Azizsir hängt noch ein Jahr dran
Olympionike Valiev verstärkt Wacker-Ringer: 25 Jahre altes Freistil-Ass startet seit kurzem für Albanien

25.05.2024 | Stand 25.05.2024, 11:00 Uhr

Einen hochkarätigen Neuzugang verzeichnen die Ringer des SV Wacker mit dem gebürtigen Russen Chermen Valiev (hinten). − Foto: imago images

Die Ringer des SV Wacker Burghausen haben erneut auf dem Transfermarkt zugeschlagen und sich die Dienste des Freistil-Experten Chermen Valiev gesichert. Der gebürtige Russe erhielt vor rund sieben Wochen die albanische Staatsbürgerschaft und vertritt zukünftig das kleine Balkanland, das in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung im Ringsport verzeichnet hat. Seine Fähigkeiten auf der Matte stellte der 25-Jährige beim Welt-Qualifikationsturnier für Olympia 2024 unter Beweis, bei dem er das Ticket für Paris gelöst hat.

In seiner ursprünglichen Heimat Russland galt Valiev als eines der größten aufstrebenden Talente, dem durchaus zugetraut wurde, mittelfristig den in der Klasse bis 74kg unangefochtenen dreifachen Weltmeister und Olympiasieger Zaurbek Sidakov abzulösen. Doch das ist Valiev bis dato nicht gelungen, so dass er sich aufgrund der Aussichtslosigkeit auf weitere Einsätze auf internationaler Bühne zu einem Wechsel der Staatsangehörigkeit entschloss.

Bei der Olympia-Quali in Istanbul konnte Valiev restlos überzeugen. Siegen gegen den Armenier Hrayr Alikhanyan, Avtandil Kentchadze (Georgien) und Frank Chamizo aus Italien folgte im Halbfinale ein weiterer Erfolg gegen den Tadschiken Viktor Rassadin, der hinterher revidiert wurde. Doch davon ließ sich Valiev nicht aus der Ruhe bringen und setzte sich im Duell um Platz3 gegen den Kasachen Nurkozha Kaipanov knapp mit 4:3 nach Punkten durch. Im Kampf ums letzte verbliebene Ticket nach Paris gelang dem Welt- und Europameister der U23 von 2021 dann gegen Lokalmatador Soner Demirtas, der 2019 im Trikot des SV Wacker maßgeblichen Anteil an der Meisterschaft der Burghauser hatte, wenige Sekunden vor dem Ende der entscheidende Angriff zum 4:2-Erfolg.

„Die sportliche Qualität steht außer Frage“

„Die sportliche Qualität von Chermen Valiev steht außer Frage. Wer ihn einmal ringen gesehen hat weiß, dass er in der Bundesliga keinen Gegner zu fürchten hat. Seine Verpflichtung hat auch perspektivischen Charakter, da er seinen Zenit noch lange nicht erreicht hat“, betont SVW-Cheftrainer Eugen Ponomartschuk. Der Bundesligist von der Salzach hat mit Valiev, Mohammad Mottaghinia und Razambek Jamalov die Freistilklassen bis 75 und 80kg fast gänzlich neu besetzt, was neben jeder Menge ringerischer Qualität auch eine solide Personaldecke bringt.

Zudem hat der fünffache Deutsche Meister den Vertrag mit Ramsin Azizsir verlängert, der mit seinen bald 33 Jahren zu den Erfahrensten im Kader gehört. Wenngleich sich der Halbschwergewichtler damit im Spätherbst seiner sportlichen Karriere befindet, zählt er trotzdem noch lange nicht zum alten Eisen. Denn auch in der abgelaufenen Saison galt für den gebürtigen Hofer das Motto „Alter schützt vor Leistung nicht“. Ob in seiner angestammten Klasse bis 98 oder im 130-kg-Limit – auf den Burghauser Publikumsliebling war stets Verlass.

Bereits seit der Saison 2017 zählt Azizsir zum harten Kern der SVW-Truppe und war an allen fünf Mannschaftstiteln beteiligt, In seiner langjährigen Karriere kann der Routinier zudem auf große nationale und internationale Erfolge zurückblicken, darunter zwei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften. In der abgelaufenen Bundesliga-Saison gelangen dem Ausnahme-Athleten vier Siege und sechs Niederlagen, wobei er sich dreimal in der Kategorie bis 130kg behaupten konnte.

Bewährte Greco-Achse mit Felix Baldauf

Azizsir wurde als Sohn iranisch/ungarischer Eltern in Hof geboren und startete seine Karriere beim Traditionsverein ASV Hof. Schnell kristallisierte sich sein Talent für den griechisch-römischen Stil heraus. 2009 wurde er Deutscher Juniorenmeister, es folgte der Titel bei der Junioren-EM. Nach seiner Ausbildung zum Polizeimeister wurde er in die Fördergruppe Spitzensport der Bayerischen Polizei aufgenommen. In der Mitte September beginnenden Runde wird Azizsir zusammen mit Felix Baldauf die bewährte Greco-Achse im Halbschwer- und Schwergewicht bilden.

− rh