Körperverletzung in Kelheim

Brutale Attacke in Kreisliga-Spiel: Kirchdorfer Spieler erstattet Anzeige nach Faustschlag

07.11.2022 | Stand 08.11.2022, 15:56 Uhr
Martin Rutrecht

Ein Kirchdorfer Spieler war der Leidtragende. (Bild zeigt ein anderes Spiel und auch nicht den verletzten Spieler.) −Fotos: Hildenbrand/dpa/Artmeier

Von Martin Rutrecht

Es war ein Faustschlag mitten ins Gesicht – die Folge ein dreifach gebrochenes Nasenbein. Ein Oberglaimer Kicker (25) verübte eine brutale Attacke auf einen Spieler (31) des SC Kirchdorf, der operiert werden muss.



Dreifache Fraktur des Nasenbeins, Gesichtsprellungen, ein Eck eines Schneidezahns abgebrochen: Der 31-jährige Kirchdorfer Fußballer (Anm. d. Red.: alle Namen der Redaktion bekannt) wird das Spiel in der Kreisliga Donau/Laaber am Sonntag, 30. Oktober 2022, in Oberglaim (Gemeinde Ergolding) in schmerzhafter Erinnerung behalten. „Nach dem Abklingen der Schwellung werde ich noch operiert, weil die Nase gerichtet werden muss“, sagt er gegenüber unserer Zeitung.

Er wollte schlichten

Der SC-Kicker wollte am Ende einer immer hektischeren Partie schlichtend eingreifen. „Wir bekamen einen Elfmeter zugesprochen, einer unserer Spieler hat sich gefreut. Was einem Oberglaimer nicht gefiel. Ich wollte vermittelnd dazwischen gehen. Dann kann ich mich nur noch erinnern, dass ich am Boden lag.“

Warum der 25-jährige Oberglaimer Spieler dermaßen brutal zuschlug, lässt sich bisher nicht ergründen. Es sei „einiges vorausgegangen“, sagt die SV-Vorsitzende Martina Riedl, die selbst vor Ort war. Näher will sie das nicht konkretisieren, „weil es keine Entschuldigung für das Verhalten unseres Spielers sein darf. Was er sich geleistet hat, darf nicht passieren und hat auf dem Fußballplatz nichts verloren.“

Zwei Elfmeter binnen Minuten

Nach Angaben beider Vereine spitzte sich die Kreisliga-Partie mit der Schlussminute zu. Kirchdorf erhielt einen Elfmeter, der aber nicht der Auslöser des Eklats war. Denn es sollte noch ein zweiter Elfer folgen. Den ersten Strafstoß vergab der SC. Die Begegnung ging in die Nachspielzeit über. Praktisch in der letzten Strafraumszene ertönte wieder ein Elfmeterpfiff für die Gäste aus dem Landkreis Kelheim. Daraufhin rastete der Oberglaimer Spieler aus.

Der getroffene SC-Kicker schleppte sich mit stark blutender Nase in die Kabine. Ein Sanka kam und der 31-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht. „Ein Cut an der Nase musste genäht werden“, erzählt er. Am Platz beruhigte sich die Szenerie nicht: „Betreuer und Zuschauer auf dem Feld, Ordner, die das Chaos versuchen zu schlichten, übelste und niveauloseste Beschimpfungen gegen das Schirigespann und uns Kirchdorfer“, schildert es der SC Kirchdorf auf seiner Facebook- und Instagram-Seite. Darüber hinaus wollte sich der Verein nicht äußern.

Aber auch ein SC-Spieler hatte sich offenkundig nicht im Griff. Er fuhr dem Übeltäter mit der flachen Hand ins Gesicht. „Er hat ein blaues Auge und eine Verletzung am Ohr“, sagt SV-Vorsitzende Riedl über die Folgen. Schiedsrichter Balasz Schroeder (TV Aiglsbach) zeigte den beiden handgreiflichen Spielern die Rote Karte. Einen Abbruch der Partie gab es nicht. Kirchdorf durfte den zweiten Elfmeter ausführen und traf zum 1:0-Sieg, der aber nur eine Randnotiz war.

Anzeige folgt am Tag darauf

Der verletzte Kirchdorfer Spieler erstattete am nächsten Tag bei der Polizei Anzeige wegen Körperverletzung. Das bestätigt die Polizeiinspektion Landshut, in deren Zuständigkeitsbereich Oberglaim fällt. „Es wurden Zeugen benannt, die vernommen werden, und der Beschuldigte wird gehört“, erklärt Polizeihauptkommissar Daniel Prinz. Das Ermittlungsergebnis geht an die Staatsanwaltschaft, die über weitere Schritte entscheidet.

Auch das Sportgericht im Fußballkreis Niederbayern-West setzt sich mit den Vorfällen auseinander, schon allein wegen der beiden Roten Karten. „Der Bericht des Schiedsrichters ist eingegangen. Mehr darf ich wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen“, so Kreis-Sportgerichtsvorsitzender Anton Eigner. Grundsätzlich werden in solchen Fällen beide Clubs um Stellungnahmen gebeten.

„Dass ein Spieler nach der Elfmeterentscheidung mit einem Faustschlag niedergestreckt wird, das geht dann mal überhaupt nicht“, unterstreicht der SC Kirchdorf auf seinen Social-Media-Kanälen. Verein, Offizielle und Spieler distanzieren sich von einem solchem Verhalten.

Fast wortgleich formuliert es der SV Oberglaim seitens seiner Vorsitzenden. Kapitän und Trainer des Vereins entschuldigten sich nach dem Spiel bei den Kirchdorfern. „Wir werden nochmal auf den SC zugehen“, kündigt Riedl an. Auch Kirchdorf will nicht Öl ins Feuer gießen und wünscht dem Gegner „noch viel sportlichen Erfolg“.

Dass der Faustschlag eine „Gewalttat“, so der übel zugerichtete Kirchdorfer, ist, bleibt unstrittig. „Ich habe so etwas in 25 Jahren Fußball nicht erlebt, auch nicht im Fernsehen gesehen“, sagt der 31-Jährige. „Wir predigen Fairplay und dann passiert so etwas. Das ist traurig.“ Ob er zivilrechtlich Schadensersatz fordern werde, lässt der SC-Spieler offen.