Das Derby ist aber noch fraglich
ESV-Männer steigen in die Landesliga auf: Gut Ding braucht manchmal Weile

23.05.2024 | Stand 23.05.2024, 18:45 Uhr
Gerd Winkler

Lukas Herzberg (in Blau) war mit 130 Treffern der erfolgreichste ESV-Werfer. Foto: Christian Brüssel

Endlich ist es geschafft! Die Handballer der Bunkerboys vom ESV 1927 spielen ab September in der Landesliga – nach vier Vizemeisterschaften und einem dritten Platz in der Bezirksoberliga. Was unter der Regie des heutigen Frauentrainers der Zweitliga-Mannschaft, Bernhard Goldbach, nicht klappen wollte, ist unter Nachfolger Roy Müller in dessen zweitem Jahr auf der Bank gelungen.

Bis dato spielte der ESV mit dem jetzigen Abteilungsleiter Dieter Müller auf der Platte in den 60er-Jahren für eine Saison in der Landesliga.

Mit 18:4 Punkten wurden die Bunkerboys Halbzeitmeister, am Ende reichten 34:10 Zähler drei Punkte vor den gleichauf liegenden Erlangen-Bruck II und HC Sulzbach für das Klettern in die fünfte Liga. Vier Minuspunkte waren den Spielen gegen den Tabellensiebten TB Roding geschuldet. Zum Auftakt unterlag der ESV an der Dechbettener Brücke mit 23:24, im Rückspiel reichte 61 Sekunden vor Schluss das 25:24 nicht – mit einem direkt verwandelten Freiwurf drehte Roding das Ergebnis.

Extrem junge Mannschaft

Für Abteilungsboss Dieter Müller ist der Aufstieg „unter den gegebenen Voraussetzungen eine Supersache“. Er habe nach dem Wechsel der Simbeck-Brüder Jojo und Basti zum Bayernligisten SG Regensburg nie damit gerechnet. Noch dazu sei das mit einer extrem jungen Truppe geschafft worden. Der Teamgeist sei entscheidend für den Erfolg gewesen. In der Landesliga sieht der bekanntlich gefühlte Berufspessimist schwere Zeiten kommen. „Bisher hat sich noch kein klarer Führungsspieler herauskristallisiert, der in stressigen Situationen die Übersicht behält“, bedauert Müller.

Man habe jugendlichen Spirit zu bieten, aber das gegen viele alte Hasen, die auch höherklassig gespielt hätten. „Ganz klar, sollten wir den Klassenerhalt schaffen, ist das, etwas übertrieben gesagt, fast ein Wunder.“ Derweil hofft Coach Roy Müller, „dass wir in der Landesliga eine gute Rolle spielen.“ Man würde an der Aufgabe wachsen, von Training zu Training und von Spiel zu Spiel.

Sein Optimismus fußt überdies auf Neuzugängen. Vom Lokalrivalen SG Regensburg II konnten die Rückraum-Halben Lukas Weisser und Adrian Meta sowie Kreisläufer Frederik Kuhn losgeeist werden. Aus Roding wechselte Linksaußen Vincent Deml an die Donau, von der HSG Weiden Rückraum-Mitte Fabian Szameitat. Unterdessen hat sich Halblinks Tom Winkelmann in die Heimat nach Göttingen verabschiedet, Außen Florian Mertens studiert nun in Leipzig. Wegen hartnäckiger Meniskusprobleme musste Moritz Vater seine Karriere beenden. Und die im August Vaterfreuden entgegensehenden Teamsenioren Maximilian Miersch (Tor) und Andreas Bayer (Kreis) befinden sich nur noch im Standby-Modus.

Am 17. Juni startet der ESV mit einem 17er-Kader in die Vorbereitung. Co-Trainer Tobias Oursin reibt sich schon die Hände: „Endlich dürfen wir harzen, das ist gleich ein anderes Spiel.“ Man habe viel mehr Möglichkeiten, mit dem Kreis zusammenzuspielen, und die Wurfgeschwindigkeit sei erheblich höher. „Da gibt es viel zu üben, vor allem das Passen.“

Um eine Klasse höher bestehen zu können, werde man neben der 6:0-Abwehr eine offensivere dazunehmen. Weil von der Körpergröße benachteiligt, solle das Spiel mit dem siebten Feldspieler forciert werden. „Vorne müssen wir zielstrebiger und kaltschnäuziger beim Abschluss werden“, fordert Oursin.

Entscheidung steht bevor

Ob es in der Landesliga zum Derby gegen die eigentlich abgestiegene SG Regensburg II kommt, steht noch in den Sternen. Nach einem Kuddelmuddel in der Relegation – sogar die Bild-Zeitung berichtete – muss das Verbandssportgericht noch eine Entscheidung fällen. Dem Vernehmen nach an diesem Wochenende.