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20.08.2019 | 06:00 Uhr

Söldnerheer statt Mannschaft: Was den langjährigen Vereinsfunktionär Albert Wieselsberger am Amateurfußball stört

von Corinna Mühlehner

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"Fußball soll man in der schönsten Zeit des Jahres spielen", sagt so mancher Fußball-Enthusiast. Denn bei kaltem Wetter sinken auch die Zuschauerzahlen. Doch der frühe Saisonstart inklusive teils kurzer Sommerpause sorgt bei Vereinen auch für Unmut. −Symbolbild: Lakota

"Fußball soll man in der schönsten Zeit des Jahres spielen", sagt so mancher Fußball-Enthusiast. Denn bei kaltem Wetter sinken auch die Zuschauerzahlen. Doch der frühe Saisonstart inklusive teils kurzer Sommerpause sorgt bei Vereinen auch für Unmut. −Symbolbild: Lakota

"Fußball soll man in der schönsten Zeit des Jahres spielen", sagt so mancher Fußball-Enthusiast. Denn bei kaltem Wetter sinken auch die Zuschauerzahlen. Doch der frühe Saisonstart inklusive teils kurzer Sommerpause sorgt bei Vereinen auch für Unmut. −Symbolbild: Lakota


Eine Fußball-Mannschaft, die abends in einer Bar ausgelassen die Meisterschaft feiert. Gute Laune, strahlende Gesichter, angeregte Gespräche. Das Thema: natürlich Fußball. Einer von ihnen wird plötzlich sehr deutlich: "Ich spiel doch nicht umsonst Fußball!" In seiner Stimme schwingt Empörung mit. Fußball spielen, ohne dafür Geld zu bekommen, ist für diesen Spieler undenkbar – wie auch für viele andere.

Ein Umstand, der vor allem einem sauer aufstößt: Albert Wieselsberger. Der leidenschaftliche Fußball-Fan, der lange verschiedene Funktionen beim FC Teisbach bekleidete, sieht mit einem Stirnrunzeln auf die vergangenen Jahre im Amateur-Fußball zurück. Ihn stört vor allem eins: Dass sich alles nur noch ums Geld zu drehen scheint.

Damit ist er nicht der einzige, so die Überzeugung des 57-Jährigen. "Man hört überall, wie die Leute schimpfen, aber was sagen traut sich niemand." Nun will Wieselsberger der sein, der vorangeht. Sein Ziel: Weniger kritisieren, mehr anregen. "Auch wenn natürlich immer ein Stück Kritik dabei ist", weiß der Mann, der vier Jahre zweiter Vorstand im Verein und auch schon 2. Jugendleiter, Trainer von der F- bis zur B-Jugend, Pressewart und jahrzehntelang Platzwart war. An die Öffentlichkeit tritt er nun als Privatperson. "Ich ziehe den Hut vor all den Ehrenamtlichen, die sich für den Amateur-Fußball einsetzen. Das hat Lob und Respekt verdient. Aber man sollte auch für Verbesserungsvorschläge offen sein."

Will Denkanstöße geben: Albert Wieselsberger. −F.: Mühlehner

Will Denkanstöße geben: Albert Wieselsberger. −F.: Mühlehner

Will Denkanstöße geben: Albert Wieselsberger. −F.: Mühlehner


Geld im Amateurfußball

Konkret rückt Wieselsberger drei Punkte in den Fokus. Am meisten Sorgen bereitet ihm, wie sehr sich junge Spieler mittlerweile auch im Amateur-Bereich vom Geld lenken ließen. "Fußball ist ein schönes Hobby, das Spaß macht. Aber mittlerweile nimmt das Züge an, die ich nicht gutheißen kann." Wenn er sehe, wie Vereine teils drei Spielklassen nach unten gehen müssen, "weil ihnen die Spieler weglaufen" und sie keine Mannschaft mehr stellen können, fühlt sich Wieselsberger in seiner Sorge bestätigt. "Viele Fußballer sind mittlerweile Söldner, die nur dem Geld hinterher wechseln. Die wissen ja gar nicht mehr, wer ihr Heimatverein ist."

Hier sieht Albert Wieselsberger ein Problem für die Zukunft: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche Spieler später einmal wo ein Ehrenamt übernehmen." Der Fehler passiere dabei schon in der Jugend. Wieselsberger betont, wie wichtig es sei, die Nachwuchskicker "bei Laune zu halten." Mittlerweile sei das Angebot an Freizeitmöglichkeiten stark gewachsen, andere Optionen machen dem Fußball Konkurrenz. "Da muss mehr geboten werden, auch über den Sport hinaus. Etwa Zeltlager, Wanderungen oder andere Ausflüge." Wichtig sei auch, die Jugend vermehrt in den Verein einzubinden, etwa im Ausschuss oder als Jugendtrainer.

Stattdessen locken Vereine aber häufig mit hohen Beträgen. Das, so hört man immer wieder, können hohe Einmalzahlungen sein, obendrauf kommen Punkte-Prämien teils von 30 bis 50 Euro. Wieselberger wisse selbst von einem Landesligaspieler, der im Monat 400 Euro bekäme. "Da wird man nicht reich davon, aber die Mentalität ändert sich, die Spieler vergessen, um was es im Fußball geht."

Dass sich ein Verein woanders Spieler sucht, dagegen spricht sich Wieselsberger nicht aus. Die Methode müsse aber eine andere werden. Er schlägt vor, den potentiellen Spieler mit der Vermittlung von Arbeit oder einer Wohnung an den jeweiligen Spielort zu binden. Ab der Landesliga sei es auch in Ordnung, etwas Geld fließen zu lassen – als Aufwandsentschädigung etwa für längere Fahrtwege.

Ein Verbot seitens des Bayerischen Fußballs Verbands (BFV) hält Wieselsberger für eine Option, um den Geldfluss zu stoppen. Richard Sedlmaier, Bezirks-Spielleiter beim BVF, sagt allerdings: "Wir können da als Funktionäre nichts machen." Denn ob so ein Verbot tatsächlich umgesetzt wird, könne man nicht kontrollieren. Zwar sei es eine "unschöne Sache", wenn Spieler mit Geld gelockt werden, die Verantwortung liege da aber bei den Vereinen. "Es gibt ja auch noch andere Werte wie Kameradschaft, um Spieler an sich zu binden. Da sind die Vereine gefragt", so der BSL.

Dass der eigene Profit mittlerweile immer mehr in den Fokus zu rücken scheint, sei vielleicht auch ein Zeichen der Zeit. In manchen Gebieten habe sich diese Handhabung eingebürgert, da geht es laut Bezirks-Spielleiter auch nicht mehr anders. Für was er allerdings kein Verständnis hat: Wenn Geld etwa bereits in der A-Klasse ausgeteilt wird. Alles andere liege jedoch in der Verantwortung der Vereine.

Die Abspaltung der Reserve-Mannschaften

Was Albert Wieselsberger auch plagt: Die Tatsache, dass es immer weniger Reserverunden gibt. Wenn die zweiten Mannschaften nicht mehr die Vorspiele bestreiten, sondern eigenständig in aufstiegsberechtigten Ligen spielen, leide die Kameradschaft darunter, die Teams lebten sich auseinander. "Ich weiß auch nicht, was es bringen soll, die Reserve in der A-Klasse spielen zu lassen, ich glaube nicht, dass sie das unbedingt besser macht", findet Wieselsberger. Zudem seien Zuschauer dann vor das Problem gestellt, auf zwei Spiele gehen zu müssen statt nur auf eines, die Mannschaften nähmen sich unter Umständen Zuschauer weg. Und wenn Spieler für die Erste gebraucht werden, gehen sie in der Zweiten ab. Der 57-Jährige wünscht sich deshalb, dass bis zur Bezirksliga wieder Reserverunden installiert werden. Auch wenn er weiß, dass diese oft schwer zu besetzen sind.

Richard Sedlmaier betont jedoch, dass letztlich jeder Verein die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden, ob seine zweite Mannschaft in einer aufstiegsberechtigte Liga spielen soll oder nicht. "Es geht ja auch darum, sich mit Besseren messen zu wollen", erklärt der BFV-Verantwortliche. Wenn die zweiten Mannschaften aber dazu verdonnert wären, in der Reserverunde zu spielen, könne das zu großen Niveauunterschieden führen, wenn eine Mannschaft etwa eine sehr leistungsstarke Zweitvertretung hat. "Und dann verlieren die Teams unter Umständen auch Leute, die keine Lust mehr haben, wenn sie immer 10:0 gewinnen", sagt Sedlmaier.

Der frühe Saisonstart

Und dann ist da der frühe Saisonstart. "Das geht gar nicht", macht Albert Wieselsberger klar. Für ihn ist ein Schritt nach vorne ein Schritt zurück: Er wünscht sich, dass der Saisonstart wie früher auf Ende August verlegt wird. Denn im Urlaubsmonat August fehlten viele Spieler, es stünde ohnehin nie die stärkste Mannschaft auf dem Feld. "Das ist meiner Ansicht nach Wettbewerbsverzerrung", betont Albert Wieselsberger. Zudem sollen in der Hinrunde keine Partien der Rückrunde ausgetragen werden. Das letzte Spiel Mitte Juni, dann drei Wochen eine "richtige Sommerpause" und Ende Juli mit der Vorbereitung beginnen – so beschreibt Wieselsberger grob einen Alternativplan.

Damit das Ganze funktioniert, müsste auch die Relegation kürzer werden. Zwei feste Absteiger und ein Relegant, wünscht sich der Teisbacher – und damit auch den Schritt weg von dem "künstlichen Aufwerten" der Relegation, wie er es nennt. "Relegationsspiele sind schön, da rührt sich was. Aber viel davon ist nur noch Geldmacherei und die Mannschaften kriegen kaum noch eine Pause", so Wieselsberger.

Wenn es um die Relegation geht, hat sich Richard Sedlmaier vom BFV bereits Argumente zurechtgelegt. Er kennt die Diskussion. "Von 500 Vereinen in Niederbayern müssen maximal vier über die vollen vier Spiele gehen", erklärt er. Deren Saison dauert dann 14 Tage länger, der Rest wird früher fertig. "Die Kritik ist unberechtigt", sagt Sedlmaier deshalb. Er sieht das Ganze im Gegenteil positiv. Denn: Mehr Releganten, mehr Chancen, die Klasse zu halten oder aufzusteigen. "Das Geschrei wäre groß, wenn es diese Möglichkeit nicht mehr gäbe", vermutet der BSL.

In Bezug auf den frühen Saisonstart gebe es auch die Möglichkeit, ein Spiel unter der Woche auszutragen, wie es etwa in Oberbayern geschieht. Das sei bei den Vereinen in Niederbayern allerdings verpönt. Warum der Saisonstart überhaupt so weit nach vorne gerückt ist, erklärt Richard Sedlmaier so: "Früher waren die Fußballplätze maximal eine bessere Schafwiese. Da war es egal, ob die durch die Spiele umgeackert werden. Jetzt stecken Gemeinden viel Geld hinein." Und da müsse auch auf den Platz geachtet werden – ergo möglichst wenig Spiele hintereinander und vor allem nicht bei schlechter Witterung.

Zugleich klagten Vereine über zu wenig Zuschauer. "Aber es ist klar, dass sich im November viele nicht mehr rausstellen wollen", so der BFV-Funktionär. Er vertritt die Meinung: Fußball soll in der schönsten Jahreszeit gespielt werden. Der Juli sei also perfekt: "Keine Ferien, Studenten haben keine Prüfungen mehr, das Wetter ist gut – es gibt nichts Besseres."

Eine Sache kann Richard Sedlmaier sicher sagen: "Recht kann man es nie allen machen." Dass sich die Situation nicht von heute auf morgen ändern wird, das ist auch Albert Wieselsberger klar. Doch er ist überzeugt: "Der ganze Amateur-Fußball leidet darunter." Er hofft deshalb, dass sich zumindest Gedanken über Besserungen gemacht werden. Denn: "Am Ende soll Fußball immer noch Spaß machen." Und in dem Punkt sind sich Albert Wieselsberger und Richard Sedlmaier schon einmal einig.












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