Jugendausbildung beim FC Bayern

Die bewegte Karriere von Schaldings Dominik Weiß: Spaß in der Bayernliga statt Profi-Fußball

12.11.2022 | Stand 12.11.2022, 9:19 Uhr

Fünf Saisontore hat Schaldings Außenverteidiger Dominik Weiß (vorne) bereits erzielt. Hier jubelt er mit Markus Gallmaier. −Foto: Andreas Lakota

Von Andreas Lakota

18 Spiele hat der SV Schalding bisher in der Bayernliga absolviert. Und einer stand dabei immer in der Startelf: Dominik Weiß (27). Der Ex-Profi zeigt bisher Top-Leistungen, nicht nur wegen seiner fünf Saisontore ist der Außenverteidiger eine zentrale Säule im Spiel des Tabellenführers − und steht exemplarisch für den Aufschwung beim SVS.

Denn als Weiß im Winter 2021 nach Passau kommt, erlebt er vieles anders am Reuthinger Weg. Die Mannschaft steckt tief im Abstiegssumpf der Regionalliga, die Stimmung ist schlecht. „Du kommst in ein neues Team, in eine neue Stadt, es war schwer, sich da zurechtzufinden“, erinnert er sich. Hinzu kommt eine Verletzung, die ihn zum Start ausbremst. Als er zurückkehrt auf den Platz, kann Weiß dem taumelnden SVS nur wenig helfen. Am Ende steht der Abstieg. Und eine Chance zum Neuanfang. Schalding nutzt diese. Weiß tut es auch.

Seit dem Sommer sprüht er vor Spielfreude, rennt die rechte Außenbahn auf und ab, bereitet vor, schließt ab. „Die Position in der Fünferkette kommt mir sehr entgegen“, sagt Weiß. Er habe sich bestens eingelebt, viele Freunde gefunden in der Mannschaft, die auch insgesamt sehr gut harmoniere. Und: „Ich bin so fit wie noch nie zuvor in meiner ganzen Karriere“, berichtet Weiß.

Die Laufbahn des gebürtigen Landshuters beginnt schon sehr früh. Mit zehn Jahren fällt er bei einem Hallenturnier Scouts von 1860 München auf, wenig später wechselt er zu den Löwen. „Das war viel zu früh. Ich kann jedem Nachwuchsspieler nur raten, nicht so bald den Schritt zu gehen“, sagt er heute. Der Papa fährt den kleinen Dominik fortan fast täglich zu den Trainings nach München. Ein Jahr später ändert sich dann die Adresse, Weiß wechselt von 1860 in die U12 des FC Bayern. „Ohne meinen Papa wäre das alles nicht gegangen. Unglaublich, wie viel Zeit und auch Geld er investiert hat. Als ich in die U15 kam, wurde er dann als Fahrer vom FC Bayern engagiert, er hat dann alle Kinder zwischen Landshut und München aufgesammelt und zum Training gebracht“, erzählt Weiß.

Bis zur U16 läuft es bestens in München. Dann stoppt ihn eine schwere Verletzung. Ermüdungsbruch im Wirbel, zwölf Monate Pause. „Das war brutal“, sagt er. „Die anderen jungen Spieler wie Julian Green durften bei Pep Guardiola mittrainieren und ich bin daheim gehockt und konnte nichts machen.“ Nach der Verletzung kämpft er sich zurück, spielt U17 Bundesliga. Doch dann wird er aussortiert an der Säbener Straße. Weiß wechselt nach Ingolstadt, gibt dort schon mit 17 sein Debüt in der Herren-Regionalliga, schießt gleich ein Tor. Er wird zu den Profis befördert, Trainer Ralph Hasenhüttl nimmt ihn mit ins Trainingslager, eine echte Chance beim Bundesligaaufsteiger erhält das Talent aber nicht.

Also zieht Weiß weiter. Burghausen heißt die nächste Station, unter Trainer Uwe Wolf herrschen noch Profi-Bedingungen an der Salzach. Nach zwei Jahren folgt der Wechsel nach Schweinfurt, von dort geht es weiter zu Türkgücü München. Weiß wird Teil eines großen Projekts, eines großen Traums, bis ganz nach oben will der Verein durchstarten. Beim Aufstieg in die 3. Liga spielt Weiß eine wichtige Rolle, schießt entscheidende Tore – „dann wurde mir leider brutal der Karriere-Stecker gezogen“, sagt er. Nach dem Aufstieg baut Türkgücü seinen Kader radikal um, mustert 20 Profis aus. Darunter auch Weiß, der trotz eines gültigen Vertrags zum Abschied gedrängt wird. „Wir wurden wenig unhöflich aufgefordert, uns was Neues zu suchen“, erzählt er. Weiß kommt schließlich beim Regionalliga-Neuling Aubstadt unter. Von dort geht die Reise nach einem halben Jahr weiter zu Türkspor Augsburg. Corona hat den Fußball mittlerweile fest im Griff, viele Klubs müssen sparen, neue Verträge sind rar. Und Weiß beginnt nachzudenken. Über sich. Über seine Zukunft.

Ein Telefonat mit Philipp Knochner – seit der gemeinsamen Zeit bei Burghausen sind beide beste Kumpels – ebnet schließlich den Weg nach Schalding. „Wir haben gesagt, es wäre schön, wieder gemeinsam zu spielen“, erzählt Weiß, für den auch klar ist: Mit dem Schritt in die niederbayerische Fußball-Diaspora ist es vorbei mit der Profikarriere. „Es war schon eine harte Entscheidung. Ich musste mir ja auch eingestehen, dass es eigentlich nicht gereicht hat für ganz oben.“

Heute ist Dominik Weiß glücklich. Er absolviert mittlerweile eine Umschulung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Und er hat den Spaß am Fußball wiedergefunden. „Ohne nachzudenken in ein Spiel gehen, einfach das machen, warum man den Sport liebt. Das genieße ich wirklich“, sagt er. Nach dieser Saison läuft sein Vertrag in Schalding aus. Wie es weitergeht, ist offen. Er wolle solang wie möglich auf auf hohem Niveau spielen, sagt Dominik Weiß, der bald zum ersten Mal Papa wird. Vielleicht ergänzt er auch deshalb: „Aber Fußball ist nicht mehr alles für mich. Ich habe gelernt, dass es Wichtigeres gibt im Leben.“


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