Wiedergeburt eines Wettbewerbs
Regensburg ist am Wochenende Gastgeber für die erste Deutsche Streetboard-Meisterschaft seit 24 Jahren

12.06.2024 | Stand 12.06.2024, 18:30 Uhr |

Der Regensburger Streetboarder Leon Hiergeist (11) zählt als amtierender Vize-Weltmeister am Wochenende zu den Favoriten bei den Junioren. Foto: Götz

Noch ist es in der Skatehalle des spot e.V. Regensburg recht ruhig. Spätestens am Samstag wird sich das jedoch gewaltig ändern. Dann werden in der Halle die Deutschen Meisterschaften der Streetboarder ausgetragen. Das erste Mal nach einer 24-jährigen Pause. Der Sport erlebt aktuell eine Wiederauferstehung und Regensburg ist eines der Zentren für die Szene geworden. In Deutschland, aber auch in der Welt.

Dass der Sport aktuell ein Revival erlebt, führen Carlotta Teckentrup (24) und Paul Ernsberger (19) vom Organisationsteam des spot e.V. auf die Corona-Zeit zurück. Seit der Pandemie wacht die lange Jahre eingeschlafene Streetboard-Community, die zuvor vor allem in den 1990er-Jahren blühte, wieder auf und vernetzt sich auch. Der Domstadt kommt dabei eine besondere Rolle zu: „Regensburg ist der Streetboard-Hotspot in Deutschland und auch einer der Hotspots der Welt“,erzählen Teckentrup und Ernsberger. 

„Einzigartiges Projekt“

Eine Aussage, die doch etwas überrascht: Würde man die Sportart doch eher in Metropol-Regionen wie München oder Berlin erwarten. Die Erklärung, dass ausgerechnet Regensburg der Hotspot wurde, liegt vor allem in der guten Infrastruktur, die die Stadt den Streetboard-Sportlern bietet: „In München gibt es auch eine Szene, dort ist alles jedoch sehr verstreut“, sagt Ernsberger. In Regensburg gebe es so eine Grüppchenbildung nicht, da alle im Verein und in der Skatehalle in der Lilienthalstraße optimale Bedingungen zum Streetboarden finden. Gerade Zweites ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: Denn Hallen, die für Streetboarder und dann noch für eine Deutsche Meisterschaft geeignet sind, seien äußerst schwer zu finden, sagen Teckentrup und Ernsberger. Regensburg sei da schon ein „sehr einzigartiges Projekt“, wie die Organisatoren betonen.

Idee zur DM kam vor vier Wochen auf



Trotzdem wurde der Verein von den Planungen für eine Widerauferstehung der Deutschen Meisterschaften etwas überrascht. Dass die „German Streetboard Championship“, wie die Veranstaltung in der Szene heißt, nach über zwei Jahrzehnten Pause nun wieder stattfinden soll, wurde erst vor gut einem Monat an die Regensburger herangetragen. Und die haben geliefert: Am Wochenende sind die besten Streetboarder Deutschlands und auch internationale Gäste, die in einer gesonderten Wertung fahren werden, dabei.

Von elf bis etwa 16 Uhr findet der Slalom-Wettbewerb im Skatepark Pentling statt. Ab 16 Uhr verlagert sich das Geschehen dann mit den Disziplinen „Street“ und „Miniramp“ dann in die Regensburger Skatehalle. Nicht nur bei dem Namen der Halle drängt sich bei Laien unweigerlich die Frage auf, was der Unterschied zwischen Skate- und Streetboard ist. Teckentrup und Ernsberger sind auf diese Frage jedoch vorbereitet. „Skateboard und Streetboard sind auf jeden Fall miteinander verschwägert“, sagt Ernsberger. 

Skate- oder Streetboard?

Ein Hauptunterschied ist, dass man beim Streetboard mit den Füßen an das Board geschnallt ist. So kann man sich nicht wie beim Skateboarden mit dem Bein anstoßen, was direkt zum zweiten großen Unterschied führt: Das Streetboard ist in drei Glieder geteilt: Ein starres Verbindungsstück in der Mitte verbindet die beiden beweglichen Enden des Boards, unter denen die Rollen befestigt sind und an denen die Füße festgeschnallt werden. Durch schlängelnde Bewegungen mit den Füßen an den beweglichen Enden kommen die Streetboarder auf ihr Tempo – was das Board auch unter dem Namen Snakeboard bekannt machte.

Wie das aussieht, zeigt Leon Hiergeist (11) gerade eindrucksvoll in der Halle. Der Regensburger, seines Zeichens amtierender Junioren-Vizeweltmeister, zählt am Samstag zu den Favoriten auf einen Titel bei den Junioren. Er steht exemplarisch für das Corona-Revival des Sportes: Hiergeist kam während der Coronapandemie durch seinen Vater Michael, der ebenfalls Teil des Orga-Teams ist, zum Sport. Und wenn man ihn auf dem Board beobachtet, macht sich das Gefühl breit, dass es nichts Leichteres auf dieser Welt gibt. Hiergeist fährt mit einer Leichtigkeit durch die Halle und in der Rampe, dass man das Gefühl bekommt, das Brett unter seinen Füßen sei Teil seines Körpers. 

Dabei ist das Streetboarden für Anfänger gerade koordinativ sehr anspruchsvoll. Und wenn das klappt, braucht man auch eine Portion Mut: „Man muss sich schon trauen, die Tricks dann auch zu machen“, sagt Teckentrup. Nicht umsonst empfiehlt sie gerade Anfängern mit einem Lachen auch ein paar Knieschoner.