Markus Hantschk im Interview
Tennis-Sensation in Zwiesel: Er besiegte Federer und Nadal – jetzt half der Ex-Profi im Team seines Neffen aus

25.06.2024 | Stand 25.06.2024, 12:49 Uhr |
Antonia Herzinger

Wenn der Profi mit dem Neffen: Markus Hantschk (2.v.l.) mit den Nachwuchscracks Raphael Hantschk, Tim Friedrich und Florian Schiller. − Fotos: Verein

Eine kleine Sensation gab es am 5. Spieltag beim TC Zwiesel. Als „Not am Mann“ war im Team seines Neffen Raphael, ließ sich Markus Hantschk (46), Ex-Profi und in seiner besten Zeit unter den TOP 80 der Weltrangliste, nicht lange bitten – und half bei der Herrenmannschaft des TC in der Südliga 5 aus.

Dieses Mal hieß sein Gegner nicht Novak Djokovic, Roger Federer oder Raphael Nadal, wie in seiner besten Profizeit, sondern Andreas Kiefl vom ASV Loh, der in dem ungleichen Duell auf verlorenem Posten stand und eine 0:6-, 0:6-Niederlage hinnehmen musste.

Auch im Doppel waren die beiden Hantschks nicht zu schlagen, wobei sich ihre Gegner beim 6:3, 6:1 achtbar aus der Affäre zogen. Bei solch spektakulären Ereignissen gerät es fast zur Randnotiz, dass der Gesamtsieg mit 4:2 an die Gastgeber ging. Ein Unentschieden wäre allerdings im Bereich des Möglichen gewesen, denn das Einzel von Florian Schiller ging äußerst knapp im Matchtiebreak mit 12:10 an seinen Gegner.

Markus Hantschk war einst die Nummer 71 der Tennis-Weltrangliste, hat sogar Roger Federer und Rafael Nadal geschlagen und mit Boris Becker trainiert. Jetzt führt der 46-Jährige mit seiner Familie das Fasten- und Tennishotel Ödhof bei Böbrach (Landkreis Regen) und trainiert die Gäste.

Die Mediengruppe Bayern hatte wenige Tage vor dem überraschenden Einsatz für den TC Zwiesel Gelegenheit, mit Markus Hantschk über seine Zeit als Profi und sein Leben im Bayerwald zu sprechen.



Nach einer Tennisprofi-Karriere mit Turnieren auf der ganzen Welt leben Sie jetzt eher zurückgezogen hier bei Böbrach. Vermissen Sie Ihre Profi-Zeit?


Markus Hantschk: Nein. Ich habe immer gerne Tennis gespielt und spiele auch immer noch gerne. Aber das viele Reisen habe ich nie vermisst. Nach meiner Profikarriere bin ich in zehn Jahren genau einmal geflogen, auf ein Turnier nach Hamburg. Ich bin lieber zuhause, als um die ganze Welt zu reisen und aus dem Koffer zu leben. Mir sind mein Zuhause und meine Familie hier am Ödhof sehr wichtig und ich genieße es unheimlich, hier zu sein.

„Der Ödhof war immer mein Zuhause“



Haben Sie auch schon während Ihrer Zeit unter den ersten 100 der Weltrangliste hier gelebt?
Hantschk: Ich war natürlich sehr viel unterwegs und konnte leider kaum hier sein. Aber seitdem wir hierhergezogen sind, war der Ödhof immer mein Zuhause, auch während meiner Zeit als Profi. Ich mag das Ländliche, Ruhige sehr gerne. Drei Viertel seines Lebens im Hotel zu verbringen, muss man mögen. Ich war immer lieber hier.

Das könnte Sie auch interessieren: Karina Hofbauer aus Osterhofen ist Bayerns neue Tennis-Königin – auch der Freund spielt groß auf

Was war für Sie der Höhepunkt Ihrer Tenniskarriere?
Hantschk: Einer der schönsten Momente war, als ich mich unter die ersten 100 der Weltrangliste gespielt habe. Weil ich dann wusste, jetzt bin ich da, wo ich immer hinwollte. Dabei hatte ich bis dahin gerade ein absolutes Tief. Ich war ungefähr Nummer 130 auf der Weltrangliste und bin nach Südamerika geflogen, um mich dort auf drei Challenger-Turnieren unter die Top 100 zu spielen, was durchaus realistisch war. Dann habe ich ein Spiel nach dem anderen verloren. Das war eine sehr schwere Zeit für mich. Dementsprechend unzuversichtlich bin ich auf das nächste Turnier in Chennai in Indien geflogen. Dort habe ich auch gleich nahtlos an meine schlechte Form angeknüpft. Aber ich habe mir gedacht, „das kann jetzt nicht sein“, habe gekämpft und gekämpft und das erste Match gewonnen. Das war der Wendepunkt. Im Halbfinale habe ich die Nummer 7 der Welt, Cedric Pioline, geschlagen. Mein Selbstvertrauen war von 0 auf 100 gestiegen. Zuerst war ich am Boden und dann der Größte. Das zeigt wieder, man darf nie aufgeben.

Wie er gegen Roger Federer und Rafael Nadal gewann



Sie haben schon gegen Roger Federer und Rafael Nadal gewonnen. Wie war das damals?
Hantschk: Ich habe auch gegen Novak Djokovic gespielt. Also eigentlich gegen die „Großen Drei“, aber als sie alle noch recht jung waren. Gegen Djokovic habe ich verloren, als noch keiner wusste, wie gut er mal sein wird. Nadal war 16, als ich 2003 gegen ihn gewonnen habe. Das erste Mal habe ich ihn gesehen, als er 15 war, und habe mir gedacht: Wer in Gottes Namen ist das? Die Brutalität in den Schlägen, die Konstanz und seine Topspins – Wahnsinn. Federer war schon weiter, ich würde schätzen zwischen Nummer 30 und 40 der Welt, als ich ihn 2000 besiegt habe. Ich habe damals ganz in Ordnung gespielt, er hat viele Fehler gemacht. In dem Moment war es eigentlich nichts Besonderes, jetzt im Nachhinein hört es sich natürlich gut an.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Regen finden Sie hier.

Sie sind durch Ihre Turniere viel rumgekommen. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
Hantschk: Jedes Land und jedes Turnier hat einen eigenen Charakter und Vor- und Nachteile. Die Australien Open in Melbourne sind das angenehmste Turnier, würde ich sagen, weil alles eher entspannt und sauber ist. In New York bei den US Open ist es natürlich viel lauter und schmutziger. Manche mögen aber die Action dort. Ich mochte es schon immer ruhiger. Deshalb fühle ich mich ja auch hier so wohl.

Warum haben Sie Ihre Profikarriere beendet?
Hantschk: Es gab immer wieder Höhen und Tiefen. Einmal habe ich einen großen Fehler gemacht: Ich habe mit 40 Grad Fieber ein Match gespielt. Danach bin ich in der Dusche zusammengebrochen und erst wieder zu Bewusstsein gekommen, als mich mein Bruder gefunden hat. Ein halbes Jahr war ich ganz außer Gefecht und auch danach habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr die gleiche Kraft wie vorher hatte. Ich musste dann wieder kleinere Turniere spielen, eines in Österreich mitten im Winter 2005. Draußen waren es um die minus 20 Grad, in der Halle vielleicht minus fünf. Das Licht war schlecht, die Heizung aus. Es war bodenlos. Ich habe in der zweiten Runde mein Match hergeschenkt, bin nach Hause gefahren und habe einfach aufgehört. Dann bin ich hier im Hotel miteingestiegen. Ein paar Jahre habe ich noch für Bundesligamannschaften und auf kleineren Turnieren gespielt, aber eben nicht mehr als Profi.

„Am liebsten trainiere ich Anfänger“



Jetzt trainieren Sie im Hotel in Böbrach die Gäste. Was macht Ihnen daran am meisten Spaß?
Hantschk: Am liebsten trainiere ich Anfänger, die noch auf keine Art und Weise verdorben sind. Hier im Hotel arbeite ich aber sowohl mit Anfängern als auch mit Fortgeschrittenen, mit Hobbyspielern und auch mit jungen Talenten. Das Training gestalte ich natürlich individuell. Wenn jemand auf dem Weg ist, Profi zu werden, spreche ich auch mit ihm über seine Strategie und welche Turniere er spielen sollte. Das macht mir auch viel Spaß.

Besuchen Sie jetzt gerne Tennis-Turniere als Zuschauer?
Hantschk: Ich kann mich nicht erinnern, früher in meiner Freizeit Weltklasse-Tennis geschaut zu haben. Boris Becker habe ich als Kind im Fernsehen viel geschaut, das habe ich geliebt. Aber als ich selbst gespielt habe, ging es immer nur darum, andere Spieler zu studieren. Letztes Jahr hat mich eine Freundin mit auf die BMW Open genommen und da wurde mir erst bewusst, wie fantastisch dieser Sport für Zuschauer ist. Mir sind echt die Augen aus dem Kopf gefallen. Dort habe ich zum ersten Mal Tennis geschaut, um es zu genießen. Da muss ich auf jeden Fall wieder hin.