Am Samstag Start in Waging
Erfolgsduo im Schwimmen wieder vereint – Christof Wandratsch macht erneut gemeinsame Sache mit Trainer Stefan Hetzer

05.06.2024 | Stand 05.06.2024, 18:21 Uhr |

Freuen sich über die erneute Zusammenarbeit: Langstrecken- und Eisschwimmer Christof Wandratsch sowie Trainer Stefan Hetzer. − F.: red

Sie waren über zweieinhalb Jahrzehnte lang ein erfolgreiches und unzertrennliches Team, dann trennten sich für sieben Jahre ihre Wege. Nun haben Schwimm-Routinier Christof Wandratsch (57) aus Haiming und der Burghauser Trainerfuchs Stefan Hetzer (70) wieder zusammengefunden und wollen mit ihrer Zusammenarbeit an die Coups vergangener Tage anknüpfen.

„Wir haben uns bei der Eisschwimm-WM in Tallinn unterhalten und uns dann noch einmal zu einem Gespräch in Burghausen getroffen und uns ausgesprochen. Dabei haben wir beschlossen, es wieder zusammen zu probieren“, erzählt Wandratsch von der Annäherung an seinen früheren Coach, der in Estlands Hauptstadt bei der Veranstaltung des Verbandes IWSA (International Winter Swimming Association) als Vorstand und Trainer seine Schützlinge von Serwus Burghausen betreut hat. Zurück in der Heimat habe man dann eine erneute Kooperation beschlossen.

Dass die „Missverständnisse“, die ihn auch privat belastet hätten, ausgeräumt sind, darüber zeigt sich Hetzer erfreut. „Es hat nie Streit gegeben. Wir hatten immer Respekt voreinander und haben alles erlebt, was man zwischen Trainer und Sportler erleben kann“, betont der 70-Jährige, der auch weiter im Trainerteam des SV Wacker mitarbeitet.

Seit Hetzer 1991 nach der deutschen Wiedervereinigung zum SV Wacker gekommen ist, hatte er „Wandi“ unter seinen Fittichen. Der ehrgeizige Sportler entwickelte sich unter der Führung des ehemaligen Spitzentrainers der DDR zu einem der besten Freiwasserschwimmer der Welt. Die EM-Titel 1991 und 1995 über 25 und 15 Kilometer, WM-Gold über 10 Kilometer 2000 mit dem Team, die Durchquerung des Ärmelkanals zwischen Dover und Calais 2005 sowie der Straße von Gibraltar 2007 jeweils in Rekordzeit, zahlreiche Weltcup-Siege in aller Welt im Freiwasser sowie im Eisschwimmen der WM-Titelgewinn 2015 über 1000 Meter sind nur einige der Meilensteine, mit denen das Erfolgstandem Hetzer/Wandratsch international für Furore gesorgt hat. 2017 kam es dann zum Bruch aufgrund „zahlreicher Unstimmigkeiten und unterschiedlicher Ansichten im sportlichen und organisatorischen Bereich“, wie Wandratsch es formuliert.

Fünf weitere Goldmedaillenbei der Eisschwimm-WM

Der 57-Jährige hat sich in den folgenden Jahren mit einigen anderen Übungsleitern sowie teils auch in Eigenregie sportlich über Wasser gehalten und dabei vor allem bei seiner bitterkalten Leidenschaft, dem Eisschwimmen, weiter für Furore gesorgt. So war der Routinier vom Team „Keep Frozen“ aus seinem Geburtsort Veitsbronn 2020 der Erste, der weltweit den Gesamtweltcup der beiden Verbände IWSA und IISA (International Ice Swimming Association) für sich entschieden hat. Auch Anfang März dieses Jahres bei der WM in Estland war er in seiner Altersklasse kaum zu schlagen. Im Hafenbecken der 1,5 Grad kalten Ostsee vor Tallinn erweiterterte er in den Freistilrennen über 50, 100, 200 und 450 Meter sowie über 25 Meter Schmetterling seine umfangreiche Sammlung um weitere fünf Goldmedaillen. Dazu kam Silber über 25 Meter Freistil und überraschend der 3.Platz mit der Freistil-Staffel über 4x25 Meter zusammen mit Marie-Therese Bartl vom SV Wacker, Alisa Fatum aus Leipzig und dem Rostocker Martin Hoffmann.

Nach dem „sehr guten Saisonabschluss“ gönnte sich „Wandi“ eine Pause, um kleinere Wehwehchen an Schulter und Knie auszukurieren. Unter der Leitung von Hetzer baut der Mann mit einem Ruhepuls von 40 Schlägen pro Minute, der zum SV Wacker zurückgekehrt ist und damit auch von den idealen Trainingsbedingungen in Burghausen profitiert, derzeit seine Form auf. Am kommenden Wochenende will es der Lehrer erstmals wieder wissen. Zum Auftakt des Alpen Open Water Cups 2024 mit elf Stationen in Bayern und Österreich gilt es am Samstag, 8. Juni, beim Waginger Langstreckenschwimmen 3,8 Kilometer abzuspulen. Einen Tag später bestreitet der nimmermüde Sportler dann beim Staffel-Triathlon in Ingolstadt den Schwimmpart über 1,9 Kilometer. Das Laufen, einen Halbmarathon (21,0975 Kilometer), übernimmt seine Lebensgefährtin Karin Freutsmiedl, die 90 Kilometer auf dem Rad strampelt deren Sohn Max ab.

Weltcup in Argentinienals „emotionale Sache“

All das ist für den umtriebigen Wandratsch aber nur Vorgeplänkel für den Auftritt bei einem besonderen Event, den er für Mitte August in Argentinien plant. Der Weltcup im Winterschwimmen im für seinen spektakulären Gletscherabbruch bekannten Lago Argentino ist für den Wahl-Haiminger eine „emotionale Sache“. Schließlich weilte er von 1991 bis 2011 jedes Jahr für ein paar Wochen in Argentinien und hat sich dort beim Abenteuer Marathon-Weltcup mit Streckenlängen von bis zu 80 Kilometern durchgebissen. Mit einem erneuten Start und dem „Gewinn von Weltcups im Sommer und Winter in Argentinien“ würde sich in seinem außergewöhnlichen Sportlerleben ein Kreis schließen – ebenso wie mit der erneuten Zusammenarbeit mit Trainer Stefan Hetzer.