Nach gesundheitlichen Rückschlägen
Ingolstädter Kickboxer Vincent Ludwig über unzählige Aufs und Abs – und seinen Kampf am Wochenende

08.09.2023 | Stand 12.09.2023, 16:14 Uhr

Plant auch noch einen WM-Kampf: Der Ingolstädter Kickboxer Vincent Ludwig. Foto: Meyer

Von Sabine Kaczynski

Ingolstadt – Der Ingolstädter Kickboxer Vincent Ludwig hat schon um Titel gekämpft, wurde aber auch schon einmal unmittelbar vor einem Fight in die Klinik geschickt. Verletzungen und gesundheitliche Rückschläge werfen den 31-Jährigen immer wieder zurück, doch er gibt nicht auf: An diesem Samstag steigt er wieder in den Ring.

Weil er „so ein hibbeliges Kind“ war, schickte ihn seine Mutter schon im Alter von acht Jahren zum Boxclub Ingolstadt, wo sein Opa trainierte. Die Verbindung zum Kampfsport begann für Ludwig also sehr früh. „Ich habe mit bekannten Ingolstädtern wie Dardan Morina, Granit Stein oder Ramil Fatullaew trainiert“, blickt er zurück.

Mit 18 Jahren warf ihn dann zum ersten Mal eine Verletzung aus der Bahn: Er kugelte sich die Schulter aus, die Bänder wurden so weit überdehnt, dass an Boxen nicht mehr zu denken war. Ludwig wechselte ein Jahr später zur Vollkontaktvariante, dem K1-Kickboxen – mit Erfolg. Schnell heimste er erste Titel ein und wurde sogar Deutscher Meister bei den Profis.

Privat ging der Ingolstädter in dieser Zeit einen für viele überraschenden Weg, studierte Religionspädagogik, arbeitete beim FC Ingolstadt als Sozialarbeiter und absolvierte ein Studium als Sicherheitsmanager für Großveranstaltungen. Inzwischen hat er die Geschäftsführung der Oyakata Kampfsportakademie in Ingolstadt übernommen. „Parallel dazu ging es im Sport dagegen leider bergab“, erzählt der 31-Jährige mit Blick auf seine zweite schwere Verletzung. Beim Kampf um den Europameistertitel gegen den Franzosen Driss Harb riss sich der Ingolstädter in der ersten Runde die Innenbänder am Knie und hat seither mit Baker-Zysten zu kämpfen: „Je nach Intensität der Vorbereitung müssen zum Teil Golfball-große Zysten alle vier bis sechs Monate punktiert werden“, erzählt der Familienvater.

2018 dann der nächste Rückschlag: Ludwig war bei der Veranstaltung „Ring of Fire“ für einen Fight vorgesehen, doch der Ringarzt stoppte ihn unmittelbar vorher: Der Blutdruck Ludwigs war viel zu hoch – ein Start schien ausgeschlossen. Nach einer Weile normalisierten sich die Werte. Mit dem Versprechen, einen Kontrolltermin wahrzunehmen, durfte Ludwig doch noch in den Ring steigen. Untersuchungen folgten, dem Ingolstädter wurden Beta-Blocker verschrieben, die er im Vorfeld seiner Fights einnehmen sollte.

Da regelmäßige Blutdruckmessungen beim Kardiologen unauffällig blieben, entschied er sich im vergangenen Juni zu einem erneuten EM-Kampf. „Trotz der Tabellen lag mein Blutdruck bei einem unglaublichen Wert von 220. Der Ringarzt schickte mich sofort in die Notaufnahme“, erinnert sich Ludwig an die dramatischen Ereignisse. Erneut konnte ihm geholfen werden, doch inzwischen steht fest: „Es hat sich leider bereits eine leichte Verdickung der linken vertikalen Herzwand entwickelt und ich muss künftig dauerhaft Betablocker nehmen.“

Doch auch von diesem Rückschlag lässt er sich nicht entmutigen: „Ich kämpfe mich immer wieder zurück“, sagt der Kickboxer, der dies freilich nur unter ständiger medizinischer Begleitung schaffen kann. Inzwischen ist der 31-Jährige gut eingestellt, seine Werte haben sich normalisiert und sein Arzt sieht keine Hindernisse für eine Rückkehr zum Leistungssport.

Und so schwitzt der Ingolstädter mal wieder für seine nächsten Fights und hofft, dass diesmal alles glatt geht. An diesem Samstag steht Ludwig in Lampertheim wieder im Ring, Gegner ist Wali Hotak aus Afghanistan. „Von ihm wissen wir nur, dass er eher aus dem Bereich Mixed Martial Arts kommt“, sagt Ludwig, der zudem am 14. Oktober in der kleinen Olympiahalle in München gegen Javid Hamras um den Weltmeistertitel kämpfen wird. Natürlich nur, wenn seine Gesundheit es zulässt.

DK