„Habe kaum Worte dafür“
Hobelsberger ausgebremst: Disqualifikation wirft den Höckinger Superbike-Piloten weit zurück

06.06.2024 | Stand 06.06.2024, 15:11 Uhr |
Michael Seidl

„Ich kann nicht während des Rennens das Reglement studieren“: Patrick Hobelsberger wurde bei den Rennen in Oschersleben disqualifiziert. − Foto: Hobelsberger/GERT56

Die Rennleitung der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) und Patrick „Pax“ Hobelsberger werden wohl nach dem vergangenen Rennwochenende in Oschersleben kein gemeinsames Abendessen verbracht haben. So viel kann der mehr als fraglichen Entscheidung, den Meisterschaftsführenden im zweiten Rennen zu disqualifizieren, wohl vorweggenommen werden.

Aber zurück zur Ausgangssituation: Nach einem hervorragenden Start in die Saison am Sachsenring mit den Plätzen 3 und 1 kamen Pax und sein Team GERT56 mit dem klaren Ziel nach Thüringen, auch nach dem zweiten Rennwochenende noch auf dem ersten Rang der Superbike-Meisterschaft zu stehen. Dieser Vorgabe sollten aber viele Steine in den Weg gelegt werden.

Zunächst verliefen dabei auch die Trainingssessions nicht wie angedacht: Während Hobelsberger im ersten freien Training ohne weitere Folgen stürzte und dadurch keine Zeit setzen konnte, hinderten technische Probleme den Höckinger an einer ordentlichen Einheit und verwehrten mehr als sieben Runden schlichtweg. Im dritten Training ließ der ehrgeizige BMW-Pilot sein Talent kurz aufblitzen, fuhr auf Platz 4 vor, ehe ein weiterer glimpflicher Sturz den Rhythmus abermals durchbrach. Doch es sollte noch deutlich schlimmer kommen.

Qualifying während Hobelsbergers Top-Runde abgebrochen

In der Qualifikation hatten bereits viele Fahrer eine schnelle Runde gesetzt, als Patrick Hobelsberger zu seiner Top-Runde loslegte. Jedoch stürzte einer der SBK-Kontrahenten in dieser Zeit schwer, was einen Abbruch des Qualifyings zur Folge hatte. Die Konsequenz: Die vorherige Runde mit kalten Reifen reichte nur zu Platz 14, von dem Pax nun beide Rennen beginnen musste. „Natürlich enorm enttäuschend, nicht mal die Chance zu bekommen, eine schnelle Runde zu fahren“, war die Stimmung des Niederbayern bereits zu diesem Zeitpunkt eher mau.

Das erste der beiden Hauptrennen verlief dennoch versöhnlich: Von seiner mäßigen Startposition aus schaffte es Hobelsberger, sich Stück für Stück nach vorne zu arbeiten und beendete diese Aufholjagd entsprechend auf einem ordentlichen 6. Platz. Diese Schadensbegrenzung galt es nun, im zweiten Rennen zu wiederholen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Vielmehr begann die Session bereits mit einem Fehler des IDM-Supersport-Meisters von 2021: In aggressiver Manier und dem unbedingten Willen, Plätze gutzumachen, unterlief Hobelsberger ein Frühstart und kassierte dafür von der Rennleitung eine zweifache Long-Lap-Penalty.

„Ich kann nicht während des Rennens das Reglement studieren“



Diese Strafe beschreibt die Pflicht, in zwei Runden des verbleibenden Rennens, einen dafür vorgesehenen Umweg fahren zu müssen. Jene verlängerte Kurve bedeutet zumeist einen Zeitverlust zwischen drei und fünf Sekunden und kann flexibel angetreten werden. So weit, so nachvollziehbar: Doch fortan sollte es kurios werden. Denn in den folgenden Runden absolvierte Pax zweimal die Long Lap Penalty und arbeitete sich trotzdem auf Platz fünf nach vorne. Doch ein Blick auf das Pit-Board, die Anzeige der Rennleitung an der Boxenmauer, sah weiter eine Strafe für Hobelsberger vor.

„Bei 280 km/h und einem 11 Zentimeter hohen Visier konnte ich nicht viel erkennen und war ebenso verwirrt, warum das Board dort noch hängt“, erklärt Pax Hobelsberger seine auf dem Bike begrenzte Sicht der Dinge. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Höckinger Rennfahrer eine seiner beiden Long Laps in einer Gelbphase absolviert hatte, was laut Reglement nicht erlaubt ist. Jedoch machte die Rennleitung den gebürtigen Landauer nicht durch die entsprechende Beschilderung auf seinen Fehler aufmerksam oder sprach anstatt dessen eine Zeitstrafe aus, sondern griff zur Verwunderung der TV-Kommentatoren, Fans, des Teams und des Fahrers zur Höchststrafe: Disqualifikation.

Harte Strafe: „Habe kaum Worte, für das, was passiert ist“



Dieser kam Patrick Hobelsberger zwar selbstverständlich nach und stellte sein Bike nach dem Schwenken der schwarzen Flagge ab, seine Wut ob dieser unverhältnismäßig harten Entscheidung hielt er dennoch keineswegs zurück: „Ich habe kaum Worte, für das, was passiert ist. Ich kann nicht während des Rennens das Reglement studieren, sondern brauche klare Kommunikation vonseiten der Rennleitung. Anstatt mir eine Zeitstrafe zu geben, disqualifiziert man den Meisterschaftsführenden. Ich durfte mich nicht einmal rechtfertigen oder meinen Standpunkt erklären. Es ist ein absoluter Alptraum. Mir fehlen schlicht die Worte.“ Einen besonders faden Beigeschmack hat die Entscheidung gegen Hobelsberger, da ein ähnlicher Vorfall am Sachsenring nur in einer Drei Plätze-Strafe gegen den nun Meisterschaftsführenden Florian Alt resultierte.