Pfaffenhofens Sportler des Jahres
Alles begann im Mallorca-Urlaub: Wie Helmut Prexl zu einem der besten Billard-Spieler Deutschlands wurde

08.06.2024 | Stand 08.06.2024, 15:00 Uhr |

Helmut Prexl spielt seit seinem 15. Lebensjahr Billard. Hier am Anstoßqueue, mit dem er regelkonform die Kugel über eine andere springen lassen kann, indem er sie von oben anschlägt. Foto: Heußer

45 Quadratmeter gefüllt mit Beweisen seines sportlichen Erfolgs. Und davon hat Helmut Prexl, 51, einige. Vier Regale voller goldener Pokale glänzen im Licht der sich drehenden Discokugel, die von der Decke baumelt. Unzählige gerahmte Artikel und Fotos von ihm und Freunden beim Billardspielen zieren die Wände des akkurat eingerichteten Trainingsraums in seinem Pfaffenhofener Wohnhaus. Fast wie in der Hall of Fame. Prexl hat aus Spaß mit dem Kneipensport Billard begonnen, 36 Jahre später könnte er sich getrost als Profi verkaufen.

Zu seinem ergrauten Haar trägt er einen Drei-Tage-Bart. Das graue Shirt tauscht er gegen sein Vereinstrikot, die schwarze Brille wird gegen eine Billardbrille gewechselt. Prexl überlässt nichts dem Zufall. Sogar die Luftfeuchtigkeit muss stimmen. „Es gibt sechs Faktoren“, führt er aus. Tisch, Tuch, Ball, Queue, Licht und Luftfeuchtigkeit müssen passen. Denn: „Das Material ist entscheidend.“

Als Außenseiter zum großen Titelsieg

Prexls Erfolgsliste reicht über die Auszeichnung als 15-facher Bayerischer Meister bis zu Medaillen bei der deutschen Meisterschaft. Doch seine bedeutenste Auszeichnung trägt er erst seit kurzem: Sportler des Jahres in Pfaffenhofen.

Angefangen in Pfaffenhofen, mit Stationen in Schrobenhausen, Ergolding und Unterschleißheim, spielt Prexl seit 2021 mit dem BC Pfeffenhausen in der Bayernliga. „Seit dem Wechsel läuft es ohne Ende. Ich habe fünf Medaillen auf deutschen Meisterschaften gewonnen, mit dem Highlight: Deutscher Meister 8-Ball Mannschaft.“ Der DFB-Pokal des Billards, wie Prexl beschreibt. Und sein bisheriges Karrierehighlight. „Als größter Außenseiter sind wir Meister geworden“, sagt er mit Stolz in der Stimme. Nicht nur das: Auch im Einzelranking erwies er sich als bester von circa hundert Billardspielern. Darunter auch Erstliga-Akteure. Für diese Leistung wurde er zum Sportler des Jahres im Landkreis Pfaffenhofen gewählt. „Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel. Auch deshalb, weil man es als `Kneipensportler` eh schwieriger hat. Die Anerkennung muss man sich hart erarbeiten.“ Noch ganz „im Flow“ nach diesem Erfolg gelang Prexl zwei Wochen später der nächste Coup: „Paula und ich wurden mit einer super Turnierleistung wieder Deutscher Meister im Mixed-Doppel“, sagt er und meint damit sich und seine Pfeffenhausener Mixed Doppel Partnerin Paula Bachmeier.

Eiskalter Spieler mit genauer Sicherheit

1988 startete Prexl im Alter von 15 Jahren seine steile Billardkarriere. Im Mallorca-Urlaub hielt er zum ersten Mal einen Queue in der Hand. Zurück in Deutschland macht er Billard zu seinem Hobby. „Wir waren vier Freunde. Es gab damals keinen Trainer – wir haben gefühlt jeden Tag zusammen gespielt.“ Die 15-Jährigen einte neben der Freude am Spiel auch ein Wunsch: „Wir wollten Profis werden und in Las Vegas spielen.“ Soweit ist es dann doch nicht gekommen, aber: „Ein Jahr später stand ich in der ersten Mannschaft“, sagt Prexl.

„Als Billardspieler ist er eiskalt“, sagt sein Pfeffenhausener Team-Kapitän Gerhard Butz am Telefon. „Im Billard sagt man: Jemand ist eine Lochmaschine. Und genau das ist der Helmut. Er hat eine unglaubliche Lochsicherheit.“ Prexl und Butz kennen sich seit 30 Jahren. Früher noch als Gegner, seit 15 Jahren als Teampartner. „Und ich hab‘ damals schon von ihm auf die Mütze bekommen“, sagt Butz und lacht. „Die Gegner haben bei ihm meistens nicht viel zu lachen.“ Und schiebt hinterher: „Aber sportlich gesehen ist er sehr fair.“

Taktik sitzt – nun istKöpfchen gefragt

Um sein Niveau hoch zu halten, trainiert Prexl seit einigen Jahren vor allem seine mentale Stärke. „Im Billard ist das wichtigste, dass man sich konzentrieren kann und die Nervösität ablegt“, betont er. „Ein Millimeter Abweichung bedeutet einen Fehler.“ Der Spieler selbst entscheidet über Sieg oder Niederlage – schon der erste Stoß kann den Verlauf des Spiels zu 70 Prozent vorgeben. „Man kämpft mit sich selber und das kann brutal sein.“ Dafür versucht er, neben dem regulären wöchentlichen Training „den Kopf wach zu halten“. Denn in den letzten Jahren merkt er: „Ich weiß nicht, wie lange ich das Niveau noch halten kann.“ Er ist sich sicher, den Zenit seiner Karriere erreicht zu haben. Denn: „Ich betreibe es ja nur als Hobby. Da ist noch nichts dran verdient.“

In Zukunft kann Prexl sich die Rolle eines Mentors vorstellen. Für einen Pfeffenhausener Nachwuchsspieler. Denn mit diesem soll endlich Prexls großer Traum gelingen: Der Aufstieg in die Bundesliga. Zwar könnte er auch einfach in einen Verein wechseln, der bereits in der höchsten Liga spielt. Doch das lehnt Prexl kategorisch ab. „Das wär viel zu einfach. Ich will es selber schaffen und zwar mit meinen Freunden.“

PK