22-Jähriger mit großen Zielen
„It‘s Showtime“: Quarterback Tobias Kanther startet mit den Kirchdorf Wildcats in die GFL

18.05.2024 | Stand 18.05.2024, 6:00 Uhr

Von seiner langjährigen Tenniserfahrung profitiere er als Quarterback, so Kanther: „Beim Aufschlag beim Tennis ist der Transfer der Körperkraft von den Beinen auf die Arme ähnlich zum Football.“ − Foto: Archiv Schmadel

„Wenn man mich fragt, ist die Reise noch lange nicht zu Ende“, gibt sich Tobias Kanther (22) gleichermaßen selbstbewusst und ehrgeizig. In der vergangenen Saison führte der Quarterback die Kirchdorf Wildcats zum Meistertitel und dem damit verbundenen Aufstieg in Deutschlands Football Oberhaus, die German Football League (GFL).

Nur einer von drei deutschen Starting Quarterbacks in GFL



Auch in dieser Saison, die am Samstag um 16 Uhr in der Inn-Energie-Arena gegen den absoluten Favoriten Schwäbisch Hall Unicorns beginnt, wird der in Nordrhein-Westfalen geborene Kanther die Offensivaktionen der Wildcats von Sekunde eins an dirigieren. Neben ihm setzen nur zwei andere der insgesamt 15 GFL-Teams auf deutsche Starting Quarterbacks, der Rest vertraut überwiegend auf US-amerikanische Kräfte.

Zum Start gleich gegen die Übermannschaft



Das Spiel gegen die Unicorns wird gleich der erste Härtetest in der höchsten Spielklasse. Die Footballer aus Schwäbisch Hall sind seit 2011 Serienmeister in der Süd-Staffel und krönten sich dabei im Finale, dem German Bowl, fünfmal zum deutschen Meister. „Klar, das ist der schwerste Gegner gleich zum Auftakt“, ist sich der 22-Jährige der Aufgabe bewusst: „Aber wir haben alle Bock drauf und freuen uns darauf, uns mit den Besten zu messen.“

„Ohne Sport geht es nicht“



Herausforderungen wie diese sind es, die den 90 Kilo-Athlet vor sieben Jahren zum Football brachten. Kanther spielte lange Tennis in seiner Heimat Fürth, irgendwann aber habe ihm die Motivation fürs Training gefehlt, sagt er. Schnell stand jedoch fest: „Ohne Sport geht es für mich nicht.“ Er fing mit dem Fußball an und kam zeitgleich über einen Nachbarn zum Football bei den Franken Timberwolves. Seinem damaligen Coach Daniel Masching sagte er selbstbewusst, er wolle als Quarterback spielen. Den 1,90 Meter großen Kanther faszinierte die Drehung des Footballs beim Wurf. Als ehemaliger Tennisspieler, so meint Kanther heute, profitierte er vom Aufschlag und konnte seine Athletik so auf das Spiel des Quarterbacks übertragen.

Vom Tennis nicht ganz losgekommen



Im Fußball habe ihm das nötige Talent gefehlt, stellt er fest, also dachte er sich: „Lieber bin ich gut in dem was ich mache und konzentriere mich auf das, wo ich höhere Ziele verfolgen kann.“ Seit 2017 ist er nun Quarterback. Vom Tennis ist der Mann mit der Trikotnummer vier aber noch nicht ganz losgekommen. Aktuell macht er beim Bayerischen Tennis-Verband in München eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann.

Wiedersehen mit Jugendcoach Daniel Masching in Kirchdorf



Zu den Wildcats kam der Franke 2020 wieder über Jugendtrainer Masching. Der jetzige Assistant Head Coach war inzwischen in Kirchdorf und holte seinen ehemaligen Schützling nach Oberbayern. Drei Jahre später führte Kanther die Wildcats in seiner ersten Saison als Starting Quarterback zum Meistertitel. Für die höchste deutsche Footballliga gibt er die Ziele mit der Mannschaft so vor: „Möglichst viele Spiele gewinnen und zeigen, dass wir dazugehören. Dass wir uns vor keinem Gegner verstecken müssen.“

Brisante Derbys gegen München und Straubing



Besonders freue er sich auf die Derbys gegen die Munich Cowboys und die Straubing Spiders: „Da wird’s heiß hergehen, auf dem Platz und auf den Rängen“, ist er sich auch der Unterstützung der heimischen Fans sicher. Aber auch auf das Heimspiel gegen die Berlin Rebels oder die Auswärtsfahrt zu den Baltic Hurricanes in Kiel fiebert Kanther bereits hin.

„Das größte Talent hilft nichts, wenn nichts bei rauskommt.“



Er selber wolle in allen Spielen das Beste aus sich rausholen, sagt er. Sich nicht auf dem Potenzial, was ihm nachgesagt werde, ausruhen. Sein Motto, wie auch in seinem Instagram-Profil zu lesen: „It’s Showtime“. Denn: „Das Wahre ist die Leistung. Das größte Talent hilft nichts, wenn am Ende nichts bei rauskommt.“ Das klingt schon fast nach Profi.

Wurftechnik von Joe Burrow, Mentalität von Kobe Bryant



Ein Sportidol, so Kanther, habe er nicht. „Ich versuche meinen eigenen Weg zu gehen und lasse mich eher von einzelnen Attributen inspirieren, die am besten zu mir passen.“ Die Wurftechnik von Joe Burrow, NFL-Quarterback der Cincinnati Bengals, zum Beispiel. Oder die Mentalität von Basketball-Legende Kobe Bryant.

Der Traum: Spielen für die Nationalmannschaft



Ein Traum für den Quarterback ist die deutsche Football-Nationalmannschaft. Vor zwei Jahren habe es dort bei einem Try-Out noch nicht gereicht, trotz eines guten Gefühls, wie Kanther berichtet. Mit der neuen Herausforderung in der 1. Liga will er sich nun weiter verbessern, auf sich aufmerksam machen und sich für die nationale Elite empfehlen. „Zeit“, weiß der 22-jährige Azubi, „habe ich noch.“ Tobias Kanthers Reise scheint also noch lange nicht zu Ende.