Ehemaliger Landesliga-Keeper

Vom Torwart-Talent zum Kraftsport-Pionier: Wie ein Bruch Daniel Meindls sportliches Leben veränderte

03.12.2022 | Stand 04.12.2022, 18:12 Uhr

Mit Lockerheit zu neuen Höchstleistungen: Daniel Meindl will einen jungen, frischen Ansatz in den Kraftsport bringen und hat damit Erfolg – sportlich wie auf Vereinsebene.

Von Alexander Augustin

Bereits mit 18 Jahren stand er für den 1. FC Passau in der Landesliga zwischen den Pfosten, dann brach sich Daniel Meindl (28) das Handgelenk und beendete seine Karriere. Heute revolutioniert er von Deggendorf aus den Kraftsport in Niederbayern.

Was ihm wohl verwehrt geblieben wäre, wenn er damals, mit 19, nicht nach diesem einen Ball gegriffen hätte? Daniel Meindl ist heute beinahe dankbar für das, was ihn vor ein paar Jahren noch so viele Nerven gekostet hat. Er hätte viele Freundschaften nicht geschlossen, als Fußball-Torhüter wohl auch eher selten Pokale geholt – „für ganz oben hätte es nicht gereicht“, sagt er – und einen Verein mit inzwischen beinahe 100 Mitgliedern hätte er wohl auch nicht gegründet. Als Pionier des jungen, frischen Kraftsports ist der Gründer von „Kraftsport Niederbayern“ auf dem besten Weg, die Szene in der Region zu revolutionieren.

„All das, was ich am Fußball geliebt habe, finde ich jetzt im Kraftsport“, sagt der Deggendorfer. Gemeinschaft, Spaß, sportliche Herausforderung – und das sogar ganz ohne Schmerzen im Handgelenk.

Ein falscher Moment bei der Passauer Stadtmeisterschaft

Es ist Meindls letzte Passauer Stadtmeisterschaft in der Halle als A-Jugendlicher. Mit 19 hat er zu diesem Zeitpunkt bereits für die Landesliga-Herren zwischen den Pfosten debütiert. In seiner Vita steht die Ausbildung bei Wacker Burghausen, zusammen mit den heutigen Profis Benjamin Uphoff (Freiburg) und Maxi Thiel (Aue). Doch dann greift er nach diesem einen Ball, den letzten Schuss beim Aufwärmen. Meindl ist schon auf dem Weg aus seinem Tor, will den Abschluss mit einem Wisch locker parieren. Zu locker. Sein Handgelenk ist nicht auf Spannung, knickt weg – bricht.

Der Heilungsprozess wird zur Odyssee. Von Praxis zu Praxis, von Hiobsbotschaft zu Hiobsbotschaft. Der Bruch wächst nicht planmäßig zusammen, es bildet sich ein Knochenmarködem, dann eine Zyste im Gelenk. Monatelang hat Meindl starke Schmerzen, an Fußball ist kaum zu denken. „Es hat mir schon wehgetan, wenn ich nur einen Türgriff angefasst habe.“

Ein Spezialist macht ihm klar: Er könnte die Hand operieren, aber die Gefahr des Versteifens ist groß. Nur mit Ruhe ist eine Heilung ohne bleibende Einschränkungen möglich. Meindl hört auf mit Fußball – und „substituiert“, sagt er heute, ganz der Kraftsportler, mit dem Gang ins Fitnessstudio. Auf den ersten Blick wenig handgelenkfreundlich. „Das ist ein großer Unterschied. Beim Krafttraining kommt es darauf an, das Handgelenk steif zu halten. Als Torwart fällst du immer in einer Überstreckung drauf, das war das Problematische.“


Heimstätte dringend gesucht



Knapp 100 Mitglieder, bereits einige Titel und Medaillen auf Bundes- und Landesebene – doch bald drei Jahre nach seiner Gründung sucht der Verein „Kraftsport Niederbayern“ noch immer nach einer sportlichen Heimat. Gründer Daniel Meindl wirbt für eine Kooperation mit einem Sportverein in Deggendorf und der näheren Umgebung. „Wir sind nicht in der Lage selbst Räumlichkeiten zu bauen, aber wir können die Geräte stellen, die der Verein dann mitnutzen könnte“, sagt er. Ausreichend wäre ein beheizbarer Raum mit 70 bis 120 Quadratmetern. „Wir haben diesbezüglich bereits bei der Stadt Deggendorf angefragt, aber dort geht die Hilfe leider gegen null“, bemängelt Meindl.




Er selbst, als Jugendlicher ein bisschen fülliger, wie er erzählt, wird schlanker, sportlicher, definierter. Die Gewichte auf der Hantel immer schwerer. Den Fußball hat er bald vergessen, auch als das Handgelenk längst ausgeheilt ist. Doch zwei Dinge vermisst er: den Wettkampf und das Vereinsleben.

In einer Einzeldisziplin wie dem Kraftsport, Mensch gegen Maschine – oder Maschine gegen Maschine im Fall von Meindl, Oberschenkel wie Dampfwalzen – steht das Zwischenmenschliche oft im Hintergrund. Der Ex-Fußballer will das nicht hinnehmen.

2018 fasst Daniel Meindl den Entschluss, auf Kraftdreikampf-Vergleiche hinzutrainieren. Kniebeuge, Bankdrücken, Kreuzheben. Im Jahr darauf tritt er bei der Bayerischen Meisterschaft an, wird in seiner Gewichtsklasse bis 83 Kilo Vierter. Für einen Landshuter Verein kämpft er in der Bayernliga. Die Erfahrungen zeigen ihm: Seine Sportart steckt nicht ganz unbegründet in der Nische fest. „Vieles ist festgefahren, vom alten Schlag.“ Meindl, nicht nur altersmäßig vom jungen Schlag, will das ändern – und findet sechs Mitstreiter, die wenige Tage vor dem ersten Corona-Lockdown in einem Deggendorfer Lokal „Kraftsport Niederbayern“ gründen.

Sowohl in der Breite als auch in der Spitze der Verein rasant gewachsen

Sie hätten den Verein auch „Kraftsport Deggendorf“ nennen können, aber Meindl und Co. wollen von Anfang größer denken. „Ein bisschen wollten wir mit dem Namen auch provozieren, aber unser Ansatz ist es, ganz Südostbayern anzusprechen.“ Aus den sieben Mitgliedern zur Gründung sind in knapp drei Jahren beinahe 100 geworden. Aus dem Bayerischen Wald, dem Rottal, Regensburg, sogar München. Bei der Bayerischen Meisterschaft war der Verein mit 21 Athleten am Start – elfmal Gold, dreimal Silber, fünfmal Bronze. Sowohl in der Breite als auch in der Spitze ist der Verein rasant gewachsen. Wie hat Meindl diese Euphorie erzeugt?

„Wir haben zu Beginn ganz viel bei Social Media gemacht“, sagt er. Professionelle Videos, Fotos produziert, die Sprache der jungen Leute gesprochen. Schnell kamen die ersten Mitgliedsanträge. „Uns haben bei Instagram unzählige Leute angeschrieben, ob sie zum Training vorbeikommen dürfen, es hat sich rumgesprochen und dann verselbstständigt.“

Als die Corona-Lage es wieder zulässt, holen Meindl und seine Kollegen die Begeisterung in die analoge Welt. Einmal im Monat finden derzeit Teamtrainings in einem Deggendorfer Fitnessstudio statt. Meist mit mehr als 40 Sportlern. So wird aus der Einzel- eine Mannschaftssportart. „Wir wollen auch abseits des reinen Wettkampfes das positive Aushängeschild der Szene werden“, betont Meindl. „Wir sind wie ein großer Stammtisch, der eben gemeinsam Sport macht. Es sind Freundschaften entstanden, sogar Beziehungen. Das ist das, was mehr wert ist als alles andere.“


Das Porträt ist am Freitag in der Heimatzeitung erschienen.