kupsch absolviert ein Studium der Sportwissenschaften an der TU München. Sogar auf ihren Reisen durch Nordeuropa arbeitete sie akribisch alle Vorlesungen durch und wird sich ab Februar den ersten Klausuren stellen.