Sie war der Superstart der Szene
Magdalena Neuner offen wie nie: „Biathlon läuft vielleicht mal nebenher beim Kochen“

21.11.2023 | Stand 21.11.2023, 13:10 Uhr |

Magdalena Neuner, hier bei einem Volksfestbesuch, verfolgt den Biathlon-Weltcup nur mehr am Rande. − Foto: imagoimages

Deutschlands Biathlon-Ikone Magdalena Neuner sitzt nur noch selten am Fernseher, um ihren Lieblingssport anzuschauen. „Das klingt jetzt vielleicht blöd. Aber ich schaue gar nicht mehr so viel Biathlon, sondern bin in der Zeit meistens mit meinen Kindern unterwegs. Biathlon läuft vielleicht mal beim Kochen nebenher auf dem Handy“, sagte Neuner in einem Interview der „Südwest Presse“.

„Und wenn das Wetter mal ganz mies ist und wir alle gemeinsam als Familie auf der Couch sitzen, dann finden meine Kinder die Wettkämpfe im Fernsehen total langweilig. Sie fragen dann: Können wir nicht etwas anderes einschalten?“, sagte die 36-Jährige, die Mutter von drei Kindern ist.

Die ehemalige Weltklasse-Biathletin, die im Jahr 2012 früh ihre Karriere beendet hatte, blickte auf die Momente nach dem Leistungssport zurück. „Ich habe damals gedacht, ich höre auf und alles ist wie vorher. Ich wollte einfach mal zu Hause sein dürfen, ohne dass Leute in meinem Garten stehen, dass es 15 Mal am Tag klingelt, Stalker mich bedrängen und ich permanent Interviews geben muss. Ich hatte auf eine Art Normalität gehofft. Das hat lange gedauert“, berichtete Neuner.

„Gerade in der Anfangszeit, als ich in diesen Biathlon-Zirkus gekommen bin, war es unheimlich schwer, authentisch zu sein. Ich wurde sehr schnell in eine Schublade gesteckt. Ich war das kleine Mädchen vom Land, das gern strickt, handarbeitet und Harfe spielt“, sagte Neuner und gestand: „Ich habe sehr damit gekämpft, wie die Leute mich sehen wollten. Weil ich mehr war als das Bild, das sie von mir hatten. Irgendwann bin ich einfach darüber gestanden, und jetzt verbiege ich mich für niemanden mehr. Ich bin einfach, wie ich bin.“

Die Oberbayerin sprach auch über den Wintersport in Zeiten des Klimawandels. „Es ist schwieriger geworden als vor 20 Jahren. Ich komme ja aus einer Wintersport-Region, aber konnte letztes Jahr nur viermal langlaufen, weil es einfach keinen Schnee hatte. Ich hätte nach Seefeld gekonnt, aber hatte Skrupel. Will ich 25 Kilometer mit dem Auto fahren, um für eine Stunde auf Ski zu stehen?“, sagte Neuner.

„Man muss sich gleichzeitig aber nichts vormachen. Es wird viel über den Wintersport diskutiert, aber es sind nicht nur die bösen Profi-Sportler. Die großen Skigebiete, ob das im Allgäu oder in Österreich ist, werden spätestens im Dezember präpariert und die Lifte laufen“, führte die 36-Jährige aus.

− dpa