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Klassenerhalt geschafft | 08.07.2020 | 06:00 Uhr

Tor, Dopingkontrolle, Bänderriss: Alina Angerer und ihr verrücktes Finale einer außergewöhnlichen Saison

von Helmut Heininger

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Kontinuität und Durchschlagskraft bewies Alina Angerer (vorne) in dieser Saison beim MSV Duisburg. Die Sonnenerin kam in allen 22 Spielen zum Einsatz, erzielte zwei Treffer, darunter das entscheidende 2:0 zum Klassenerhalt beim Finale in Jena. −Foto: imago images

Kontinuität und Durchschlagskraft bewies Alina Angerer (vorne) in dieser Saison beim MSV Duisburg. Die Sonnenerin kam in allen 22 Spielen zum Einsatz, erzielte zwei Treffer, darunter das entscheidende 2:0 zum Klassenerhalt beim Finale in Jena. −Foto: imago images

Kontinuität und Durchschlagskraft bewies Alina Angerer (vorne) in dieser Saison beim MSV Duisburg. Die Sonnenerin kam in allen 22 Spielen zum Einsatz, erzielte zwei Treffer, darunter das entscheidende 2:0 zum Klassenerhalt beim Finale in Jena. −Foto: imago images


"Die letzten Wochen waren echt der Wahnsinn. Ich bin überglücklich, dass es jetzt vorbei ist und wir drin bleiben in der Bundesliga." Alina Angerer, die 22-jährige Fußballerin aus Sonnen (Lkr. Passau), hat mit dem MSV Duisburg ein Marathon-Programm absolviert – mit Happy End. Am letzten Spieltag gelang bei Schlusslicht FF USV Jena ein 2:0-Sieg, der die Rettung bedeutete. Und die Niederbayerin hatte als Schützin des zweiten Treffers maßgeblichen Anteil.

"Die Anspannung war natürlich riesig vor diesem Finale. Aber wir konnten es aus eigener Kraft schaffen, das war schon ein Vorteil. Durch die frühe Führung, den Platzverweis gegen eine Jenaerin und das 2:0 kurz vor der Pause haben wir den Weg zu diesem ganz wichtigen Erfolg geebnet. Nach dem großen Druck der letzten Wochen war das ein riesiges Glücksgefühl", erzählt die Bayerwäldlerin. Der Dreier war zudem bitter nötig für den MSV, der im Endklassement mit 17 Zählern auf Platz 9 landete, punktgleich mit den dahinterliegenden Teams von Bayer Leverkusen und des 1.FC Köln, der auch mit seinem finalen 1:0-Sieg gegen Sand den Abstieg nicht mehr verhindern konnte.

Als der Schlusspfiff in Thüringen ertönte, brachen im Lager der "Zebras" emotional alle Dämme. Alina Angerer hatte aber noch einen Pflichttermin zu absolvieren. "Ich musste mit einer Teamkollegin zum Dopingtest, während die anderen schon ausgelassen feierten. Wir haben leider etwas länger gebraucht. Nach einer Stunde waren wir aber auch dabei, es war einfach genial", schwärmt die 22-Jährige. Gut fünf Stunden dauerte die stimmungsvolle Bus-Rückfahrt an den Niederrhein, um ein Uhr morgens wurde in Duisburg noch der Grill angeworfen. "Wir hatten schließlich auch Hunger, nicht nur Durst", lacht Angerer, die mit ihrer Truppe die Nacht zum Tag gemacht hat.

Am nächsten Morgen gab es jedoch ein böses Erwachen. Das rechte Sprunggelenk war dick angeschwollen. "In der letzten Minute ist mir eine Gegnerin draufgefallen. Ich habe das am selben Abend vor lauter Adrenalin gar nicht gespürt", erzählt die BWL-Studentin, die "nebenbei" im Juni auch noch zwei Klausuren absolvieren musste. Am Dienstag folgte nach einer MRT-Untersuchung die unschöne Diagnose: Zwei Außenbänder sind gerissen. Noch offen ist, ob ein operativer Eingriff erfolgen muss.

Vom 30. Mai bis zum 28. Juni hatten die Duisburgerinnen nicht weniger als sieben Geisterspiele zu bestreiten. Für Alina Angerer waren die Partien ohne Zuschauer schon sehr seltsam, ebenso wie das vom Verband auferlegte Prozedere während der gesamten Restsaison. "Vor dem ersten Spiel gegen Frankfurt waren wir eine Woche lang in Quarantäne im Mannschaftshotel. Wir durften nur zum Training raus und wurden zweimal pro Woche getestet. Zum Glück hatten wir in unserem gesamten Klub keinen einzigen Infektionsfall. Es war alles sehr gewöhnungsbedürftig, unter dem Strich bin ich aber froh, dass wir die Möglichkeit hatten, den Liga-Erhalt auf sportlichem Weg zu sichern."

Ganz fair fand sie den Ablauf des Saison-Endspurts aber nicht. "Wir haben zum Beispiel zwei Polizistinnen und eine Lehrerin im Team. Wenn die während der Woche zur Arbeit mussten, durften sie am Wochenende nicht spielen, weil sie ja nicht die geforderten zwei Tests in Quarantäne absolvieren konnten. Andere Vereine hatten ähnliche Probleme. Nicht so die großen Klubs. Die haben ja mehr als 20 Profis im Kader und konnten immer aus dem Vollen schöpfen. Wir hatten aus diesen Gründen beispielsweise in Hoffenheim nur noch zehn Feldspielerinnen mit dabei. Das war in gewisser Weise schon ein Wettbewerbsnachteil für uns", findet die Sonnenerin. Ein stabiles Nervenkostüm war zudem gefragt. Nach vier Punkten aus den ersten beiden Geisterspielen setzte es drei Pleiten in Folge, der MSV rutschte auf einen Abstiegsplatz zurück. Erst mit dem 0:0 gegen Potsdam und eben dem 2:0 in Jena wurde die "Kurve noch gekratzt".

Übrigens stieß die Restsaison der Frauenfußball-Bundesliga auf weltweites Interesse. Laut DFB wurde der Restart in 16 Ländern via TV übertragen, darunter Mexiko, Großbritannien, Norwegen und Schweden. "Man hat schon gemerkt, dass die Aufmerksamkeit durch die Livespiele auf Magenta-Sport oder Eurosport größer wurde. Das war ziemlich beeindruckend", freut sich die Wahl-Duisburgerin.

Alina Angerer darf nun stolz auf eine für sie persönlich außergewöhnliche Spielzeit zurückblicken. Sie stand in allen 22 Partien auf dem Platz, war 17 Mal in der Startformation vertreten und hatte mit 1608 Minuten die meiste Einsatzzeit aller "Zebras". "Das war mir, ehrlich gesagt, gar nicht so bewusst. Insgesamt kann ich aber schon zufrieden sein", sagt das Allroundtalent.

Jetzt freut sie sich aber erst einmal auf die Rückkehr in die Heimat: "Mal drei vier Wochen ausspannen, etwas Abstand gewinnen und wieder bei der Familie sein, das wird super." Wann und wie es weitergeht, ist noch offen: "Ich denke, dass man Anfang August in die Vorbereitung und im September in die neue Saison einsteigen wird. Hoffentlich wird die dann etwas weniger nervenaufreibend."












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