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16.01.2020  |  08:00 Uhr

"Dicke Kohle fließt ins Ausland": Heidel-Attacke auf die Bayern im Check – Hat er recht?

von Sebastian Lippert

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Christian Heidel, Ex-Sportvorstand beim FC Schalke 04, hat behauptet, der FC Bayern München zahle auf dem deutschen Spielermarkt zu wenig Ablösesumme. Heimatsport.de macht den Check. −Bildmontage: Sebastian Lippert / Foto: Ina Fassbender

Christian Heidel, Ex-Sportvorstand beim FC Schalke 04, hat behauptet, der FC Bayern München zahle auf dem deutschen Spielermarkt zu wenig Ablösesumme. Heimatsport.de macht den Check. −Bildmontage: Sebastian Lippert / Foto: Ina Fassbender

Christian Heidel, Ex-Sportvorstand beim FC Schalke 04, hat behauptet, der FC Bayern München zahle auf dem deutschen Spielermarkt zu wenig Ablösesumme. Heimatsport.de macht den Check. −Bildmontage: Sebastian Lippert / Foto: Ina Fassbender


"Die dicke Kohle fließt ins Ausland": Christian Heidel, zuletzt Sportvorstand beim FC Schalke 04 und bis Februar 2019 lange 30 Jahre in verschiedenen Position im Bundesliga-Geschäft tätig, attackierte den FC Bayern München jüngst heftig. "Die Bayern fahren inzwischen leider die Politik, auf dem deutschen Markt nichts mehr oder kaum was zahlen zu wollen. Sie sichern sich Top-Bundesligaspieler sehr früh, um sie dann ablösefrei zu übernehmen", sagte Heidel (56) dem Fußball-Fachmagazin "Kicker".

Aus diesen Sätzen sprechen Ärger und Enttäuschung. Immerhin ist es auch Heidel, dem vorgeworfen wird, die Verträge von Leon Goretzka (wechselte im Sommer 2018 ablösefrei nach München) und Alexander Nübel (wechselt im Sommer 2020 ablösefrei zu den Bayern) nicht frühzeitig verlängert zu haben. Aber spricht der Verärgerte auch die Wahrheit? Ist es richtig, dass die Bayern deutlich häufiger das Vertragsende abwarten, anstatt Ablöse zu zahlen und die deutschen Konkurrenten damit zu entschädigen? Heimatsport.de macht den Check – und betrachtet in einer Grafik die Zahlungen der vergangenen zehn Transfer-Jahre (ohne Leihgebühren):

Grafik

Grafik: Sebastian Lippert/PNP, mit Material von freepik.com. Link zum Download HIER.

Die Erklärung zur Grafik: Die Quell-Daten stammen von der Website transfermarkt.de. Zusammengefasst zeigt sich, dass knapp über 62 Prozent der seit 2011 gezahlten Ablösesumme (401,2 Millionen Euro für 17 Spieler) von München aus ins Ausland flossen, während gut 38 Prozent der Gesamtsumme im Land blieben (242,8 Millionen Euro für 24 Spieler). In diesem Zeitraum wechselten insgesamt acht Spieler ablösefrei zum FCB; alle kamen von deutschen Klubs. Besonders bei den Transfers von Robert Lewandowski (vom BVB, 2014), Leon Goretzka (Schalke 04, 2018), Sebastian Rode (Frankfurt, 2014) und nun Alexander Nübel (Schalke 04, im Sommer 2020) sparten die Bayern kräftig. Im Ranking jener Klubs, welche von den Bayern im Zeitraum von zehn Jahren das meiste Geld bekamen, finden sich unter den ersten 25 nur acht deutsche Klubs, drei davon allerdings in den Top-5. Deutscher Spitzenverdiener bei Transfers nach München ist Borussia Dortmund (72 Millionen Euro), im Gesamtranking hat Atlético Madrid die Nase vorn.

Das Check-Ergebnis: Christian Heidel übertreibt, hat aber nicht unrecht. Die Bayern verpflichteten in den vergangenen zehn Jahren ausschließlich Spieler von deutschen Klubs ablösefrei. Dazu gehören allerdings drei Seiten: ein Interessent, der die Chance erkennt. Dann der abgebende Verein, der die Gelegenheit entweder verpasst oder den Profi nicht mehr von sich überzeugen kann – und natürlich der Spieler: Am Ende entscheidet er, wo seine Chancen am besten stehen. Wenn Heidel außerdem mit Verweis auf den Transfer von Lucas Hernandez (kam von Atlético Madrid, 80 Millionen Euro Ablöse) behauptet, dass die "dicke Kohle ins Ausland" gehe, so ist auch das nicht gelogen: Einkäufe auf dem internationalen Markt kommen die Bayern verhältnismäßig teurer als auf dem Binnenmarkt. Diesen Zustand aber dem FCB in die Schuhe zu schieben, greift ebenfalls zu kurz. Verändern können diese Situation allein die deutschen Konkurrenten – was im Fall Timo Werner gelang.

Manche Fälle fließen nicht in die Statistik ein

Es ist einer jener prominenten Fälle, die nicht in die Statistik einfließen – weil sie (bislang) nicht stattgefunden haben. Bei Timo Werner (23) hatten die Bayern augenscheinlich die berechtigte Hoffnung, dass sich der pfeilschnelle Leipziger der Anziehungskraft des größten deutschen Klubs schon nicht entziehen könne. Die Bayern pokerten und spekulierten auf einen ablösefreien Wechsel in kommenden Sommer. Doch das wirklich gute Blatt auf der Hand reichte nicht, die Karten wurden neu gemischt: Der zuvor wohl wechselwillige Werner verlängerte seinen Kontrakt mit RB Leipzig bis 2023 – zumindest er wird im Fall der Fälle teuer. Der Wechsel von Leroy Sané (24) platzte nach dem Kreuzbandriss des Nationalspielers, der bei Manchester City unter Vertrag steht und inzwischen immerhin individuell mit dem Ball trainieren kann. Beim noch bis Juni vom FC Barcelona ausgeliehenen Philippe Coutinho (27) besteht immerhin die Chance auf eine sofortige Weiterverpflichtung. Allerdings würden dem aktuellen Vertrag nach an die 120 Millionen Euro für die Dienste des Brasilianers fällig; unrealistisch, dass die Bayern so viel zu zahlen bereit sind.












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