„Deutliche Anpassung vornehmen“: BFV-Boss Kern will höhere Bezahlung für Amateur-Schiris

29.11.2022 | Stand 29.11.2022, 11:51 Uhr
Michael Scherer

BFV-Präsident Christoph Kern. −Foto: Michael Scherer

Was die Schiedsrichter der SRG Isar-Rott in den 75 Jahren seit Gründung schon alles geleistet haben, ist seit Samstagabend einer neuen, über 100 Seiten starken Chronik zu entnehmen.

Doch vor welchen Aufgaben stehen die Schiedsrichter, die Vereine und der Verband in der Zukunft? Darüber diskutierten beim Festabend in der Dingolfinger Stadthalle Vertreter aus Gesellschaft, Sport und Politik. Einig waren sich dabei alle über eins: „Wir müssen das Amt des Schiedsrichters attraktiv gestalten und dabei sitzen wir alle im selben Boot Fußball“, brachte es Verbands-Schiedsrichterobmann Sven Laumer auf den Punkt.

Auch das Schiedsrichter-Wesen kämpft mit Nachwuchs-Sorgen, deshalb bedarf es neuer Ideen. Denn: „Wenn ich mit einem Nebenjob mehr Geld verdiene als mit der Schiedsrichterei, dann müssen wir eine deutliche Anpassung vornehmen“, sagte BFV-Präsident Christoph Kern, selbst ein ehemaliger Unparteiischer. Und: „Am Ende des Tages muss es auch für den Schiedsrichter eine Work-Life-Balance geben.“ Damit aber noch nicht genug: Damit sich junge Schiedsrichter nicht entscheiden müssten zwischen Karriere an der Pfeife oder als aktiver Fußballer auf dem Spielfeld, „brauchen wir neue Einteilungsprogramme, damit die Jungen pfeifen und spielen können. Dazu hat Sven Laumer einen klaren Auftrag, dafür ein Konzept zu entwickeln“, sagte Kern.

Der Angesprochene ist dazu geradezu prädestiniert, denn der Obmann kümmert sich als Professor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an seinem Lehrstuhl insbesondere um die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft. Laumer will die ehrenamtliche Tätigkeit der Unparteiischen jedoch nicht nur mit mehr Geld oder anderen Anreizen für die Zukunft in Form bringen, sondern auch auf einem anderen Gebiet Akzente setzen. Denn: Die Gewalt gegen Schiedsrichter auf den Fußballplätzen nehme aktuell immer mehr zu, „der Fußball ist da ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der Sanitäter bei Einsätzen behindert oder Polizisten angespuckt würden, ich sehe das mit großer Sorge.“ Deshalb will Laumer seine Schiedsrichter-Kollegen besser auf mögliche Extrem-Situationen vorbereiten. Und sollte es zu einer brutalen Aktion gegen einen Unparteiischen kommen, „müssen wir unsere Schiedsrichter sowohl rechtlich als auch sportpsychologisch besser unterstützen. Denn: Jeder Fall ist ein Fall zu viel.“

Laumer hat sich nach eigenen Worten mit Schiedsrichtern unterhalten, die Opfer von Gewalt wurden, und „interessant dabei ist: Alle wollen weitermachen, denn das Amt des Schiedsrichters gibt ihnen so viel“. Die Meinung konnte Werner Müller, der Schiedsrichterobmann der Gruppe Rottal-Inn, nur unterstützen, denn die Schiedsrichterei ist für ihn „das schönste Hobby der Welt“. Und dies lasse sich auch bestens in der 2018 gegründeten, neuen Schiedsrichtergruppe Rottal-Inn leben: „Wir sind zufrieden und in unserer Gruppe hat sich ein Wir-Gefühl entwickelt.“