Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...





Krisenmanager und Hoffnungsträger  |  20.03.2020  |  08:00 Uhr

Teamchef aus dem Bayerwald: Andreas Seidl über Corona, McLaren und die Formel 1

von Andreas Lakota

Lesenswert (2) Lesenswert Weitersagen Weitersagen drucken Drucken


  • Artikel 29 / 51
  • Pfeil
  • Pfeil




"Mensch und Material bewegen sich am absoluten Limit", sagt Andreas Seidl über die Formel 1. Seit Januar 2019 führt der Bayerwaldler das britische Team McLaren. −Foto: imago images

"Mensch und Material bewegen sich am absoluten Limit", sagt Andreas Seidl über die Formel 1. Seit Januar 2019 führt der Bayerwaldler das britische Team McLaren. −Foto: imago images

"Mensch und Material bewegen sich am absoluten Limit", sagt Andreas Seidl über die Formel 1. Seit Januar 2019 führt der Bayerwaldler das britische Team McLaren. −Foto: imago images


Die Nachricht vom ersten Coronavirus-Fall in der Formel 1 erreichte Andreas Seidl (44) beim Abendessen. Seit einem Jahr arbeitet der aus Hinterschmiding (Landkreis Freyung-Grafenau) stammende Maschinenbauingenieur als Teamchef von McLaren – am vergangenen Wochenende rückte er weltweit in den Fokus, als sich sein Team als Vorsichtsmaßnahme vom Saisonauftakt in Australien zurückzog, nachdem ein McLaren-Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden war.

Für diese resolute Entscheidung erntete Seidl viel Lob – auch weil die Führung der Motorsport-Königsklasse zusammen mit dem Automobil-Weltverband FIA lange nur durch Schweigen aufgefallen war, bevor man sich doch zur Rennabsage entschied. Den Job als Krisenmanager in Melbourne meisterte Andreas Seidl ebenso souverän und cool wie seine bisherige Aufgabe beim britischen Traditionsrennstall, wo er als Nachfolger der Legenden Bruce McLaren und Ron Dennis in große Fußstapfen tritt. "Das ist für mich keine Last, das ist Motivation. Wir wollen mit diesem Team wieder den Anschluss an die Spitze in der Formel 1 schaffen", sagt Seidl, der mit der Heimatzeitung über McLaren, die Formel 1 und ein turbulentes Wochenende in Melbourne sprach.

Herr Seidl, wann haben Sie vom Corona-Fall in Ihrem Team erfahren?
Andreas Seidl:
Wir haben am Donnerstag Abend das positive Testergebnis erhalten. Zak Brown und ich waren gerade beim Abendessen mit einem unserer Anteilseigner. Wir sind sofort zum Hotel zurück gekehrt, um uns mit der Führungsmannschaft abzustimmen.

Sie haben dann sofort entschieden, Ihr Team vom Rennen zurückzuziehen – und viel Lob erhalten. Denn anders als die FIA und Formel-1-Führung bei der Rennabsage haben Sie nicht gezögert.
Seidl:
Für uns war direkt klar, dass wir unter diesen Umständen nicht am Rennen teilnehmen werden. Vor allem zum Schutz unserer eigenen Mitarbeiter, aber auch unserer Fans, Partner und anderen Teams. Das war sicher keine angenehme Entscheidung, denn wir sind nach Australien gekommen, um Rennen zu fahren, aber es war definitiv die einzig richtige Entscheidung für uns als Team. Es war eine hektische Nacht und mein Team hat zu jeder Zeit einen klaren Kopf behalten. Das war einfach super. Gerade in solchen Krisenzeiten zeigt sich, wie gut du als Team wirklich bist. Deshalb geht das Lob nicht an mich, sondern an das ganze McLaren-Team.

Wie war die Reaktion des Teams auf die Geschehnisse?
Seidl: Alle sind erstmal ruhig geblieben. Wir haben relativ zeitnah das Team in Melbourne und auch zu Hause in England informiert und die weiteren Schritte definiert. Die entscheidende Info war, dass es allen soweit gut geht und die Situation unter Kontrolle ist. Alle haben dann vor Ort mit angepackt, um den Abbau des Equipments und die Fracht zu regeln. Unsere Fahrer Carlos und Lando haben auch super unterstützt und deren größte Sorge galt dem Team.

Wie geht es jetzt weiter?
Seidl: Dazu kann ich noch nichts sagen. Wir sind in enger Abstimmung mit der FIA und Formel 1, um alle weiteren Schritte zu besprechen.

Sie sind jetzt seit einem Jahr bei McLaren. Wie fällt Ihr persönliches Fazit nach einem Jahr als Teamchef in der Formel 1 aus?
Seidl: Nachdem ich einige Jahre in anderen Motorsport-Serien unterwegs war, fühlt es sich gut an, wieder zurück in der Formel 1 zu sein. Die Formel 1 hat nichts an ihrem Reiz verloren. Die Fahrzeuge und die Teams sind einfach Top-Klasse und der Zuspruch der Fans weltweit ungebrochen. Für mich ist es eine große Ehre und natürlich auch eine große Herausforderung, Teamchef von McLaren zu sein. McLaren hat eine einzigartige Historie in der Formel 1. Wir sind ein Team mit extrem talentierten Mitarbeitern und viel Leidenschaft. Nach der Durststrecke in den letzten Jahren konnten wir letzte Saison einen deutlichen Schritt nach vorne machen. Darauf wollen wir aufbauen und das positive Momentum mitnehmen.

Wie groß ist eigentlich Ihr Team bei McLaren?
Seidl:
Knapp 750 Mitarbeiter. Sie kümmern sich um die Entwicklung, Produktion und den Renneinsatz.

Nach einem Jahr bei McLaren kennen Sie nun Team und Umfeld. Was darf man künftig erwarten?
Seidl:
Das Ziel für diese Saison ist klar: Wir wollen das Maximum aus unserem Potenzial bei McLaren herausholen und den nächsten Schritt mit dem Auto und im Team schaffen. Wenn wir das Defizit zu den Top-3-Teams bei den Rundenzeiten weiter minimieren könnten, wäre das ein großer Erfolg. Der Abstand war immer noch erheblich in 2019. Deshalb muss man auch realistisch sein. Ich erwarte wieder einen harten Kampf um Platz 4. Das ist bei den aktuellen Kräfte- und Budgetverhältnissen in der Formel 1 die beste Platzierung, die wir erreichen können.

Was haben Ihnen Mercedes, Ferrari und Red Bull voraus?
Seidl: Eine bessere Infrastruktur, mehr Budget, mehr Leute – aber auch bessere Abläufe und Prozesse und grundsätzlich mehr Selbstvertrauen in ihre eigene Leistung. Deshalb investieren wir unter anderem in einen neuen Windkanal und einen neuen Fahrsimulator. Wir kennen unsere Schwächen. Es gibt noch viel zu tun, aber wir haben einen Plan.

Und wann kann McLaren wieder um Siege mitkämpfen?
Seidl: Ab 2022/2023 wollen wir wieder regelmäßig um Podiumsplätze und Siege fahren.

Die ab 2021 greifende Budgetobergrenze dürfte für dieses Vorhaben sehr wichtig sein.
Seidl:
Ja, sehr wichtig. Es ist die einzige Möglichkeit, ausgeglichenere Voraussetzungen für alle zu erzielen und eine Chance mittel- und langfristig wettbewerbsfähig und nachhaltig Formel 1 zu betreiben. Aber auch hier muss man realistisch bleiben. In 2021 werden wahrscheinlich noch die drei Top-Teams dominieren, weil sie in der Vorbereitung die besseren Ressourcen haben und aktuell die besseren Teams sind. Es wird also dauern, bis sich die Budgetdeckelung auswirkt.

Wie oft kommen Sie eigentlich noch in Ihre Heimat Hinterschmiding?
Seidl:
Im Moment beschränken sich meine Aufenthalte im Bayerischen Wald vor allem auf die Ferienzeiten. Aber für mich und meine Familie ist es immer noch ganz klar unsere eigentliche Heimat. Deshalb zieht es uns auch immer wieder dorthin zurück. Die Landschaft, die Menschen und das Lebensgefühl sind dort schon was Eigenes, Besonderes. Gerade die Ruhe und Natur schätze ich sehr.

Das ganze Interview lesen Sie in ihrer Ausgabe vom 19. März oder hier nach kostenloser Anmeldung.












Sicherheitscode:



Dokumenten Information
Copyright © heimatsport.de 2020
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am





Auch in der Quarantäne am Ball: Lukas Mühl.

Jammern ist nicht Lukas Mühls Sache: "Es ist nicht einfach, aber das betrifft die gesamte...



Stadionatmosphäre für Zuhause: Im Rahmen der Crowdfunding-Aktion des Fußball-Regionalligisten Wacker Burghausen gibt es als Dankeschöns schon bald 60 blaue Sitze aus der Wacker-Arena. −Foto: Butzhammer

Die finanzielle Unterstützung der Anhänger ist ungebrochen: Genau eine Woche...



Schaldings Trainer Stefan Köck: Der Fußball muss sich in der aktuellen Lage hinten anstellen. −Foto: Andreas Lakota

Im Gegensatz zum Profifußball, der gestern die ersten Schritte zurück zu einem halbwegs geregelten...



Als Zweitliga-Stürmer etabliert: Sebastian Busch im Trikot der Tigers Bayreuth. Jetzt kehrt das Landshuter Eigengewächs heim. −Foto: Imago Images

Der EV Landshut vermeldet seine erste Neuverpflichtung für die DEL2-Saison 2020/21 – und...



Versuchts schon mit 21 Jahren als Spielertrainer: Salzwegs Simon Saxinger (am Ball). −Foto: Mike Sigl

Der FC Windorf will es wissen: Der Klub, der als Traditionsverein jahrzehntelang sowohl im Jugend-...





Rainer Koch. −Foto: dpa

Kein Spiel, kein Training: Auch der bayerische Amateurfußball bekommt die Auswirkungen der...



Macht sich Sorgen darüber, wie Menschen in der Corona-Krise reagieren: FCP-Trainer Günther Himpsl. −Foto: Mike Sigl

"Jetzt pausieren und dann irgendwann die Saison zu Ende spielen": Günther Himpsl (62)...



Der Ball ruht – auch in England. Dort haben die Amateurfußballer nun endlich Klarheit, die Saison wurde abgebrochen. −Foto: Andreas Lakota/Symboldbild

In Deutschland warten die Fußball-Fans noch auf eine Entscheidung des Verbands – in England...



−Symbolfoto: Michael Duschl

Während die Fußball-Bundesligisten den Trainingsbetrieb allmählich hochfahren...



−Archivfoto: M. Duschl

Der bayerische Sport erwartet wegen der Folgen der Corona-Krise Hunderte Millionen Euro Schaden...











Facebook


 Facebook Like-Box aktivieren 

(dies stellt eine direkte Verbindung Ihres Browsers zu Facebook her)









realisiert von Evolver