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Kein grünes Licht aus der Politik | 21.08.2020 | 11:39 Uhr

Re-Start-Termin geplatzt: BFV verschiebt Start des Spielbetriebs um zwei Wochen

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Der Ball muss weiter ruhen im bayerischen Amateurfußball. −Foto: Symbolbild Franz Nagl

Der Ball muss weiter ruhen im bayerischen Amateurfußball. −Foto: Symbolbild Franz Nagl

Der Ball muss weiter ruhen im bayerischen Amateurfußball. −Foto: Symbolbild Franz Nagl


Nichts wird es mit dem Re-Start im bayerischen Amateurfußball zum 5. September. Der Bayerische Fußball-Verband hatte in einem Brief an die Staatsregierung zeitnahe Lockerungen gefordert – und blieb damit offenbar unerhört. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs wird auf 19. September verschoben. Vor Anfang September seien keine Lockerungen zu erwarten, heißt es aus Kreisen.

In einem offenen Brief an seine über 4500 Mitgliedsvereine und die dort über 1,6 Millionen organisierten Fußballer/innen hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) am Freitagmittag seine Entscheidung mitgeteilt. Man habe alles getan für den angepeilten Re-Start Anfang September: "Der Ball liegt jetzt in der Spielhälfte der Politik, sie muss entscheiden, ob sie mitspielt oder ob sie Euch, unsere über 4500 Vereine, weiter im Abseits stehen lässt und damit Eure Existenz aufs Spiel setzt", schreibt Koch an die Vereinsvertreter und Funktionäre im Freistaat.

Der BFV-Vorstand hat sich indes aufgrund der noch nicht getroffenen staatlichen Entscheidung dazu entschieden, seinen Vereinen "eine gewisse Vorlaufzeit zur Umsetzung der dann geltenden Hygienekonzepte einzuräumen und den Spielbetrieb (falls endlich staatlich erlaubt) ab dem 19. September 2020 fortzusetzen (einzelne Spiele wären nur dann früher möglich, wenn beide beteiligten Vereine dies wünschen)", heißt es im Schreiben. − aug/red

Der offene Brief im Wortlaut

Liebe Vereinsvertreter,
liebe Amateurfußballer in Bayern,
liebe Funktionäre,

zuvorderst einmal ist es mir ganz besonders wichtig, Euch allen mein großes Dankeschön auszusprechen. Wie Ihr diese so zuvor nicht gekannte Krise in den vergangenen Monaten gemeinsam gemeistert, wie ihr häufig während des Lockdowns in Eurem Ort soziale Verantwortung mitgetragen, wie Ihr vorbildlich die staatlichen Regelungen umgesetzt und mit uns über den richtigen Weg des Amateurfußballs diskutiert habt, verdient den allergrößten Respekt. Auch wenn wir uns dies alles sehr gerne erspart hätten, so zeigt doch gerade diese schwierige Zeit, dass der Amateurfußball in Bayern lebt, er in der Lage ist, nicht nur auf, sondern auch abseits des Platzes Großes zu leisten. Das ist außergewöhnlich!

Wir alle warten mit großer Ungeduld auf den Zeitpunkt, an dem es endlich wieder losgeht, wir mehr als "nur" Trainingsspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten können. Da geht es Euch so wie uns. Genau deshalb haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv daran gearbeitet, die Grundlage zu schaffen, um eine baldige Entscheidung herbeizuführen. Selten in der Öffentlichkeit, denn es braucht an dieser sensiblen Stelle im Dialog mit der Politik vor allem Diplomatie und Durchhaltevermögen. Wir haben einiges erreicht, so können wir zumindest wieder trainieren, beim Nachwuchs dürfen wieder Eltern zuschauen. Das aber ist nicht genug. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, Euch jetzt auch offen zu sagen, was wir an entscheidender Stelle beim für uns zuständigen Innenministerium klar hinterlegt haben und welche wichtigen Positionen für uns maßgebend sind:

- Wir haben unter Mitwirkung unseres Verbandsarztes Dr. Werner Krutsch ein weiteres umfassenden Hygiene-Konzept – wie schon für Training zunächst ohne und dann mit Kontakt – erstellt, das für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter Zulassung einer begrenzten Zahl an Zuschauern allen Vereinen als Muster dient und zeigt, dass wir alle zusammen gemeinsam Verantwortung übernehmen könne.

- Wir haben beim Innenministerium klar zum Ausdruck gebracht, dass wir es nicht im Ansatz nachvollziehen können, warum Freiluft-Theater oder Konzerte mit bis zu 400 Besuchern erlaubt sind, Zuschauer beim Fußball aber nicht. Wir vertreten hier klar den Standpunkt, dass gleiche Maßstäbe für alle gelten sollen, und ein Fußballplatz genügend Raum bietet, um die Abstandsregelungen einhalten zu können.

- Natürlich besitzt die Gesundheit aller oberste Priorität, das steht außer Frage und dies respektiert der BFV natürlich vollumfänglich. Dennoch ist es für uns keinesfalls schlüssig, warum Zuschauer im Amateurfußball verboten sind, während Theater, Kino, Gastronomie, etc. unter merklich beengteren Verhältnissen Gäste begrüßen und bedienen dürfen.

- Es stößt immer mehr auf Unverständnis, warum bei Amateurspielen im Freien in Baden-Württemberg bis zu 500 Zuschauer und in Hessen bis zu 250 Zuschauer zugelassen sind, in Bayern aber keine Zuschauerregelung gefunden werden kann. Es geht bei unserem Spielbetrieb doch in der Regel nicht darum, Fankurven in Stadien, bei denen man eng zusammensteht, zu füllen, sondern eine gewisse Anzahl von Vereinsmitgliedern, Eltern und Freunde und Freundinnen auf Fußballplätze zu bringen, die genügend Platz bieten, um Abstand zu halten. Wir haben mehrfach Lösungen vorgeschlagen und uns angeboten, Regularien mit auszuarbeiten.

- Mit einer staatlichen Entscheidung, ob wir den Wettkampfspielbetrieb vor Zuschauern wiederaufnehmen können, ist laut Nachricht aus dem Innenministerium leider nicht vor dem 1. September 2020 zu rechnen. Von daher hat sich der BFV-Vorstand dazu entschieden, seinen Vereinen eine gewisse Vorlaufzeit zur Umsetzung der dann geltenden Hygienekonzepte einzuräumen und den Spielbetrieb (falls es endlich staatlich erlaubt wird) ab dem 19. September 2020 fortzusetzen (einzelne Spiele wären nur dann früher möglich, wenn beide beteiligten Vereine dies wünschen).

Eine Entscheidung über den weiteren Fortgang trifft einzig und alleine die Bayerische Staatsregierung, die Vereine und der BFV haben ihre Hausaufgaben gemacht. Der Ball liegt jetzt in der Spielhälfte der Politik, sie muss entscheiden, ob sie mitspielt oder ob sie Euch, unsere über 4500 Vereine, weiter im Abseits stehen lässt und damit Eure Existenz aufs Spiel setzt. Wir wissen um die großen Nöte vor Ort, die jeder Tag mehr mit sich bringt, wenn der Ball bei Euch vor Zuschauern nicht rollen kann. Wir müssen gemeinsam verantwortlich handeln, dazu gehört es selbstverständlich, die Gesundheit zu schützen; es gehört aber auch dazu, der kraftvollen und vielfältigen Vereinslandschaft in Bayern eine sportliche und somit auch wirtschaftliche Perspektive zu geben.

Wir werden auch weiterhin alles dafür tun und uns weiterhin mit voller Kraft einsetzen, dass der bayerische Amateurfußball zumindest eine Gleichbehandlung erfährt. Auch Euch bitten wir, alle weiterhin gemeinsam an einem Strang zu ziehen, politische Vertreter bei Euch vor Ort anzusprechen und dabei klar zum Ausdruck zu bringen, welche Positionen wir gemeinsam vertreten. Denn klar ist auch: Es kann nur gemeinsam gehen. Vereine, Verband – und jetzt vor allem die Politik.

Euer
Dr. Rainer Koch












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