Regensburg trennt sich 27:27 von Kirchhof
Bis 30 Sekunden vor Schluss war alles in Ordnung: Doch dann erhöht sich beim ESV der Blutdruck

28.04.2024 | Stand 30.04.2024, 17:53 Uhr |
Gerd Winkler

Konsterniert: Trainer Bernhard Goldbach (r.) und der sportliche Leiter Robert Torunsky Foto: A. Nickl

Fassungslosigkeit im Bunker bei den Verantwortlichen des Zweitligisten ESV 1927 Regensburg: Trainer Bernhard Goldbach ließ sich auf die Bank plumpsen und nahm einen kräftigen Schluck aus einer Pulle, der erboste sportliche Leiter Robert Torunsky packte den Scheibenwischer aus und Abteilungsleiter Dieter Müller führte wildgestikulierend ein Selbstgespräch. Überdies feuerte Franzi Peter hochgradig erregt das Leder hinter die Bank und Theresa Lettl kniete auf der Platte – begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert auf der Tribüne.

Diskutable Schiri-Entscheidungen



Was war geschehen? Bis eine halbe Minute vor dem Ende führten die Handballfrauen der Eisenbahner gegen den Abstiegskandidaten SG Kirchhof 27:25, ehe zwei höchst diskutable Schiedsrichter-Entscheidungen den Weg zum Ausgleich für die Hessen ebneten.

Zunächst hatte eine Gästespielerin den Ball bei einer Rettungsaktion zur Torhüterin befördert (58.47). Anstatt eines regelkonformen Freiwurfs für den ESV folgte Kirchhofs Anschlusstreffer (59:25). Anwurf für die Bunkerladies, der Ball wird einmal durchgespielt – ein Pfiff wegen „Schritte“ von Peter (59:39). Sekunden später erzielte Katharina Koltschenko im Stolpern das 27:27 – es war das dritte Gästetor am Stück.

Beinahe wäre es zum Supergau gekommen: Peter warf an den Pfosten (59:51), Kirchhof schickte sofort Anna-Maria Vogel auf die Reise, dem langen Ball fehlte jedoch die Genauigkeit. Am Sonntagvormittag nahm Goldbach die Szenen per Video unter die Lupe: „Die erste Situation war eine klare Rückgabe und beim Ausgleich liegt die Spielerin doch auf dem Boden und tippelt den Ball unserer Torfrau durch die Beine!“

Chancen besser nutzen



Den ganzen Ärger und den Punktverlust hätte es nicht gebraucht. In der ersten Halbzeit fehlte bei fünf Holztreffern (2., 21., 23., 25., 30.) schlichtweg das Glück, zu dem sich nach der Pause Eigenverschulden gesellte. Am Ende der ersten Welle verfehlten völlig unbedrängt Annalena Kessler (33.) und Johanna Brennauer (37.) das Gehäuse. Und 26:23 (57.) in Front nahm sich Marleen Kadenbach binnen einer Minute zwei überhastete Würfe, anstatt die Uhr ticken zu lassen.

In gewohnter Manier war Peter auf Rückraum-Mitte gestartet, ehe die Linkshänderin nach der Hereinnahme von Spielmacherin Lisa Fuchs (13.) auf die angestammte rechte Seite rückte. Wie eine Woche zuvor in Rödertal war die hartnäckig angeschlagene Halblinks Marleen Kadenbach in der Lage, nicht nur in der Abwehr zu spielen, sondern sich auch vorne zu beteiligen.
Sieben verschiedene Torschützinnen, Carina Vetter und Carolin Hübner trafen doppelt, sorgten für die 9:6-Führung (17.). Mit einem 5:1-Lauf zum 11:10 (24.) drehte diese Kirchhof. Doch unter anderem drei Treffer von Peter mündeten in das 15:14 zur Halbzeit für die Bunkerladies. Letztmals legten die Hessen zum 19:18 (43.) vor. Mit Doppelpacks von Peter und Kadenbach sowie einem Treffer von Sara Mustafic gelang es dem ESV auf 23:20 (49.) zu stellen. Als Peter einen Strafwurf zum 26:22 (55.) verwandelte, schien die Vorentscheidung gefallen zu sein. War es eben aber nicht. „Hinten raus haben wir es einfach unklug gespielt“, haderte Goldbach.