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Rücktrittswelle wegen Corona?  |  26.04.2021  |  06:00 Uhr

Die Sorgen vor dem Schiedsrichter-Schwund: Niederbayern trotzt dem Trend

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Guter Dinge: Niederbayerns Schiedsrichter-Chef Robert Fischer. −Foto: bfv

Guter Dinge: Niederbayerns Schiedsrichter-Chef Robert Fischer. −Foto: bfv

Guter Dinge: Niederbayerns Schiedsrichter-Chef Robert Fischer. −Foto: bfv


Nur die Schiedsrichter in den obersten Spielklassen dürfen derzeit ran. Im Amateurfußball sind sie genauso beschäftigungslos wie die Kicker. Auch bei ihnen stellt sich die Frage: Kehren nach Corona alle zurück?

"Natürlich ist es schwer, Menschen für etwas zu begeistern, das sie aktuell nicht ausüben können. Dies gilt im Grunde für Fußballer*innen gleichermaßen wie für Schiedsrichter*innen", teilt der Deutsche Fußball-Bund auf Anfrage mit. Der DFB verweist auf virtuelle Schulungsabende, Regel- und Videotests und Trainingspläne der Landesverbände und Kreise. "Sobald wieder gespielt werden kann, geht es darum, das ganze System schnellstmöglich wieder zu aktivieren. Wir sind optimistisch, dass dies gelingen wird."

Der DFB kämpft ohnehin mit Nachwuchssorgen in einer Sparte, die auf dem Rasen oft als Sündenbock herhalten muss: Zwischen 2018/2019 und 2019/2020 ging die Zahl der gemeldeten Schiedsrichter von 56 680 auf 51 884 zurück. Vor allem die Gruppe der unter 18-jährigen Männer schrumpfte - um über 18 Prozent. Spielleiterinnen gibt es nach der jüngsten Statistik ohnehin nur knapp 2000 bundesweit.

"Es gibt nichts zu beschönigen: Die Zahlen sind rückläufig", sagt Lars Albert, Sprecher des Schiedsrichterausschusses beim Sächsischen Fußball-Verband. Auch Robert Fischer kennt diese Zahlen und die Sorgen um seine Zunft. Und natürlich beschäftigt auch den Chef der niederbayerischen Fußball-Schiedsrichter die Frage: Haben nach der Pandemie genauso viele Lust zu pfeifen wie vorher?

Fischer macht sich da aber keine Sorgen, wie er sagt. Auch in Niederbayern gebe es zwar einen Rückgang an Schiedsrichtern. Der falle, wie Fischer sagt, mit einer Größenordnung von fünf bis sechs Prozent aber vergleichsweise gemäßigt aus. Die Zahlen, die ihm vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) vorliegen, sind mit 16 bis 17 Prozent deutlich höher.

Dabei tun die Verantwortlichen einiges, um die Kollegen zu halten: In monatlichen Online-Meetings werden Spielszenen aus Bundesliga und Regionalliga analysiert und Lösungen erarbeitet. Auch ältere Kollegen hätten mit dem digitalen Format keine Probleme, sagt Fischer. In Niederbayern haben aus Sicht des Schiri-Chefs auch die Online-Neulingskurse geholfen. Rund 1000 Teilnehmer hätten auf die einzelnen Schiedsrichtergruppen aufgeteilt werden können. Verbandsintern wurde die Pause genutzt, um organisatorische Veränderungen vorzunehmen. So soll die Durchlässigkeit für Unparteiische zwischen Kreis- und Bezirksliga größer werden.

"Wenn man den Umfragen im Amateurfußball folgt, wird (...) deutlich, dass Fußball-Deutschland wieder zurück auf den Platz möchte und wir gehen davon aus, dass das auch für unsere Schiedsrichter*innen gilt", heißt es von DFB-Seite. "Aber konkrete Corona-Folgen für den Bereich können wir aktuell noch nicht prognostizieren."

"Es geht nie um die Schiedsrichter", sagt Simon Henninger, wenn er auf die sportpolitsche Debatte in Corona-Zeiten blickt. Dass momentan nicht Fußball gespielt wird, findet er "absolut richtig". Der 20-Jährige aus Bad Soden pfeift in der siebten Liga und engagiert sich im Kreisschiedsrichterausschuss. "Ich kann mir vorstellen, dass die große Rücktrittswelle nach dem Restart kommt. Da bin ich wirklich gespannt", sagt der Student, der sich mit Kollegen wenigstens zum Laufen trifft. Besonders schwierig sei die Zwangspause bei jenen Kollegen, die im Oktober einen Neulingslehrgang gemacht haben.

Henninger erinnert das Ganze an einen Vergleich von Meikel Schönweitz, dem Cheftrainer der U-Nationalmannschaften beim DFB, der die Problematik im Nachwuchsbereich so formulierte: "Als hätte eine ganze Generation einen Kreuzbandriss." − dpa/mjf












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