Diskussion nach WM in Ruhpolding

Ist die Zeit schon reif für mehr Biathlon im Sommer?

29.08.2022 | Stand 29.08.2022, 15:58 Uhr

Doppelweltmeisterin in Ruhpolding: Dorothea Wierer jubelten auf den Tribünen in der Chiemgau Arena Tausende Zuschauer zu. −Foto: Uwe Lern/dpa

Im Winter locken die Biathleten regelmäßig Millionen Fans vor den Fernseher, die Heim-Weltcups in Oberhof und Ruhpolding sind Massenevents. Doch bleibt das angesichts des Klimawandels auch in Zukunft so – oder verlagert es sich in den Sommer?

Für Ex-Weltmeister Erik Lesser ist es keine Utopie. „Ich denke, in die Zukunft geblickt, wird es wohl die Sportart sein, die sich durchsetzt im Biathlon“, sagte der neue ARD-Experte, der nach der Vorsaison seine Karriere beendet hatte. „Wir werden irgendwann weniger Winter-Biathlon sehen“, meinte der Thüringer.

Der Weltverband IBU blickt schon voraus, die Sommer-Rennen haben einen „hohen Stellenwert für uns als Verband. Wir wollen es in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln“, sagte Ex-Biathlet Daniel Böhm, Sport-und Eventdirektor der IBU bei chiemgau24.de. Auch aufgrund der klimatischen Veränderungen sehe die IBU die Sommer-Wettkämpfe als Chance für die gesamte Sportart. „Wir dürfen die Augen vor der Zukunft nicht verschließen. Wir wissen angesichts des Klimawandels nicht, was mit dem Wintersport mittel- und langfristig passiert. Da ist Sommer-Biathlon eine Option, die Sportart auf ein zweites Standbein zu stellen“, sagte Böhm. Aber auch das Generieren von Einnahmen im Sommer dürfte für den Verband interessant sein.

„Zu viele Wettkämpfe sollten es im Sommer nicht sein“

Noch haben die Sommer-Rennen keinen großen sportlichen Wert. „Es ist schön, sich Weltmeister zu nennen“, sagte Super-Sprint-Gewinner Philipp Horn bei der 26. Sommer-WM in Ruhpolding. Mehr aber auch nicht. Denn bisher ließen die Top-Nationen das Event immer links liegen, um mehr als eine Standortbestimmung ging es auch im bayerischen Biathlon-Mekka nicht, wo Norwegen und Frankreich fehlten.

Die Etablierung im Sommer stehe und falle „natürlich auch mit den Athleten, die teilnehmen. Dazu müssen wir die Kalenderplanung mit den Verbänden im Sommer abstimmen“, sagte Böhm.

„Zu viele Wettkämpfe sollten es im Sommer nicht sein, weil das Training im Vordergrund steht. Bei uns ist der Winter das A und O und wir können nicht das ganze Jahr top fit sein“, sagte Damen-Disziplintrainer Kristian Mehringer im dpa-Gespräch. „Wir werden in Zukunft entscheiden, wie was Sinn macht.“

− dpa