Vor ausverkaufter Kulisse
Herzzerreißender Abschied bei Heimsieg der Mintrachinger Drittliga-Handballerinnen

25.03.2024 | Stand 25.03.2024, 19:17 Uhr |
Gerd Winkler

„Danke, Carina“: Führungsspielerin Carina Marhöfer sagt in Mintraching Servus. Foto: Christian Brüssel

Es wäre das i-Tüpfelchen auf einen denkwürdigen Abend gewesen, wäre der 26. April zudem auf den Samstag gefallen: Standesgemäß mit großem Brimborium und Buffet wurde die heute das 35. Wiegenfest feiernde Carina Marhöfer in den Ruhestand verabschiedet. Passend erzielte die Galionsfigur in der ausverkauften Halle Mintrachings ein letztes Tor beim 28:22 (13:9)-Heimsieg im Duell der Drittliga-Absteiger gegen den nun punktgleichen Vorletzten TV Nellingen.

Vor den beiden abschließenden Spieltagen spricht der Direktvergleich für Nellingen. Nordwestlich von Ulm kam Mintraching in der Hinrunde mit 21:37 gehörig unter die Räder. Als Jasmin Lehner am Ende eines 9:1-Laufs zum 26:17 (54.) einnetzte, schien angesichts der Auflösungserscheinungen bei Nellingen ein Rüberziehen des direkten Vergleichs nicht abwegig. Fortan ließen die Regensburger Vorstädter jedoch die Zügel schleifen.

Am 20. April endet das von den Verantwortlichen benannte „Abenteuer 3. Liga“ an der Schmiedgasse gegen den Tabellenzweiten HSG Stuttgart-Metzingen. Dann stehen inklusive Trainer Hans-Jürgen Kästl sechs weitere Verabschiedungen an – darunter Marhöfer-Schwester Melli Wohlmann. Beide hinterlassen eine enorme Lücke: Marhöfer ist Abwehrchefin und Ballverteilerin, Wohlmann mimt den Abwehreinser, ist beim Gegenstoß die Anspielstation und auf dem linken Flügel gesetzt.

Herkulesaufgabe für Szücs

Auf den neuen Coach Csaba Szücs, der zugegen bzw. überhaupt das erste Mal in Mintraching war, kommt womöglich in der Bayernliga eine Herkulesaufgabe zu. Die kann maximal werden, sollte Jasmin Lehner dem hartnäckigen Werben des benachbarten Zweitligisten ESV 1927 erliegen. Die 21-Jährige hat ein Probetraining hinter sich, zum Stand der Entscheidungsfindung wollte sich Lehner nicht äußern. Hoffnung macht den Verantwortlichen, als sie sich wie folgt äußerte: „Die Verabschiedung von Carina ist sehr emotional, weil man weiß, dass wir nächste Saison ohne sie spielen müssen.“

In Mintraching würde Lehner in die Fußstapfen von Marhöfer als die Führungsspielerin treten. Mit Verlaub: Der Verlust für die SG wäre ein wohl vielfaches größer als der Gewinn für die Bunkerladies. Gegen Nellingen war Lehner in gewohnter Manier, obwohl es in der ersten Halbzeit nicht laufen wollte, mit elf Treffern die erfolgreichste Werferin. In der Torjägerliste der 3. Liga Süd ist Lehner mit 137 Treffern auf Platz vier notiert. Das ist umso höher zu bewerten, weil eben für einen Tabellenletzten erzielt.

Neuzugänge werden benötigt

Die am Freitag bekannt gegebene Verpflichtung von Ex-ESV-Erfolgstrainer Szücs ist verknüpft damit, sich durch dessen Reputation interessant für dringend nötige Neuzugänge zu machen. Wo diese in erster Linie ausfindig zu machen sind, liegt auf der Hand: Pendler aus dem Raum Erlangen, auf die schon der ESV zu Drittliga-Zeiten jahrelang angewiesen war, die im Auto von Szücs sitzen. Sowie Spielerinnen vom Lokalrivalen, die dort im zweiten und dritten Glied hintenanstehen. Beispielsweise Mintrachings Eigengewächs, die 17-jährige Caroline Härtl.

Unabhängig, ob Verstärkungen kommen und Lehner bleibt, meinte Szücs: „Dann musst du mit dem Spielermaterial arbeiten, das hier ist.“ Nach dem Abpfiff spielte sich auf der Platte Herzzerreißendes ab: Eine Laudatio von der mit den Emotionen kämpfenden Abteilungsleiterin Michaela Schiller, dann stand die Mannschaft in Reih und Glied – jede Spielerin überreichte Marhöfer ein Blümchen. Am längsten dauerte das Herzen mit Schwester Melli Wohlmann. „Ich bin so stolz, dass wir mit dem Aufstieg in die 3.Liga miteinander in Mintraching Geschichte geschrieben haben“, zitierte später Marhöfer ihre Schwester.

Ein Spiel mit der Mama

Ein Abriss ihrer Karriere: Berufungen in die Bayernauswahl und erweiterten DHB-Kader, ein Angebot vom damaligen Zweitligisten HSG Blomberg-Lippe, ein sechsjähriges Gastspiel zu Drittliga-Zeiten beim ESV – und 2005 ein gemeinsames Spiel mit Mama Astrid Stöhr.