Viel Aufwand für den Bundesliga-Traum
Die Komossas: Vater und Sohn sind vom Handball-Virus infiziert

04.06.2024 | Stand 04.06.2024, 16:33 Uhr |

Wenn der Vater mit dem Sohne ...: Bislang war Volker Komossa Trainer seines Sohnes Kilian. Inzwischen ist er als Chauffeur zur Trainingsstätte in Erlangen gefragt. Foto: Graef

Viele Jugendliche könnten sich Schöneres vorstellen, als den Montagabend 150 Kilometer von zu Hause entfernt in einer Sporthalle zu verbringen. Kilian Komossa nicht. Er übt Gegenstöße in der Turnhalle der Franconian International School in Erlangen – die Trainingsstätte der Jugend des Handballbundesligisten HC Erlangen. Auf der Tribüne der modernen Sporthalle sitzt sein Vater Volker Komossa.

Er hat seinen Sohn nach der Schule ins Training gefahren und schaut den Talenten zu. Währenddessen diskutiert der 50-Jährige mit einem anderen Vater, der seinen Sohn aus Pegnitz zum Stützpunkt gebracht hat. Das Gesprächsthema: natürlich Handball.

Bei den Komossas dreht sich viel um den Ballsport. Volker Komossa ist C-Jugend-Trainer und ehemaliger Bayernliga-Torwart des ASV Cham.

Bis zum Ende der vergangenen Saison trainierte er beim ASV noch seine beiden Söhne Quirin und Kilian. Letzterer hat den ASV verlassen. Der gemeinsame Trainer-Spieler-Weg endete nach neun Jahren vorerst mit dem Gewinn der Bayerischen Meisterschaft der Bezirke. Kilians endgültiger Wechsel zum HC Erlangen hatte sich lange angebahnt.

„Ich habe mein erstes Training im Oktober 2022 gemacht und wurde sehr gut aufgenommen“, sagt Kilian Komossa. Er ist auf der Position Rückraum-Mitte aktiv.

Doppeltes Spiel

Vor zwei Jahren hatte das Handballtalent beim HC Erlangen nur mittrainiert. Diese Saison spielte der 15-Jährige sowohl für die C-Jugend des ASV Cham in der Landesliga, für die er 162 Tore in zwölf Partien warf, als auch für die Bayernligamannschaft des HC Erlangen. Ein Zweitspielrecht machte es möglich.

„Teilweise war es schon eine Mehrbelastung, weil ich manchmal zwei Spiele an einem Tag gemacht habe“, erklärt Komossa. „Das ist natürlich doppelte Anstrengung.“ Dennoch machten ihm auch diese Tage Spaß. Der Weidinger genoss es, seinem Sport sowohl mit den Erlangern als auch mit seinen langjährigen Mannschaftskollegen und Freunden in Cham nachzugehen.

Trotzdem ist ab kommender Saison Schluss damit. Der Aufwand wird zu groß. Der Schüler des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums – Stützpunktschule Handball – trainiert fünf Mal wöchentlich in Mittelfranken. Bei den Fahrten tun sich die Komossas mit zwei anderen Chamer Handballtalenten der Erlanger C-Jugend zusammen. Am Wochenende kommen dann noch die Begegnungen dazu – zukünftig dann aber nur noch Spiele für Erlangen.

Dort gehört er ab kommender Saison der B-Jugend an, die in der Bundesliga mitmischt. „Das wird bestimmt nicht leicht“, sagt der junge Spielmacher. Sein Ziel ist dennoch, Teil der Startsieben zu werden. Damit würde der 15-Jährige seinem Traum, irgendwann im Kader der ersten Herrenmannschaft des HC Erlangen zu stehen – die aktuell in der Bundesliga im Abstiegskampf steckt – einen kleinen Schritt näher kommen. „Ich glaube, jeder Handballer will von Kind an irgendwann in der Bundesliga spielen“, sagt Komossa. Trotzdem weiß der Jugendliche, dass es viel Einsatz und auch viel Glück braucht, um es in die „stärkste Liga der Welt“ zu schaffen.

Das Glück war der Punkt, an dem sein Vater auf dem Weg in Richtung Bundesliga scheiterte. Volker Komossa war bis 2007 Schlussmann beim ASV Cham. Zur Torwartposition kam er nur, weil sich der Stammkeeper den Arm gebrochen hatte und Komossa sich in der C-Jugend als Ersatz „anscheinend nicht ganz so schlecht anstellte“. Die Torwartposition blieb ihm, Volker Komossa wurde immer besser und schaffte es in die Bayern-Auswahl. Als es erste lockere Gespräche mit Interessenten aus der Bundesliga gab, verletzte er sich am Knie. „Das ist erst mal ein frustrierendes Erlebnis“, sagt der Gymnasiallehrer am Benedikt-Sattler-Gymnasium in Bad Kötzing. „Weil man natürlich auch weiß, was eine Verletzung bedeuten kann und dass es nicht ganz leicht ist, wieder zurückzukommen.“

Volker Komossa kam zurück. Nur der Traum von der Bundesliga ging nicht mehr in Erfüllung. Trotzdem blickt Kilians Vater glücklich auf seine aktive Zeit zurück. Auch wegen der Freunde, die er über den Handball gewonnen hat. „Wir sind immer noch in Kontakt und treffen uns zu Geburtstagen, obwohl wir mittlerweile in ganz Deutschland verteilt sind“, sagt Komossa. „Das ist ein Mehrwert, der über das Sportliche hinausgeht.“

Vater bis 2007 aktiv

Er wollte nach seinem letzten Spiel 2007 nichts mehr mit Handball am Hut haben. Wenige Jahre, nachdem Kilian geboren war, packte Volker Komossa seine Leidenschaft doch wieder. Er übernahm als Trainer die Bambinis des ASV. Dort sammelten seine Söhne Kilian und der jüngere Quirin erste Handballerfahrungen. Die eigenen Kinder zu trainieren, birgt Herausforderungen. „Man muss aufpassen, dass nicht der Eindruck erweckt wird, dass man den eigenen Sohn bevorzugt“, sagt der Oberpfälzer. Komossa habe bei den eigenen Söhnen manchmal sogar etwas strenger reagiert. „Das hat sich schnell gegeben, nachdem es ein paar Mal im Auto gekracht hat“, sagt er.

Der Handball hat sich im Vergleich zu Volker Komossas aktiver Zeit stark gewandelt. Es wird mehr trainiert und auch Ergänzungseinheiten wie Athletiktraining stehen auf dem Programm. „Der Handball ist sehr viel schneller geworden, er ist athletischer geworden“, erklärt Komossa. „Auch das Eins-gegen-Eins Verhalten der Rückraumspieler ist deutlich herausgestellt, während man zu meiner Zeit noch von neun Metern auf das Tor gefeuert hat.“

Diesen taktisch variableren Handball will Volker Komossa in Cham lehren. „Da kann man mit drei bis vier Trainingseinheiten in der Woche schon in der D-, und C-Jugend sehr viel erreichen“, sagt er.

Nach dem Training treten die Komossas schnell die Heimreise an. Einen großen Teil der Fahrzeit nutzt Kilian Komossa zum Lernen. Am nächsten Morgen geht es schließlich wieder in die Schule. Für beide. Während Vater und Sohn früher auch zu Hause noch viel über Handball geredet haben, ist das mittlerweile weniger geworden. „Auf der Rückfahrt haben wir Zeit, über Handball zu diskutieren.“