Erstmals seit 1983 auf Kreisebene

„Gegen uns werden sich alle zerreißen“: Freyung und sein Neustart in der Kreisliga

25.07.2022 | Stand 25.07.2022, 15:42 Uhr

Zur Sache geht es für den TV Freyung um Maximilian Stockinger (von rechts) und Stanislaus Valkov erstmals am kommenden Samstag beim Kreisliga-Auftakt in Karpfham. −Foto: Sven Kaiser

Neuer Trainer, saniertes Stadion und eine ungewohnte Liga: Mit diesen Vorzeichen geht der TV Freyung in seine erste Kreisliga-Saison seit fast 40 Jahren. Welche Rolle die Kreisstädter spielen können? Eine Standortbestimmung fällt schwer, erklärt Neu-Coach Julian Blöchl (32) wenige Tage vor dem Saisonstart.

Die Ausgangslage ist klar: Freyung gilt für viele als heißer Kandidat im Aufstiegsrennen. Ein großer Name mit langjähriger Bezirksliga-Erfahrung. Dessen ist sich Trainer Julian Blöchl bewusst: „Gegen uns werden sich alle Mannschaften förmlich zerreißen.“ Und dennoch schraubt der 32-Jährige die Erwartungen herunter: „Natürlich wollen wir vorne mitspielen, aber der Aufstieg ist kein ‚muss‘. Ich sehe uns jedenfalls nicht als Top-Favorit.“ Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die größte Baustelle sieht Blöchl in der Kaderbreite. Während der Vorbereitung musste Freyung stets auf „fünf bis sieben Stammspieler“ verzichten, so der Coach. Am schwersten fiel der der Ausfall von Siegfried Wilhelm (28) ins Gewicht. Der Abwehrchef und Co-Spielertrainer konnte nach seinem Syndesmosebandriss erst kürzlich wieder mit lockerem Training beginnen. Daneben fehlt Tobias Irlesberger (36, OP nach Syndesmosebandriss) für längere Zeit, Robert Pauli (29) kämpft sich nach einer Meniskusverletzung langsam zurück. Selbiges gilt für Torhüter Christof Meyer, der nach seinem Kreuzbandriss die ersten lockeren Einheiten hinter sich hat. „Bis zur Vollbelastung wird er noch mehrere Wochen brauchen“, informiert Trainer Blöchl. Außerdem weilt Jonas Hobelsberger (20) berufsbedingt in Irland.

Und damit nicht genug: Talent Hannes Eckmüller (18), der aus der A-Jugend des TSV Waldkirchen kam, muss der erhöhten Belastung im Herrenbereich Tribut zollen. Er fällt mit muskulären Problemen drei bis vier Wochen aus. Dafür springt zwischenzeitlich ein weiterer Neuling ein: Marcel Pauli (21, St. Oswald) – der Bruder von Robert Pauli – zählt in der Vorbereitung zum erweiterten Kader der 1. Mannschaft. Langfristig wird er die zweite Garde unterstützen.

In Summe blickt Freyung auf eine durchwachsene Vorbereitung zurück. Trainer Julian Blöchl ist „nur bedingt“ zufrieden. Am Trainingsfleiß habe das nicht gelegen, betont er, aber die vielen Rochaden brächten eben schwankende Leistungen mit sich. So gab es in den Tests Licht (7:3 gegen Hintereben) und Schatten (2:3 gegen Eberhardsberg). Gewisse Tendenzen konnte der Trainer trotzdem erkennen: „Gegen tiefstehende Gegner tun wir uns teilweise schwer. Dafür haben wir mit stärker besetzten Teams auch gut mitgehalten (0:2 gegen Perlesreut, Anm. d. Red.). Die Erkenntnis: Freyung will und wird in der Kreisliga häufig das spielbestimmende Team sein, muss sich an diese Rolle aber noch gewöhnen. Blöchl will aus den Kreisstädtern eine Ballbesitzmannschaft machen. Und ihr wieder den Spaß am Fußball vermitteln: „Manchen merkt man die negativen Erlebnisse der Vorsaison noch ein wenig an. Daran werden wir arbeiten.“

Freyung muss sich also selbst finden. Und das in einer Liga, die Trainer Blöchl nur schwer einschätzen kann: „Nachdem mit Perlesreut und Vornbach die großen Namen weg sind, sehe ich viele Teams auf einem ähnlichen Niveau.“ Jeder Punkt müsse erst hart erkämpft werden, betont Blöchl.

Darüber hinaus stellt sich am Oberfeld die Frage: Wer soll nach dem Abgang von Alex Starkl (35, SV Oberpolling) die Tore schießen? „Einen Spieler seiner Klasse kann man nicht eins zu eins ersetzen“, macht Julian Blöchl klar. „Daher wollen wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.“ Namentlich gemeint sind in erster Linie Alexander Fuchs (22), Alexander Frömel (24) und Neuzugang Stanislaus Valkov (23), der laut Blöchl bereits gute Ansätze zeigte.

Dreifach besetzt ist auch das Traineramt. Chefanweiser Blöchl wird von den Co-Spielertrainern Matthias Krampfl und Siegfried Wilhelm (beide 28) unterstützt. Das Trio steht nahezu täglich in Kontakt, arbeitet bei Trainingsgestaltung und Aufstellung eng zusammen. „Matthias und Siegfried organisieren eine Menge rund um die Mannschaft. Die Zusammenarbeit läuft hervorragend“, lobt Julian Blöchl. Am Ende treffe er zwar allein die Entscheidungen, doch zuvor gebe es stets gute Gespräche mit seinen Kollegen. „So erfüllt jeder seine Aufgabe, schließlich möchte ich die beiden in ihrer Spielerfunktion entlasten.“

Nun richten die Freyunger den vollen Fokus auf das Auftaktmatch am kommenden Samstag (16 Uhr) beim TSV Karpfham. Eine knifflige Aufgabe bei einem der Top-Teams der Vorsaison. Und zugleich ein möglicher Fingerzeig, in welche Richtung es gehen könnte für die Kreisstädter. Trainer Julian Blöchl dürfte die Standortbestimmung nach dieser Partie etwas leichter fallen …

− akr

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