Rang 3 und 4 beim Weltcup
„Da kann man nicht viel besser machen!“ Handbiker Manuel Scheichl – auf dem Weg nach Paris

06.06.2024 | Stand 06.06.2024, 13:46 Uhr |

Voll konzentriert: Manuel Scheichl kurz vor dem Start beim Weltcup-Straßenrennen.  − Fotos: Elmar Sternath

Zweiter Weltcup, zweites Puzzlestück für die Paralympics? Nach den Wettbewerben im belgischen Ostende hat Handbiker Manuel Scheichl (42) nun bei den Rennen im italienischen Maniago groß aufgetrumpft, beim Zeitfahren landete er auf Platz 3, im Straßenrennen auf dem vierten Rang.

„Ich bin nach diesen Leistungen vorsichtig optimistisch, dass es mit den Paralympics in Paris klappt“, sagt der Radsportler aus Bayerbach nach dem Wettbewerb, der Mut macht.

Indiz für Paralympics



Ein weiteres Indiz für eine mögliche Nominierung ist, dass Bundestrainer Gregor Lang dem Rottaler empfohlen hat, jetzt die nötige Sportmedizinische Untersuchung ausführen zu lassen. „Die muss ich eh’ jedes Jahr machen“, sagt Scheichl, der da aber schon Nägel mit Köpfen gemacht hat. Am 7. Juni lässt er sich medizinisch im Olympia-Stützpunkt in München checken. Damit auch diese Formalität für die Weltspiele unter dem Eiffelturm (28. August – 8. September 2024) geklärt wäre.

Zudem wurde der 42-Jährige jüngst per Video-Konferenz darüber informiert, dass es besser wäre, nicht mit dem eigenen Auto in die französische Metropole an der Seine zu reisen, denn: Im olympischen Dorf gibt‘s keine Parkplätze! „Ich komme da aber schon irgendwie hin“, ist sich Scheichl sicher, „wenn ich nominiert werde.“

Ende Juni wird er dies erfahren, der Kader für die Paralympics wird offiziell erst Mitte Juli vom Team Deutschland bekannt gegeben. Und sollte es so sein, dass der Bayerbacher dort mitmachen darf, erfüllt sich sein Traum. Seine Leistungen stimmen jedenfalls, der 42-Jährige lieferte jüngst beim Weltcup in Nordost-Italien in der Region Friaul-Julisch Venetien. Nach den Rängen 7 und 8 bei den Rennen an der belgischen Nordseeküste klappte es dieses Mal noch besser – obschon der Regen den Athleten zunächst einen Strich durch die Rechnung machte. So musste das ursprünglich für Donnerstag geplante Einzelzeitfahren auf Freitag verschoben werden – doch dies verunsicherte den Athleten nicht. Im Gegenteil, Scheichl kurbelte aufs Podium.

„Neues Allzeithoch“



„Wow, das war heute mit Abstand der beste Output, den ich je von dir gesehen habe“, gratulierte sein Trainer Elmar Sternath (RLSC Holzkirchen) nach dem Wettkampf via WhatsApp. Und weiter: „Neues Allzeithoch, hart, aber nicht zu hart angefangen, nach dem Gefälle nochmal schön einen draufgepackt und dann knallhart durchgezogen bis zum Schluss. Da kann man nicht viel besser machen! Super!“ Auch Bundestrainer Lang freute sich über die Darbietung seines Schützlings, der trotz einer immer noch nicht auskurierten Schleimbeutel-Entzündung am rechten Ellenbogengelenk diese hervorragende Leistung abrief. Möglich machte dies auch die Physiotherapeutin des deutschen Teams, Silke Mainz, die Scheichl für den Einsatz in Form brachte.

Tags darauf, beim Straßenrennen, wollte er seinen Bronzemedaille bestätigen. Im Rennen über 46,8 Kilometer überließ er zunächst den beiden Top-Fahrern, dem Spanier Sergio Muñoz Garrote und dem Italiener Lucca Mazzone, die Spitze – diese beiden machten den Sieg unter sich aus. Drei Runden lieferte sich der Rottaler ein packendes Duell mit Cody Wills. Aber immer nach einer bestimmten Linkskurve lag Scheichl hinter dem Amerikaner. „Ich kann keine Linkskurven fahren“, erklärt der 42-Jährige dieses Defizit – das ihn immer wieder zusätzliche Kräfte kostete.

Problem Linkskurve



In der vierten Runde zog Wills nach jener Linkskurve um zehn Meter davon, „da konnte ich nicht mehr“. Scheichl musste abreißen lassen, fuhr dann sein eigenes Rennen und als Vierter über die Ziellinie – mit über zwei Minuten Vorsprung vor dem Fünften Jeremy van Trees (USA). „Ich bin sehr zufrieden und für die Linkskurven hat mir ein Kollege einen Tipp gegeben, das werde ich trainieren“, sagt Scheichl, der Angst hat, dass er in diesen Rundungen umkippt. „Alles reine Kopfsache.“

Mit seinem Auftreten in Italien hat sich der Niederbayer jetzt fix für die WM qualifiziert, die in diesem Jahr in Zürich stattfindet. Vom 27. bis 29. September kämpfen dort die besten Radsportler aus aller Welt um die Medaillen. „Das wird spitze, denn da fahren auch die Profis mit“, freut sich der 42-Jährige auf das gemeinsame Event von behinderten und nicht-behinderten Sportlern. Allerdings: Noch lieber wäre ihm ein Startplatz bei den Paralympics in Paris – aber für das Fest mit 4400 paralympischen Athleten ist er auf einem guten Weg.