Meilenstein erreicht
Baseball: Ex-Regensburger Max Kepler auf den Spuren von Nowitzki und Schrempf

27.05.2024 | Stand 27.05.2024, 20:12 Uhr
Matthias Ondracek

Immer voll fokussiert: Max Kepler Foto: Imago/USA Today

In einem besonderen Spiel ist die auffälligste Szene von Max Kepler nicht etwa ein mächtiger Homerun oder ein vielumjubelter Treffer in der Offensive: Gegen die Texas Rangers macht das Urgestein der Minnesota Twins in der Defensive auf sich aufmerksam. Mit einem Läufer auf der zweiten Base hämmert Schlagmann Leody Taveras den Ball tief ins Outfield in die Richtung des deutschen Baseball-Profis.

Etwa zehn Schritte macht Kepler nach hinten zur Spielfeld-Begrenzung. Kurz vor der Mauer setzt er elegant zum Sprung an und fischt den Ball aus der Luft. Der gebürtige Berliner verhindert beim Stand von 1:1 somit die mögliche Führung für die Gäste. Später siegen die Twins mit 5:3. Eine Szene, die vielleicht bezeichnend ist.

Es ist das 1000. Spiel in der regulären Saison für den einzigen Deutschen in der Major League, der US-amerikanischen Profiliga. Ein Meilenstein, den vor Kepler nicht viele erreicht haben. Um genau zu sein: Lediglich zwei Deutschen ist dies in einer der vier großen US-Sportligen zuvor gelungen. Dirk Nowitzki absolvierte in seiner illustren Basketball-Karriere in der NBA 1522 Partien in der regulären Saison. Hinzu kommen noch 145 Playoff-Spiele. Detlef Schrempf brachte es in den 1980ern und 1990ern auf 1136 NBA-Saisonspiele plus 114 Partien in der K.-o.-Runde. Dahinter reiht sich nun der deutsche Baseball-Star ein – noch vor den Eishockey-Cracks Marco Sturm, der es auf 938 Saisonspiele sowie 68 Playoff-Begegnungen in der NHL brachte, und Leon Draisaitl. Der aktuelle Star der Edmonton Oilers stand in bisher 719 Matches (ohne Playoffs) auf dem Eis.

Früher Schüler im Regensburger Sportinternat

Nur drei Deutsche also, zu denen sich der frühere Schüler des Regensburger Sportinternats nun zählen darf.

1000. Eine unglaubliche Zahl für jemanden, der in einem Land groß geworden ist, in dem sein Sport nur einen Bruchteil der Menschen erreicht. Bezeichnend ist die eingangs beschriebene Szene im Jubiläumsspiel für Kepler in der Nacht zum Sonntag deshalb, weil er, wie so oft, relativ unaufgeregt seinen Job erledigt.

Kein großes Tamtam, keine großen Worte, einfach Baseballspielen. So könnte man die inzwischen knapp zehn Jahre währende MLB-Karriere des ehemaligen Legionärs beschreiben. Dabei ist Keplers US-Laufbahn keineswegs arm an Highlights. Schon häufig sorgte der linkshändige Schlagmann in Minnesota für Spektakel. Drei Grand Slam Homeruns hat der Deutsche beispielsweise in seiner Vita. Also Homeruns bei voll besetzten Bases – der quasi beste Schlag im Baseball. Zweimal schon gelangen Kepler gleich drei Homeruns in einer Partie. Legendär ist sein Lauf aus dem Jahr 2019, als er mit einem Homerun in fünf aufeinanderfolgenden Schlagchancen gegen denselben Werfer für ein Novum sorgte. Der Leidtragende damals: Clevelands Trevor Bauer.

2019 war auch das bislang beste Jahr Keplers in der Major League. Mit 36 Homeruns erreichte er den Bestwert in seiner Karriere, gleichzeitig Rekord für einen Europäer. Mitte der Saison verpasste er die Wahl zum Allstar Game nur um 138 Stimmen – eine der knappsten Entscheidungen jemals! Es war auch das Jahr, in dem der Ex-Regensburger seinen aktuell noch gültigen Vertrag unterzeichnete. 35 Millionen US-Dollar für fünf Jahre bezahlten ihm die Minnesota Twins. Zudem sicherte sich die Organisation aus Minneapolis eine Option für eine weiteres Jahr. Von diesem Passus machten die Twins im Winter Gebrauch. Zehn Millionen US-Dollar verdient Kepler in 2024, danach läuft der Kontrakt endgültig aus. Wie es weitergeht, ist derzeit noch offen.

Bisher beste Anfangsphase der Karriere

Spielt Kepler allerdings so wie bisher in der laufenden Saison, dürfte er sich keinerlei Sorgen machen müssen, einen Folgevertrag zu erhalten. Ob in Minnesota, bei dem Team, für das er jedes seiner 1000 plus zwölf Playoff-Spiele absolvierte, das sei dahingestellt. Nach einem schwierigen Start in diese Spielzeit, in der der dienstälteste Twin zu Beginn direkt auf der Verletztenliste landete, nahm Keplers Spiel im Mai so richtig Fahrt auf. In der bisher besten Anfangsphase seiner Laufbahn bringt es der 31-Jährige momentan auf einen Schlagdurchschnitt von .301. Das heißt, jeder dritte Ball landet sicher im Feld.

Die Schwelle von .300, die einen durchschnittlichen MLB-Spieler von einem herausragenden trennt, erreichte Kepler noch nie. Kann der Berliner diese Pace aufrechterhalten, winkt ihm womöglich die 2019 noch so knapp verfehlte Allstar-Nominierung. Ein neuer Millionenvertrag nach Ablauf der Saison wäre damit quasi garantiert – und die Jagd auf Nowitzkis Marke von 1522 Spielen eröffnet.