Grainet erobert Platz 1 zurück
Elfer pariert, Kullertor kassiert, Spiel gedreht: Andreas Biebl über einen anstrengenden Abend

09.11.2023 | Stand 10.11.2023, 7:52 Uhr |

Emotionale Reise eines Torwarts: Andreas Biebl vom SV Grainet pariert in der 38. Minute einen Strafstoß. Der 27-Jährige ballt die Faust, als er den schwachen Flachschuss von Ondrej Sima festhält. Die Enttäuschung folgt in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit: Ein Distanzschuss von Maximilian Pleintinger rutscht Biebl durch die Beine und ins Netz. Seinen Ärger über diesen Fehler und das 0:1 schreit der Goalie in den Grafenauer Nachthimmel. Am Ende wird jedoch alles gut, Biebl feiert mit Ersatzspieler Nathan Blöchl einen der beiden späten Siegtore. − Fotos: Michael Duschl

Halbzeitpfiff im Nachholspiel der Bezirksliga Ost zwischen dem TSV Grafenau und dem SV Grainet: Andreas Biebl schleicht kopfschüttelnd vom Spielfeld, ballt die Fäuste vor Frust. Abpfiff eine Stunde später: Der 27-Jährige hüpft fröhlich in die Arme seiner Mitspieler, freut sich nicht nur über den Derbysieg (3:1), sondern auch die Rückkehr auf Platz 1 der Tabelle.

Am Tag danach hat sich die PNP mit dem Graineter Torhüter unterhalten – über seine Achterbahnfahrt in der Galgenau am Mittwochabend. „Das war echt nicht leicht“, sagte Biebl gestern über die rund 100 Spielminuten des Nachbarduells. Sein Team musste zwei Rückschläge verkraften und der Torwart selbst stand in der ersten Halbzeit im Blickpunkt. Erst parierte er einen Strafstoß von Ondrej Sima (38. Minute), ehe ihm Sekunden vor mit dem Pausenpfiff ein Distanzschuss durch die Hosenträger rutschte. Ihm, der die Hälfte der bisherigen 18 Spiele ohne Gegentor blieb. Ihm, der oft Sonderapplaus von den Zuschauern erntet, wenn er mal wieder einen „Unhaltbaren“ abwehrt. „Das war ein Schock“, gesteht der 27-Jährige. Biebl will es gar nicht auf den glitschigen Untergrund schieben, „das war einfach ein kapitaler Bock“.

Die Freude über den zweiten parierten Strafstoß währte nur kurz, „ich war total frustriert und wusste, dass in der zweiten Halbzeit mehr Schüsse kommen werden, weil sich der Gegner denkt: Der fängt eh keinen. Plötzlich schaut jeder auf dich und wartet auf deinen nächsten Fehler“, verrät Biebl seine Gedanken.

„Nach der roten Karte sind wir noch besser ins Spiel gekommen“



Es sollte anders kommen. Grainet bestimmt das Spiel nach Wiederanpfiff größtenteils, Biebl pariert eine Doppelchance und verhindert damit den zweiten Grafenauer Treffer. Als Biebls Gegenüber, Tobias Schopf, einen Schuss von Stefan Grimbs abklatschen lässt, trifft Julian Sammer zum 1:1 (64.). Biebl atmet durch. Aber wieder verdrängt Frust umgehend die Glücksgefühle: Niklas Bösl sieht nach einem harten Einsteigen im Mittelkreis die rote Karte. Führungsspieler Biebl ärgert sich, nimmt aber sofort Kontakt zu den Mitspielern auf und erinnert sich: „Uns hat eine rote Karte des Gegners zuletzt eigentlich nie gut getan“. Auch den SV Grainet wirft die Unterzahl nicht aus der Bahn, im Gegenteil. „Wir sind dann noch besser ins Spiel gekommen und haben kurz vor Schluss stark gekontert, weil es der Gegner zugelassen hat.“ Grimbs und Sammer machen den Dreier für Grainet klar – inzwischen waren auch die „Stodbärn“ nach Gelb-Rot gegen Sima nur mehr zu zehnt.


Fotostrecke: Platzverweise, Elfer-Fehlschuss, späte Siegtore: Szenen des Derbys in Grafenau


Die Freude beim SVG ist riesig. „Wir haben schon lange kein Spiel mehr nach einem Rückstand gewonnen“, weiß Biebl. Er freut sich darüber „und, dass die Mannschaft nach einem Riesenbock für mich gelaufen und gewerkelt hat“. Mit einem Sieg gegen Garham (Samstag, 14 Uhr) können sich die Graineter über den Winter an Platz 1 der Rangliste „pinen“. Aber das wird eine eigene Achterbahnfahrt. „Garham ist unangenehm zu spielen“, merkt Biebl an.


19. Spieltag / Samstag, 14 Uhr: Obernzell-Erlau – 1.FC Passau (Hinspiel 1:1), Künzing – SV Schalding II (2:2), Perlesreut – Vornbach (2;4), Grainet – Garham (1:2), Mauth – Schöfweg (1;2), Oberpolling – Hutthurm (0:1); 14.30 Uhr: Waldkirchen – Regen (3:2); Sonntag, 14 Uhr: Niederalteich – Grafenau (0:4).