Ohne Quarterback ins Spiel des Jahres
Ingolstadt Dukes gehen personalgeschwächt ins Play-off-Viertelfinale

22.09.2023 | Stand 22.09.2023, 7:00 Uhr |

Als Werfer-Fänger-Duo gehören Dukes-Quarterback Matthew Weimer (rechts) und sein Lieblingsreceiver Gabe Boccella (links) zu den besten Liga. Weil aber der US-Spielmacher wie auch sein Ersatzmann Luis Wittmann gegen Vizemeister Potsdam nicht mitwirken können, muss Boccella selbst werfen. Foto: Lüger

Die Ingolstadt Dukes stehen in der Football-Bundesliga GFL1 vor dem Play-off-Viertelfinale – und das als Aufsteiger. Beim Rückkehrer müssten sich angesichts der mehrjährigen Abstinenz deshalb große Euphorie und Vorfreude breitmachen, doch vor dem Auftritt an diesem Sonntag (15 Uhr) bei den Potsdam Royals herrschen eher Ratlosigkeit und Tristesse.

Zwar war man schon vor der rund 500 Kilometer langen Reise gen Nordosten realistisch genug, um die enorme Überlegenheit des Siegers der GFL1-Nordgruppe und letztjährigen Vizemeisters einzuschätzen. Doch als Sportler gibt man keineswegs schon vorher auf und versucht, selbst die kleinste Chance zu nutzen. So bereiteten sich auch die Herzöge akribisch auf das Duell David gegen Goliath vor. Immer in der Hoffnung, vielleicht doch für eine Sensation sorgen zu können – wie auch immer.

Doch unter der Woche kam der nächste Tiefschlag für das Ingolstädter Team: Stamm-Quarterback Matthew Weimer musste aus familiären Gründen kurzfristig zurück in die USA. Das allein ist schon deprimierend, doch damit nicht genug: Jetzt hätte für Backup-Quarterback Luis Wittmann, der in dieser Saison immer hinter Weimer anstehen musste, die große Stunde geschlagen. Doch ausgerechnet nun fällt auch das talentierte Eigengewächs der Dukes mit einer Schulterverletzung am Wurfarm aus.

Gabe Boccella schlüpft in ungewohnte Rolle



Also fahren die Dukes ohne echten Spielmacher zum haushohen Favoriten, die Wahrscheinlichkeit einer Sensation ist damit weiter gesunken. Und wie wollen die Ingolstädter das Problem lösen? „Gabe Boccella hat in der vergangenen Saison schon mal als Quarterback ausgeholfen und dabei seine Sache sehr gut gemacht“, erinnert sich Headcoach Eugen Haaf an den 24:23-Erfolg zu GFL2-Zeiten in Fürstenfeldbruck. Und so wird Boccella gegen die scheinbar übermächtigen Potsdamer in die eher ungewohnte Rolle schlüpfen.

Doch selbst wenn er seine Aufgabe ähnlich zufriedenstellend löst wie vor Jahresfrist, bleibt die Lücke, die er als Top-Receiver hinterlässt. Für die Dukes bedeutet das eine enorme Schwächung, zumal sie mit Weimer als Quarterback und Boccella als Receiver die viertbeste Offense der gesamten Liga stellen. Ihr Passangriff ist ligaweit sogar die Nummer zwei. Weimer brachte es immerhin auf 3564 Passing-Yards und 38 Touchdown-Pässe. Boccella beeindruckte ebenfalls mit den zweitmeisten Yards und den drittmeisten Touchdowns aller Passempfänger. Ein Duo, das den gegnerischen Trainern immer einige Probleme bereitete.

Auf den Dukes lastet kein Druck



Doch für Haaf geht es jetzt darum, den bestmöglichen Spielplan zu finden, um nicht hoffnungslos unter die Räder zu kommen. „Die Videoanalyse der Royals war für mich grausam, weil da einfach keine Schwachstelle zu finden ist. Sie sind in jeder Hinsicht bestens aufgestellt“, erklärt der Headcoach und verweist auf das deutliche höhere Budget des Kontrahenten, der auf insgesamt 35 Importspieler aus den USA und dem gesamten europäischen Raum zurückgreifen kann.

Im Gegensatz zum letztlich bedeutungslosen Sonntagsspiel in Paderborn (21:9) kann Haaf immerhin auf einen größeren Kader zurückgreifen, zumal es für die meisten Dukes die erstmalige Teilnahme an einem Play-off-Spiel bedeutet. Immerhin lastet kein Druck auf dem Team, niemand erwartet ernsthaft, dass die Ingolstädter jetzt auch noch ins Halbfinale einziehen. Eines aber verspricht Haaf schon jetzt: „Wir wollen uns in den Play-offs beweisen und uns so gut wie möglich verkaufen. Wir können eigentlich ganz locker ins Spiel gehen.“

Die Fans, die sich nicht auf die weite Reise begeben werden, können das Spiel am Sonntag ab 14.45 Uhr im Livestream (sportdeutschland.tv) verfolgen.