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Sportwissenschaftler fordert Öffnung | 03.03.2021 | 08:00 Uhr

Lockerungen im Jugendfußball: "Abwägung von Nutzen und Risiko spricht eindeutig dafür"

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Seit 1. November sind die Fußballplätze gesperrt – nun hofft man auf schnelle Lockerungen, vor allem für den Nachwuchs. −Foto: Lakota

Seit 1. November sind die Fußballplätze gesperrt – nun hofft man auf schnelle Lockerungen, vor allem für den Nachwuchs. −Foto: Lakota

Seit 1. November sind die Fußballplätze gesperrt – nun hofft man auf schnelle Lockerungen, vor allem für den Nachwuchs. −Foto: Lakota


Seit Monaten bremst der Lockdown die Nachwuchssportler im Hobby- und Leistungsbereich. Die Folgen könnten dramatisch sein, warnen Verbände und Wissenschaftler.

Eine Umfrage des Bayerischen Fußball-Verbandes, in der 79,4 Prozent der Vereinsfunktionäre aus dem Freistaat den Verlust von Kindern und Jugendlichen als großes Problem sehen, drückt viel Sorge aus. "Ich glaube, dass der Sport in unserem System eine sehr hohe gesellschaftliche Relevanz hat", sagt der Sportliche Leiter Nationalmannschaften des DFB, Joti Chatzialexiou. "Ich glaube, dass es gerade für die Kinder sehr wichtig ist, dass sie sich bewegen, dass sie an der frischen Luft sind. Und das wirkt sich nicht nur körperlich, sondern auch auf die Psyche aus."

Die negativen Folgen von Bewegungsmangel bestätigt auch die Wissenschaft. "Das kann zu vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen führen oder dazu beitragen: Etwa Übergewicht, ungünstige Veränderungen im Stoffwechsel und Herz-Kreislaufsystem und anderen organischen Strukturen", sagt Oliver Faude von der Universität Basel. "Individualsport in Eigenregie ist gut, kann den Verlust an aktiver Zeit aber nicht ganz aufheben und systematisches, strukturiertes Mannschaftstraining nicht ersetzen." Der Lockdown führe zu mehr Sitz- und Bildschirmzeit. Und das in einer Generation, die sowieso liebend gerne an der Konsole zockt.

Gerade Fußball als Sportart stimuliere sehr viele Ebenen, sagt Faude. Kinder würden dem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen, viel für die Gesundheit tun und Freunde treffen. "Vor dem Hintergrund, dass das Infektionsrisiko beim Spielen sehr gering ist, spricht die Nutzen-Risiko-Abwägung eindeutig für Lockerungen im Jugendfußball", sagt der Sportwissenschaftler, Spezialist auf diesem Gebiet.

Studien bestätigen die geringe Ansteckungsgefahr beim Fußball (auf dem Spielfeld), und noch mehr im Amateur und Nachwuchsbereich. In einer Stunde kommen sich die Kicker demnach durchschnittlich 60 Sekunden gefährlich nahe, fand ein Forscher-Team der Universitäten Aarhus und Syddansk im Sommer heraus. Dazu kommt, dass diese Kontakte in 60 Prozent der Fälle kürzer als eine Sekunde ausfallen. Die Wissenschaftler kommentieren die Ergebnisse wie folgt: "Die Zahlen zeigen, dass der Kontakt beim Ausüben einer ‚Kontaktsportart‘ wie Fußball relativ gering ausfällt. Dies wenn man sich auf den Sport beschränkt und die Anreise und das Umziehen außen vor lässt." Auch der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Tim Meyer, hält die Gefahr einer Corona-Ansteckung auf dem Fußballplatz für gering.

Nicht zuletzt deshalb hofft auch Florian Weißmann auf Lockerungen. Als Verbandsjugendleiter des Bayerischen Fußball-Verbands ist er Adressat vieler Sorgen und Nöte. Weißmann fokussiert in seinen Forderungen den Nachwuchsfußball – und hofft hier auf zwei zentrale Anpassungen der Corona-Politik. "In erster Linie ist es wichtig, dass für Kinder und Jugendliche die schnelle und sofortige Freigabe fürs Training erfolgt", sagt Weißmann. Er sieht zudem "keinen Grund, das auf kontaktloses Training zu beschränken". Neben der schnellen Freigabe für den Trainingsbetrieb hofft Weißmann, dass der 7-Tage-Inzidenzwert nicht länger das meistgenutzte Instrument der Corona-Politik von Bund und Ländern bleibt. "In Schweinfurt hat man gerade einen sehr niedrigen Wert, in Tirschenreuth sehr hoch. Dass ein Mädel oder Bub aus Schweinfurt zum Sport darf, aus Tirschenreuth aber nicht – das darf nicht sein", sagt der Verbandsjugendleiter.

In den 56 DFB-Nachwuchsleistungszentren sind die Auswirkungen des Lockdowns unterschiedlich. Nur die U19 mit Zugehörigkeit zum Berufsfußball darf trainieren. Spiele fallen aber auch hier weg, Kontakte zwischen den NLZs sind nicht erlaubt. Vor allem für hoffnungsvolle Kicker, die an der Schwelle zum Männerfußball stehen, ist der Lockdown hart. Ihnen fehlt auf einer entscheidenden Entwicklungsstufe über Monate der Wettkampf. "Eine Phase von ein paar Monaten beeinträchtigt nicht die gesamte Karriere. Fahrrad fahren verlernt man ja auch nicht", sagt Bayerns U17-Trainer Danny Schwarz. Wenn es wieder losgeht, ist eine dosierte Steigerung des Pensums wichtig. "Rückblickend hatten wir in den ersten Spielen nach dem Frühjahrs-Lockdown physisch und im Bereich Konzentration etwas zu kämpfen. Ein Wettkampf ist eben ein anderes Level. Es kam auch zu mehr Verletzungen als davor", sagt Schwarz.

Während seine Talente angetrieben vom Traumziel Profi-Fußball vermutlich in guter körperlicher Verfassung nach dem Lockdown loslegen werden, wird es im Breitensport anders aussehen. Gerade in Großstädten, wo Kinder nicht in Gärten ausweichen können und in den Wohnungen weniger Platz als in ländlichen Gebieten ist. Dazu kommt die Frage, wie viele Kinder und Jugendliche überhaupt zurückkehren.

Hier lesen Sie
- Beschlussvorlage: Kinder bis 14 Jahre dürfen auf Sport in Zehnergruppen hoffen
- In Österreich dürfen Jugendliche ab 15. März wieder Sport machen – in der Schweiz sogar ab sofort
- Wiederaufnahme von Sport- und Trainingsbetrieb gefordert: Immer mehr Unterstützer für Petition












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