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Er springt selbst in der "dritten Liga" hinterher | 01.12.2021 | 12:00 Uhr

Fall ins Bodenlose und Gedanken ans Karriereende: Der beispiellose Absturz des Richard Freitag

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Denkt ans Karriereende: Richard Freitag. −Foto: Daniel Karmann/dpa

Denkt ans Karriereende: Richard Freitag. −Foto: Daniel Karmann/dpa

Denkt ans Karriereende: Richard Freitag. −Foto: Daniel Karmann/dpa


Neulich war wieder einer dieser Tage, an denen Richard Freitag alles fürchterlich sinnlos vorkommen musste. Falun/Schweden, ein Wettbewerb des FIS-Cups, dritte Liga des Skispringens. Kaum Zuschauer, noch weniger Flair, ein Tummelplatz für Talente. Und Freitag, der vor vier Jahren der beste deutsche Springer und 2019 Team-Weltmeister war, landete auf Platz 26. Der einstige Edelflieger steckt in einer Sackgasse. Und als einziger Ausweg zeichnet sich immer mehr das Karriereende ab.

"Wenn ich den Schritt bis nächsten Januar, Februar nicht schaffe...", sagte Freitag unlängst der Sächsischen Zeitung, ohne den Satz zu beenden. Dennoch war die Botschaft eindeutig: Der 31 Jahre alte Sachse will nicht mehr hoffnungslos beliebigen Teenies hinterherspringen, will zurück in den Weltcup, dorthin, wo bei den Frauen seine jüngere Schwester Selina springt. Und: Olympia wäre ja ein Ziel. Doch die schlichte Wahrheit lautet: In diesem Winter wird das nie und nimmer funktionieren.

"Die Motivation wird nicht leichter", sagt Freitag. Während Markus Eisenbichler, Karl Geiger und Stephan Leyhe, seine Kollegen aus dem Innsbrucker Weltmeisterteam, am Wochenende in Kuusamo wieder auf großer Bühne auftraten, ist Freitags Perspektive die Tingeltour durch unterklassige Wettkampfserien.

"Ihm fehlt einfach der letzte Kick", sagt Bundestrainer Stefan Horngacher, um dann in einem Satz Freitags Sturz in die Bedeutungslosigkeit gnadenlos abzubilden: "So genau kann ich das gar nicht beurteilen, weil ich schon länger nicht mit ihm trainiert habe." Der siebenmalige Weltcupsieger ist derzeit nicht im System.

Tiefer gefallen ist eigentlich nur Marinus Kraus

Doch was hat Freitag auch anzubieten? Im Vorjahr durfte er über das erweiterte Aufgebot bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen ran, belegte Platz 41 und 27, verpasste die Oberstdorfer Heim-WM. Im zweitklassigen Continental Cup sprang er einmal in die Top 10, bei der DM im Oktober auf Platz 17.

Nicht ausgeschlossen, dass es bei der kommenden Tournee nicht einmal zum Start über die nationale Gruppe reicht. Tiefer gefallen ist eigentlich nur Marinus Kraus, der fast vergessene Team-Olympiasieger von 2014, der seit sechs Jahren vergeblich um einen Weltcup-Einsatz kämpft.

Doch was hat Freitag bloß so ruiniert? "Skispringen ist extrem kopflastig und Lockerheit die höchste Kunst. Das ist der Knackpunkt", sagt er. Freitag ist ein Grübler, ein sensibler Sportler, der komplette Gegenentwurf zum berufslockeren Unterhaltungskünstler Eisenbichler.

In seinem besten Winter – 2017/18 - gewann Freitag drei der ersten sieben Springen, war mit seinem markanten Schnurrbart das Gesicht der DSV-Adler und lag bei der Tournee zur Halbzeit glänzend im Titelrennen. Dann stürzte er in Innsbruck, musste verletzt aufgeben. Mit einem Kraftakt wurde er fit für die folgende Flug-WM in Oberstdorf, holte Bronze und wenig später olympisches Team-Silber. Auch wenn Freitag ein Jahr später mit dem WM-Titel seinen größten Erfolg feierte – das alles hat wohl tiefere Spuren hinterlassen.

"Ich weiß, wie es ist, wenn man oben mitspielt. Der Sport ist sehr hart, man braucht die Kraft für sich", sagt Richard Freitag. Derzeit wirkt er nicht so, als könne er diese Kraft noch einmal aufbringen. − sid/red












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