Wiederholung nicht ausgeschlossen
Bei der Karate-EM in Regensburg platzte die Halle aus allen Nähten: Rumänien überragt

23.05.2024 | Stand 23.05.2024, 18:15 Uhr

Wettkämpfe und EM-Titel in allen Altersklassen sind Teil des Konzepts des Europäischen Verbandes für Shito Ryu. Fotos: Brüssel (3)

Es war ein gelungenes erstes Mal, Wiederholung nicht ausgeschlossen. „Es hat alles reibungslos geklappt und es waren mehr Zuschauer da als gedacht“, schnaufte Nina Ulrich tief durch. Gemeinsam mit Ivo Haag hatte sie die Hauptlast der Organisation für die beiden Tagen der Karate-Europameisterschaften in Regensburg mit 600 Sportlern aus 22 Nationen getragen. „Jetzt wissen wir ja, wie es geht. Vielleicht machen wir mal die Weltmeisterschaft.“

Die Clermont-Ferrand-Halle platzte zum Jubiläum – die vor zwölf Jahren gegründete European Shito Ryu Karate Federation (ESHRKF) trug die EM beim zehnten Mal erstmals in Deutschland aus – aus allen Nähten. Zum Sprachengewirr im Umkreis der vier Kampfflächen kamen jede Menge Siegerehrungen: Denn Teil des Konzepts ist es, auch Kinder von klein auf derlei Wettkampfmöglichkeiten zu geben.

Wie in einem Garten

„Alle können teilnehmen, wir starten schon in der Altersklasse fünf bis sieben. Die haben sonst ja keine Möglichkeiten zu solchen Wettkämpfen“, erklärte der slowakische ESHRKF-Präsident Peter Badura (70), der selbst 1970 mit Karate begann, alle Stilrichtungen ausprobierte und jetzt seit 20 Jahren die Stilrichtung des Shito Ryu bevorzugt. „Das ist wie in einem Garten, in dem unterschiedliche Pflanzen wachsen. Shito Ryu ist der Schwarztee, Shotokan ist grüner Tee und so weiter.“

Unter dem Dach der World Karate Federation WKF hätten die Ideen, die die ESHRKF vertritt, nicht den Platz gefunden. „Wir vergleichen uns nicht, das macht eher die WKF. Aber wir sehen uns als eine Familie und tun etwas dafür. Bei der WKF geht es um Geld, Politik und Medaillen. Wir machen die Tür für alle die auf, die Wettkämpfe wollen. Die WKF wählt aus.“ Die nächsten ESHRKF-Veranstaltungen gehen in Kroatien und im österreichischen St. Pölten über die Bühne.

„Wir wollen wachsen. Deswegen haben jetzt auch die Welt- und Europameisterschaften getrennt“, sagt Peter Badura und lobt Regensburg. „Das war ein guter Platz. Wir hatten Nina und Ivo gefragt, ob sie das machen. Sie haben sich gefreut und wir sind happy.“ Glücklich waren Nina Ulrich und Ivo Haag auch über das Abschneiden ihrer Schülerinnen und Schüler, die mit 18 Medaillen (vier Gold, sechs Silber, acht Bronze) aus dem Turnier gingen – und trugen sich auch selbst mit zweimal Silber (Haag) und einmal Bronze (Ulrich) in die Liste der Medaillensammler ein.

18 Regensburger Medaillen

„Wenn man bedenkt, dass wir uns ja eher am traditionellen japanischen Stil orientieren und nicht am Sportkarate wie hier, dann ist das ordentlich“, sagt Ulrich mit Blick auf die erfolgreichen Starter Garry Edwards (3 x Gold), Ben Eisenkrämer (Silber), Vinzent Giesa (Gold), Christine Heider (Silber), Mila Hirthammer und Luis Kuhlmann (jeweils Bronze), Kerstin Müller (Silber), Jörg Settelmeier (Bronze), Anna-Marie Schlott (Bronze), Leon Schmid (Bronze) und Tanja Tabbert (Silber), Simon Walecki und Kiryl Zuyeu (jeweils Bronze).

Die überragende Nation war übrigens Rumänien mit 51 Gold-, 47 Silber- und 75 Bronzemedaillen. Die Rumänien lieferten auch das Highlight der Veranstaltung. „Über die Team-Kata am Sonntag haben alle gestaunt. Das war Olympia-Niveau“, berichtet Nina Ulrich.