Krimi um EM-Bronze
Deutsche Baseballer verlieren gegen die Niederlande in der Verlängerung und gehen leer aus

Auch das Duell um EM-Bronze wird zum Krimi: Die Niederlande gewinnen in der Verlängerung

01.10.2023 | Stand 01.10.2023, 18:52 Uhr
Matthias Ondracek

Simon Bäumer von den Hamburg Stealers wurde nach der Niederlage gegen die Niederlande zum besten deutschen Spieler der Partie gekürt. Foto: T. Schöneborn

Die deutsche Baseball-Nationalmannschaft hat die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Tschechien haarscharf verpasst. Im Spiel um Platz drei unterlag die Auswahl des Deutschen Baseball- und Softball-Verbandes dem Titelverteidiger Niederlande mit 4:5 nach Verlängerung.

In einem weiteren Krimi in Brno holte Deutschland einen Rückstand auf und ging im zehnten Durchgang sogar in Führung. Dann beendete ein Walkoff-Homerun des Rekordeuropameisters die Hoffnungen des Teams von Bundestrainer Jendrick Speer. Dennoch überzeugte die neu formierte deutsche Mannschaft auf ganzer Linie. Nach den Enttäuschungen bei den letzten beiden EM-Turnieren schließt Deutschland wie zuletzt 2016 die kontinentalen Titelkämpfe als Vierter ab – zum insgesamt sechsten Mal.

Stolz auf das Erreichte



So richtig freuen über die beste EM seit langem wollten sich die Hauptakteure direkt nach der Partie nicht. Bundestrainer Speer indes gewann auch dieser bitteren Niederlage etwas Positives ab. „Auf eine Weise freut es mich, dass die Jungs jetzt niedergeschlagen sind, weil sie alle wissen, dass mehr drin war. Und das ist etwas Gutes“, erklärt der langjährige Paderborner.

Bei dem 43-Jährigen überwog sichtlich der Stolz über das Erreichte. „Die Niederländer haben eine super Mannschaft. Dass wir so ein knappes Spiel spielen konnten, zeigt schon, wie weit wir in Deutschland gekommen sind. Und das mit so vielen jungen Leuten – drei unserer Pitcher heute waren U23-Werfer“, resümiert der Rekordnationalspieler.

In der Tat präsentierte sich die deutsche Mannschaft gegen den haushohen Favoriten von Beginn an hellwach. Starting Pitcher Titus von Kapff von den Bonn Capitals ebnete den Weg für ein hochklassiges Duell. Über vier Innings hielt der Rechtshänder die Null auf der Anzeigetafel. Ein Fehler des ehemaligen Shortstops der New York Yankees, Didi Gregorius, bereitete Deutschland im vierten Durchgang die Gelegenheit zur Führung. Simon Bäumer von den Hamburg Stealers blieb cool und schickte mit seinem Hit den Bonner Eric Brenk zum 1:0 über die Homeplate.

Erinnerungen an Großbritannien-Spiel



Im sechsten Abschnitt fühlte man sich kurzzeitig an das Halbfinale gegen Großbritannien erinnert, als ein Horror-Inning mit sechs Runs Deutschland letztlich den Sieg kostete. Nach drei Zählern für die Niederlande zog „Schwarz-Rot-Gold“ jedoch den Kopf aus der Schlinge. Wer nun dachte, der Favorit zieht davon, sah sich eines Besseren belehrt. Wie so oft in diesem Turnier bewies die deutsche Mannschaft eine starke Moral. Der Heidenheimer Shawn Larry donnerte den Ball in hohem Bogen zum Solo Homerun über den Outfield-Zaun. Im neunten Durchgang gab der frisch gebackene Deutsche Meister mit einem Double erneut den Startschuss. Der Regensburger David Dinski schob den für Larry als Läufer eingewechselten Cody Schultz kurz darauf per Opferflugball zum 3:3 ins Ziel.

Die Deutschen hatten nun Oberwasser. Das erste Inning der Verlängerung begann Alex Schmidt als Runner an der Second Base. Der Legionär umrundete das Karree nach einem Single von US-Profi Yannic Walther. Deutschland führte. Die Bronzemedaille war greifbar nah. Dann allerdings riss Dashenko Ricardo die Speer-Mannschaft mit seinem Walkoff-Two-Run-Homerun aus allen Träumen. „Natürlich ist das nach der Führung ärgerlich. Aber so ist Baseball nunmal“, fasst Speer später nüchtern zusammen.

Bundestrainer: „Tolle Teamchemie!“



Das Fazit des Neu-Bundestrainers fällt trotz des enttäuschenden Abschlusses durchweg positiv aus. „Die Mannschaft ist während des Turniers richtig zusammengewachsen. Wir hatten eine tolle Teamchemie. Ich denke, das war auch einer der Hauptgründe, warum wir so weit gekommen sind“, sagt Speer und ergänzt: „Jeder Spieler hat sein Ego beiseite gelegt und für das Team gearbeitet. Auch, wenn es am Ende keine Medaille gab, nimmt jeder genug Erfahrung mit und ist nach dem Turnier besser als vorher.“