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02.07.2019  |  13:49 Uhr

Flucht und Freundschaft: Die bewegende Geschichte zweier Ex-Löwen – und wie sie wieder zusammenfanden

von Alexander Augustin

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"Brüder seit Tag eins": Schweinfurts Christian Köppel (l.) und Mohamad Awata. −Foto: Andreas Lakota

"Brüder seit Tag eins": Schweinfurts Christian Köppel (l.) und Mohamad Awata. −Foto: Andreas Lakota

"Brüder seit Tag eins": Schweinfurts Christian Köppel (l.) und Mohamad Awata. −Foto: Andreas Lakota


In Syrien galt Mohamad Awata (25) als großes Talent. Der Krieg zwang ihn zur Flucht. Ohne ein Wort Deutsch oder Englisch zu sprechen, bekam er eine Chance beim TSV 1860 München. In Christian Köppel (24) fand er dort einen Seelenverwandten und Integrationshelfer. Ihre Wege trennten sich 2018. Nun sind sie bei Regionalligist Schweinfurt vereint – und wollen aufsteigen.

Wie lernwillig Mohamad Awata ist, zeigt er am Ende des Gesprächs am Rande des Trainingslagers des 1. FC Schweinfurt in Sonnen (Lkr. Passau): "Wie war mein Deutsch?", will er wissen. "Er will immer dazulernen", sagt Christian Köppel. Niemand kennt Awata so gut wie Köppel.

Sie haben gerade ein Foto bei Instagram gepostet mit dem Hashtag #BrüderseitTag1. Können Sie Ihr Verhältnis beschreiben?
Christian Köppel: Ich habe damals bei Sechzig mitbekommen, dass Mohamad bei uns mittrainiert, kannte aber seine Vorgeschichte nicht. Ich wusste nur, dass er aus Syrien nach Deutschland gekommen ist. In der Kabine saß ich zufällig neben ihm. Er konnte kein Englisch, Deutsch sowieso nicht. Ich habe versucht, ihm zu helfen, dass er im Training klar kommt. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, aber uns sofort super verstanden.
Mohamad Awata: Die ersten Worte, die er zu mir gesagt hat, waren "Mea, mea", das ist Arabisch für "100 Prozent".
Köppel: Ich war zweimal in Ägypten und konnte noch ein paar Begriffe. Die Syrer sprechen ja auch Arabisch, wenn auch einen anderen Dialekt. Ich habe ihm die Basics gesagt, die ich weiß. Er hat’s einigermaßen verstanden. Dann haben wir auch relativ schnell privat was zusammen gemacht. Er hat mich zu sich zum Essen eingeladen, er kann sehr gut arabisch kochen. Das behalten wir bis heute bei. Wir wohnen ja jetzt auch in Schweinfurt in einer WG.

Wenn Köppel und Awata übereinander sprechen, lachen sie viel, ziehen sich auf. Doch die Geschichte, die zu ihrer Freundschaft führte, ist dramatisch. Nachdem seine Mutter und sein Onkel im syrischen Bürgerkrieg umkommen, lässt Mohamad seinen Vater und seinen kleinen Bruder in Damaskus zurück. Er flieht. 17 Tage lang. Über das Mittelmeer. Auf einem kleinen Schiff mit 70 anderen Flüchtlingen. Ziel: Stuttgart. Dort wohnt ein Freund. Er verbringt dort sieben Monate. Doch er will Fußball spielen. Sein Freund vermittelt ihm ein Probetraining bei 1860. Daniel Bierofka, Anfang 2017 noch Trainer der zweiten Mannschaft, ist sofort überzeugt. Awata zieht nach München, bekommt eine Aufenthaltsgenehmigung.

Wie hat Ihnen der Fußball bei der Integration geholfen?
Awata: Ich habe Deutsch nur in der Kabine gelernt. Ich hatte keinen Kurs. Jetzt habe ich einen mit meinem Lehrer, Köppi. (lacht)
Köppel: Wir machen ab und zu in der WG 20 Minuten Unterricht.
Awata: Für mich war das am Anfang schlimm. Ich konnte kein Deutsch und Englisch, Bierofka spricht Bairisch. Und ich musste zweimal am Tag bei ihm trainieren (lacht). Wenn er sauer ist, dann spricht er auch noch schnell. Einmal hat Bierofka eine Übung erklärt und gesagt: Fang an. Ich habe nichts verstanden. Dann hat er gesagt: Soll ich es nochmal auf Arabisch erklären? (lacht)

"Die halbe Stunde vor dem Training war wie ein Deutschkurs"

Sie haben mal gesagt, Sie konnten nicht anders, als Deutsch zu lernen, weil Sascha Mölders in der Kabine so viel gesprochen hat.

Awata: Ja ehrlich. Das war im zweiten Jahr, als ich mit den Profis trainiert habe. Sascha saß rechts und Aaron (Berzel, Anm. d. Red.) links. Sascha machte dauernd Späße mit mir auf Deutsch. Die halbe Stunde vor dem Training war immer wie ein Deutschkurs.

Awata trainiert bei 1860 zwar mit der ersten Mannschaft, spielt aber oft nur im Bayernliga-Team. Er will vom Fußball leben, entscheidet sich, München zu verlassen – und damit Christian Köppel. Mit großen Versprechungen lässt er sich in Jordaniens erste Liga locken. Das halbjährige Abenteuer wird zum Desaster, noch immer wartet Awata auf fünf Monatsgehälter. Der Prozess läuft. Er kehrt nach Bayern zurück, schließt sich dem SV Heimstetten an, schießt ihn zum Regionalliga-Erhalt – und geht, ist dann vereinslos. Wie Köppel, der bei den Löwen keinen neuen Vertrag bekommt. Am Ende landen beide bei Schweinfurt.

Herr Awata, Sie haben zuerst bei Schweinfurt unterschrieben.
Awata: Ich hatte das Angebot und habe Köppi gefragt, ob ich das machen soll. Er hat gesagt: Schweinfurt ist ein großer Verein, ein Profiverein. Ich hatte zu mehreren Vereinen Kontakt, aber bin zu Schweinfurt gegangen, weil ich aufsteigen will.

Spielte es für Sie eine Rolle, dass Ihr bester Freund hier unterschrieben hatte, Herr Köppel?

Köppel: Mit Sicherheit. Ich wollte ursprünglich in der 3. Liga bleiben. Aber bei den Drittligisten war alles immer sehr unkonkret vom Interesse her. Schweinfurt hat sich über Monate intensiv um mich bemüht. Ich wusste, dass Mo hier unterschrieben hat, und kenne auch noch andere Spieler. Da wusste ich, das passt.

Doch was wäre gewesen, wenn der Krieg nicht gewesen wäre? Awata würde wohl nicht Regionalliga Bayern kicken. Mit 17 spielt er bereits in der asiatischen Champions League. Die Bomben verhindern eine größere Karriere. Aber Awata will sich damit nicht beschäftigen.

"Ich habe noch 13 Bombensplitter in meinem Körper"

Bei 1860 kannte man Ihre Vita, wie ist das jetzt beim FCS?
Awata: Nur zwei oder drei kennen sie. Ich habe das hier im Trainingslager ein bisschen erklärt, aber nur kurz. Die Spieler waren traurig. Aber ich habe ihnen gesagt: Für mich ist das Motivation. Ich habe Krieg erlebt und viele schlechte Sachen. Aber ich verliere jetzt nicht mehr. Zwei Worte: Nie aufgeben. Never give up.
Köppel: Drei Worte (lacht).
Awata: Ich habe vier Jahre verloren, die bekomme ich jetzt in Deutschland zurück. Hier ist der Fußball viel besser. Von Daniel Bierofka habe ich so viel gelernt. Ich habe Freunde, die haben nicht im Krieg gelebt. Die spielen jetzt in Katar oder Saudi-Arabien, verdienen viel Geld. Einer war 2017 Asiens Fußballer des Jahres (Omar Khribin, Anm. d. Red.).

Wie kam es zur Flucht?
Awata: 2011 ist der Krieg in Syrien ausgebrochen. In Damaskus war es damals noch nicht so schlimm, ich konnte noch spielen und ganz normal zurück zu meinem Elternhaus. Ein Jahr später konnte man dann nicht mehr aus dem Haus gehen. Dir hätte sofort einer in den Kopf schießen können. Das habe ich oft gesehen. Viele Menschen sind in meiner Nähe gestorben. Ich habe auch eine Bombe abbekommen. Ich habe noch 13, wie heißt das?
Köppel: Splitter.
Awata: Ich habe noch 13 Splitter in meinem Körper, fünf davon im Kopf. Ich glaube, deswegen ist mein Kopf hart wie Eisen (lacht).

"Es ist egal, was wir glauben, der Kopf und das Herz passen bei uns zusammen."

Herr Köppel, wie prägt Sie diese Freundschaft?
Köppel: Als wir mit Sechzig 2017 im Trainingslager waren, da hat er zum ersten Mal seine Geschichte erzählt. Damals kamen mir die Tränen. Und auch heute noch, wenn er davon spricht, habe ich Gänsehaut. Ich kenne ihn so, wie ich ihn kennengelernt habe, aber versuche, mich in seine Situation hineinzuversetzen. Da geht es ja um Leben und Tod. Ich sehe ihn auch als großes Vorbild. Wie er das versucht abzuschließen, aber nicht auszublenden, sondern es als Lebenserfahrung sieht, das hat mich sehr inspiriert.

Herr Köppel, Sie sind gläubiger Christ. Herr Awata, Sie gläubiger Moslem. Reden Sie über Religion?
Awata: Sehr viel.
Köppel: Mohamad fragt mich: Wie schaut das bei euch aus? Da sind wir sehr offen. In beiden Religionen steht die Nächstenliebe ganz oben und das wollen wir auch vorleben. Deswegen hat das bei uns auch so gut geklappt. Es ist interessant, Religion aus einer anderen Sicht zu sehen. Glaube ist für mich das wichtigste, für Mohamad auch. Das verbindet uns.
Awata: Köppi ist ein sehr guter Mensch vom Herzen her. Ich mag ihn, weil er mir hilft. Da ist es egal, dass er Christ ist und ich Moslem bin. Er ist wie mein Bruder. Seine Familie ist wie meine Familie. Seine Mutter fragt Köppi immer, wie es mir geht. Es ist egal, was wir glauben, der Kopf und das Herz passen bei uns zusammen.












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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am
Letzte Änderung am






Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Aschaffenburg
1
4:0
3
2.
1860 Rosenheim
1
4:2
3
3.
Nürnberg II
1
3:1
3
3.
FC Augsburg II
1
3:1
3
5.
Türkgücü München
1
2:0
3
5.
Illertissen
1
2:0
3
7.
Greuther Fürth II
0
0:0
0
7.
Aubstadt
0
0:0
0
7.
Eichstätt
0
0:0
0
7.
Heimstetten
0
0:0
0
7.
Schweinfurt
0
0:0
0
7.
Rain/Lech
0
0:0
0
13.
Burghausen
1
2:4
0
14.
Garching
1
1:3
0
14.
Buchbach
1
1:3
0
16.
SV Schalding
1
0:2
0
16.
Memmingen
1
0:2
0
18.
Bayreuth
1
0:4
0




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