„Finale dahoam“ für die Rhinos
Regensburger Lacrosseteams spielen am Samstag um den Ligapokal Süd – Herren mit Titelchance

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 19:15 Uhr |

Die Regensburg Rhinos bereiten sich diese Woche auf den Ligapokal vor. Fotos: Götz

Die Sportler, die an diesem Abend auf dem Kunstrasen der Sportanlage am Weinweg trainieren, wirken auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Eishockey-, Feldhockey- und Footballspielern. Helm, Mundschutz, teilweise Körperschutz und Schläger mit Fangnetz an den Enden. Was klingt wie ein Rätsel aus dem ARD-Abendprogramm, hat eine einfache Lösung: Lacrosse. Und für die Regensburger Lacrosse-Damen und -Herren, die Regensburg Rhinos, stehen am Wochenende auf der Heimanlage am Weinweg der Ligapokal Süd an und gerade die Herren haben gute Chance auf einen Titel.

Im Ligapokal Süd spielen bei den Damen und den Herren die vier besten Landesliga-Mannschaften Süddeutschlands gegeneinander, sprich jeweils der Tabellenerste und Tabellenzweite aus den Landesligen Bayern und Baden-Württemberg. Während die Regensburger Damen, die in einer Spielgemeinschaft mit Würzburg spielen, unter anderem im letzten Jahr schon beim Ligapokal dabei waren, ist bei den Männern, die mit Passau eine SG bilden, eine Teilnahme schon etwas Besonderes.

Herren sind Favorit

„Das kam wirklich überraschend“, sagen die Spielerinnen Kerstin Storath und Pauline Hösel und lachen. Im Verein ist die Freude groß, dass man mit beiden Teams am Ligapokal, dem „Finale dahoam“, wie es die Rhinos selbst nennen, teilnehmen kann. Denn in den letzten Jahren schafften es die Herren aufgrund ihres Tabellenplatzes nicht, sich für den Ligapokal zu qualifizieren. In diesem Jahr hat sich das dann komplett geändert. Mit sechs Siegen aus acht Spielen wurden die Regensburger Meister der Landesliga Bayern und blieben in der Rückrunde komplett ungeschlagen. Aufgrund dieser Fabelsaison zählt das Team am Samstag zu den Favoriten.

Doch was sind die Gründe, dass es bei den Herren nach Jahren auf einmal so richtig läuft? „Man hat im Training gemerkt, dass die Spieler richtig ambitioniert waren und mit den Trainingserfolgen kam dann auch der Spielerfolg“, sagen Storath und Hösel. Und sie haben es mitbekommen: Denn für gewöhnlich trainieren die Herren und die Damen zusammen.

Herren- und Damen-Lacrosse unterscheiden sich



Vor dem Ligapokal hat sich das nun geändert, denn Herren- und Damen-Lacrosse sind von der Spielanlage völlig anders. „Die Herren spielen sehr körperlich, da ist es ein Vollkontaktsport“, erklären Storath und Hösel. „Bei den Damen ist es dagegen viel taktischer.“ Daher haben sich die Männer entschlossen, vor dem Ligapokal unter sich zu trainieren: „Im Training mit uns nehmen sie sonst einfach viel Rücksicht“, sagen Storath und Hösel. Dass die Varianten der beiden Geschlechter so unterschiedlich sind – und sich im Übrigen auch im Regelwerk und den Platzmarkierungen unterscheiden – das liegt vor allem an der Geschichte des Sports: Herren- und Damen-Lacrosse sind historisch getrennt voneinander gewachsen – mit völlig unterschiedlich Motiven.

Kriegsalternative vs. Klosterschule



Während Herren-Lacrosse seine Ursprünge bei den indigenen Völkern Nordamerikas hat, die so ihre Konflikte ausspielten, entstand das Damen-Lacrosse an einer schottischen Klosterschule. „Herren- und Damen-Lacrosse sind zwei völlig gleichberechtigte Sportarten“, sagt Jakob Großehagenbrock, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Lacrosseverbands (DLaxV) und nach wie vor gelegentlicher Herren-Spieler der Rhinos. Das habe vor allem den Vorteil, dass die Damen-Variante nicht nur als vermeintlich langsamere oder langweiligere Variante des Herrensports gelte. Für Damen wie Herren steht 2028 ein großes Highlight an: Dann wird Lacrosse in Los Angeles nach 80 Jahren Abstinenz wieder olympisch sein.

Lacrosse wieder olympisch

Für den Verband gilt es daher aktuell die Weichen auf Olympia zu stellen. Großehagenbrock ist zuversichtlich, dass Deutschland vertreten sein wird. Bei Olympia wird in der Variante „Sixes“ gespielt. Dabei spielen sechs Spieler pro Mannschaft 4 × 8 Minuten auf einem 70 × 36 Meter großen Feld, was diese Variante schneller macht, als das Feld-Lacrosse, das auch am Samstag im Ligapokal zu sehen sein wird. Hier stehen zehn Spieler für 4 × 15 Minuten auf einem 60 × 100 Meter Feld, davon ein Torhüter.

Zurück zum Ligapokal. Bei diesem wollen auch die Damen, um Kerstin Storath und Pauline Hösel ihr Bestes zeigen, auch wenn das Turnier unberechenbar ist: „Von Platz eins bis vier ist alles möglich. Es ist sehr tagesformabhängig und manchmal spielen auch noch andere Faktoren wie das Wetter mit rein“, sagen die beiden, die aber ergänzen: „Es gibt durchaus Chancen für uns.“

Ligapokal ab 12 Uhr am Weinweg



Ligapokal-Auftakt ist am Samstag um 12 Uhr mit dem Damenspiel gegen die Freiburg Pumas. Die Herren spielen um 14 Uhr gegen die SG Freiburg B/Konstanz. Um 16 beziehungsweise um 18 Uhr finden dann die Platzierungsspiele statt.