Spielabbruch zwischen Türkgücü und FC Bayern II

Nach Ausschreitungen in der Regionalliga: Spielwiederholung und Geldstrafen

02.12.2022 | Stand 02.12.2022, 21:55 Uhr
Patrik Stäbler

Polizeibesuch in der vierten Liga: Nach Zuschauerausschreitungen beim Spiel zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern II wurde das Spiel am 19. November abgebrochen. −Foto: Imago Images

Was die leider oft unheilvolle Verbindung von Fußball und Politik anzurichten vermag, das erlebt man – im Großen – dieser Tage bei der Weltmeisterschaft in Katar. Doch auch im Kleinen führt diese Mixtur mitunter zu beträchtlichem Schaden, wie nun zwei Klubs aus der Regionalliga Bayern erfahren müssen.

Konkret geht es um den Spielabbruch im Derby des FC Bayern München II bei Türkgücü München am 19. November, das im Sportpark Heimstetten stattfand. Dort rollten Anhänger des Rekordmeisters ein Banner mit dem Schriftzug „FC Bayern Fan Club Kurdistan“ aus, was zunächst Unruhe bei den Heimfans und später einen massiven Einsatz der Polizei auslöste, die das Transparent an sich bringen wollte – mit Pfefferspray und Schlagstöcken.

Die Tumulte, bei denen 20 Fans und zehn Beamte verletzt wurden, haben bereits den Landtag beschäftigt, wo vor allem die Grünen das Vorgehen der Polizei als überzogen kritisierten. Politisch werden die Ereignisse rund um das Münchner Derby also vermutlich noch aufgearbeitet. Aus sportlicher Sicht hingegen hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) nun einen Schlussstrich unter das Skandalspiel gezogen. So entschied das Verbandssportgericht des BFV am Freitagabend, dass die Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit wiederholt wird. Zudem verhängte es Geldstrafen in Höhe von 3000 Euro gegen den FC Bayern und 1500 Euro gegen Türkgücü München. „Es ist nicht davon auszugehen, dass ein Verschulden am Spielabbruch nachzuweisen wäre“, sagte Richter Emanuel Beierlein in der Urteilsbegründung. Dennoch seien beide Vereine für ihre Nachlässigkeiten im Umgang mit den „sehr unglücklichen Umständen“ zu bestrafen, weshalb man sich für ein Geisterspiel sowie Geldstrafen entschieden habe.

Zuvor hatten die Vertreter der Klubs in der Verhandlung ihre jeweilige Sicht auf die Geschehnisse in Heimstetten geschildert. So berichtete Türkgücü-Präsident Taskin Akkay, dass sein Verein den FC Bayern bereits im Vorfeld der Partie informiert habe, dass man ein erneutes Aufhängen des schon im Hinspiel gezeigten Transparents im eigenen Stadion nicht dulden werde. Denn, so erläuterte ein Anwalt von Türkgücü: „Das ist ein hochpolitisches Banner, das im Sport nichts zu suchen hat“ – nachgerade so kurz nach dem Anschlag in Istanbul mit sechs Toten, für den die Türkei die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verantwortlich macht.

Derweil betonte Michael Gerlinger, der Chefjurist des FC Bayern: „Wir sind ganz klar der Auffassung, dass dieses Banner keine rechtswidrigen Inhalte hatte.“ Zudem stelle sich die Frage, inwieweit der Verein für das Verhalten seiner Fans verantwortlich gemacht werden könne. Das Vorgehen der Polizei kritisierten die Vertreter des FCB scharf. „Der Einsatz war völlig unnötig, weil das Spiel zu dem Zeitpunkt schon abgebrochen war“, sagte Wolfgang Dremmler, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Und Michael Gerlinger betonte: „Ich habe Videos von dem Einsatz gesehen, wie ich sie in meiner 20-jährigen Tätigkeit nicht erlebt habe. Da sind Dinge passiert, die nicht in diesem Forum zu klären sind, aber sicherlich aufgearbeitet werden müssen.“

Genau darauf drängen auch die Landtags-Grünen, deren sportpolitischer Sprecher Max Deisenhofer kürzlich eine sogenannte kleine Anfrage an die Staatsregierung zu dem Thema gerichtet hat. Weil ihm die Antworten von Innenminister Joachim Herrmann jedoch nicht zufrieden stellten, kündigte der Grünen-Politiker nun via Twitter eine neuerliche Anfrage an, „um dann auch noch detailliertere Informationen zu bekommen“. Zudem betonte Max Deisenhofer: „Für mich ist und bleibt der Polizeieinsatz in Heimstetten unverhältnismäßig.“