Nach komplettem Neuaufbau
Hängende Köpfe: Ingolstadt Dukes starten mit zwei ernüchternden Niederlagen in die Landesliga-Saison

28.05.2024 | Stand 28.05.2024, 17:38 Uhr |

Nur ein Touchdown in zwei Partien: In der Offensive läuft es bei den Ingolstadt Dukes noch nicht rund. Die Footballer des TV 1861 gehen nach dem mehr oder weniger freiwilligen Rückzug aus der GFL1 in der Landesliga an den Start. Foto: Julia Fritz

Das hat er sich, das gibt Peter Schweiger unumwunden zu, ganz anders vorgestellt. Zwei Spiele, zwei Niederlagen. So wollten die Ingolstadt Dukes um ihren neuen Headcoach nach dem freiwilligen Rückzug aus der Football-Bundesliga GFL1 natürlich nicht das Projekt Neustart beginnen.



„Es wird“, so sagt der einstige Nationalspieler Schweiger, „inzwischen auch in den unteren Ligen richtig gut Football gespielt.“ Selbst in der Landesliga, der sowohl fünfthöchsten als auch niedrigsten deutschen Spielklasse. Die Ingolstädter bekamen das im Heimdebüt gegen die Ansbach Grizzlies (6:24) und am vergangenen Wochenende beim 0:28 bei den Würzburg Panthers vor Augen geführt. Hängende Köpfe waren die Folge.

Ingolstadt Dukes: „Die Jungs sind schon niedergeschlagen“



„Die Jungs sind schon niedergeschlagen“, berichtet der Trainer, der ebenso ernüchtert wie auch weiter kämpferisch ist. Defensiv konnten seine Dukes durchaus mithalten. Die Offensive ist allerdings die größte Baustelle. Nur ein einziges mal konnte „Sweet Caroline“ eingespielt werden, die Touchdown-Hymne der Ingolstädter. Das war es an Punkten und Highlights im Angriff in beiden Partien dann auch schon. Die Gegner stellen sich schnell auf die Passschwäche der Dukes ein. „Die Fehlerdichte ist hoch“, sagt Schweiger, auch wenn es manchmal auch nur Kleinigkeiten seien, die entscheiden, ob etwa ein Ball abgefangen wird.

American Football in der Landesliga ist athletisch geworden



An allen Ecken und Enden fehle Erfahrung, sei der Abstand und der Unterschied zwischen den wenigen Jungs im Kader, die schon länger oder höherklassig gespielt hätten, und den Neulingen zu groß, „zu krass“, sagt Schweiger sogar. Bei 70 Prozent „Anfängern“ und einem Schwung vom zweiten Ingolstädter Klub, den Maniacs, fast logisch. „Wir müssen den Tatsachen ins Auge schauen“, analysiert der Trainer, „wir haben hier im Januar eine komplett neue Mannschaft aufgestellt. Das dauert eben. Die Gegner spielen zum Teil schon seit Jahren zusammen.“

Trainerfuchs Martin Hanselmann an der Seitenlinie

Und das selbst in der Landesliga unter der Anleitung von alten Trainerfüchsen. Die Würzburger etwa werden von Martin Hanselmann (60) trainiert, der als ehemaliger Bundestrainer, Erfolgscoach der Franken Knights und Headcoach der Stuttgart Surge in der semiprofessionellen European League of Football eine durchaus beeindruckende Vita als Übungsgleiter vorweisen kann; für die unterste Spielklasse sowieso.

Niklas Sturm bekommt seine Chance als Quarterback



Besonders bei der Athletik sind die Gegner den Ingolstädtern teils noch deutlich voraus. „Das ist auch für mich eine neue Erfahrung“, sagt Schweiger. Fitness sei „das A und O“. Hier wird nun verstärkt abgepackt, teils mit Privatcoaches. Denn Aufgeben oder Abschenken kommt natürlich für die Footballer des TV 1861 keinesfalls infrage. „Das wird ein Findungsjahr, das ist jetzt klar“, sagt der Trainer. Der Teamaufbau soll und muss weitergehen: eigene Jungs entwickeln. Als Spielmacher soll Niklas Sturm die Chance bekommen, der im vergangenen Jahr schon in dieser Liga bei den Maniacs auflief und heuer in den ersten beiden Saisonspielen noch fehlte.

Headcoach Peter Schweiger: „Wir müssen alle zusammenhalten“



Kernaufgabe ist es auch, die gebeutelte TV-Abteilung nach dem harten Schnitt – mit dem Rückzug wegen der angespannten finanziellen Situation – wieder mehr zusammenbringen, besser mit der Jugend aus dem Flag-Football zu verzahnen. „Der Zulauf ist da“, freut sich Schweiger über eine hohe Trainingsbeteiligung in seiner ersten Mannschaft. Und auf den Support in der Abteilung, aus dem Verein und dem Fanlager können sie ebenso setzen. Rund 200 Zuschauer kamen zum Saisonstart gegen Ansbach auf die Bezirkssportanlage Nordwest, wo die Heimspiele ausgetragen werden. „Das tut den Jungs schon gut, wenn sie das sehen“, sagt Schweiger, der weiter auf die Fans setzt. „Wir müssen alle zusammenhalten.“

Am 9. Juni sind die Dukes bei den Herzo(genaurach) Rhinos das nächste Mal gefordert.

DK