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03.02.2019  |  11:44 Uhr

Warum schaffen es so wenige Talente? Bayern-II-Coach Holger Seitz im Interview

von Andreas Lakota

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"Wir Nachwuchstrainer müssen uns immer bewusst sein, dass es ein Großteil eben nicht schafft", sagt Holger Seitz, Trainer des FC Bayern München II. −Foto: Sven Leifer

"Wir Nachwuchstrainer müssen uns immer bewusst sein, dass es ein Großteil eben nicht schafft", sagt Holger Seitz, Trainer des FC Bayern München II. −Foto: Sven Leifer

"Wir Nachwuchstrainer müssen uns immer bewusst sein, dass es ein Großteil eben nicht schafft", sagt Holger Seitz, Trainer des FC Bayern München II. −Foto: Sven Leifer


Nur 3,5 Prozent aller Fußball-Talente der großen deutschen Klubs schaffen den Durchbruch. In einer Serie beleuchtet die Heimatzeitung die Hintergründe. Teil 6: Fußballlehrer Holger Seitz (44) aus Malching, der aktuell die zweite Mannschaft des FC Bayern München trainiert. Im Interview spricht der Nachwuchs-Experte, der zuvor schon U17 und U19 beim FCB gecoacht hat, über Probleme und Möglichkeiten der Talentförderung.

Herr Seitz, überrascht Sie das Ergebnis der Studie?
Holger Seitz: Nein, das Ergebnis überrascht mich ehrlich gesagt nicht. Wissen Sie, es gab mal einen Vergleich, ich meine, dass ich ihn in Alex Fergusons Buch Leading gelesen haben. Dort hieß es über die Talentsuche im Nachwuchsbereich: "Es ist wie mit den Schildkröten in der Südsee. Tausende schlüpfen am Strand, aber nur wenige erreichen das Wasser."

Und der Rest bleibt quasi auf der Strecke ...
Seitz: Was ich damit sagen will: Als jemand, der seit Jahren in diesem Metier arbeitet, ist mir natürlich klar, wie gering die Quote derer ist, die wirklich den Sprung in den absoluten Spitzenbereich schafft. Ich kann mir dieses Ergebnis also sehr wohl erklären. Was aber nicht heißt, dass es mich erfreut. Als Trainer wäre es mir natürlich viel lieber, wenn es uns allen gelingen würde, viel mehr im höchsten Profibereich zu etablieren.

Woran liegt es, dass so wenige durchkommen?
Seitz: Das ist so vielschichtig, dafür müssten wir wahrscheinlich einen Sonderteil drucken. Nachwuchs-Ausbildung ist höchst komplex. Aber um es anzureißen: Es kann an der mangelnden Geduld der Spieler liegen. Es kann ebenso gut an der mangelnden Geduld der Ausbilder liegen. Oder auch manchmal an der mangelnden Geduld der Vereine. Es kann daran liegen, dass Trainer mehr aufs Ergebnis schauen als auf die Entwicklung der Spieler. Es kann manchmal daran liegen, dass die Jugendlichen eine Freundin kennen lernen, die sie vom Fokus aufs Sportliche abbringt. Dass es von zu Hause zu viel Druck gibt. Verletzungen können aussichtsreiche Karrieren unterbinden. Manchmal verschieben sich auch die Prioritäten im Zuge einer Pubertät in eine andere Richtung, so dass Abhängen und Partys wichtiger werden als Training und Verzicht. Und manchen verdreht das verhältnismäßig viele Geld in frühen Jahren den Kopf.

Was muss ein Spieler unbedingt mitbringen, um den Sprung zu schaffen?
Seitz: Talent. Eifer. Fleiß. Einen klaren Kopf. Hunger auf Erfolg. Verständnis. Vertrauen. Spaß. Es gibt da kein Schema F. Wir reden von Menschen, von Individuen. Da gibt es keine Gebrauchsanweisung, sonst gäbe es diese geringe Durchkommquote auch nicht. Sonst würde sich doch jeder einfach an die Gebrauchsanweisung halten und schon klappt’s. Es kommt auch darauf an, bei welchem Verein ein Spieler es probiert. Gerade in der Nachwuchsarbeit müssen Spieler und Verein zueinander passen.

Welche Rolle spielt der Kopf, die mentale Stärke?
Seitz: Eine ganz große. Wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Man muss Enttäuschungen verarbeiten können, wenn man vielleicht mal ein paar Wochen in Folge nur auf der Bank sitzt. Man muss gleichzeitig seine Euphorie im Griff haben, darf also nicht gleich abheben, wenn man mal im Profi-Training dabei war. Der Kopf entscheidet in erster Linie über den Durchbruch.

Und was müssen die Vereine tun, um mehr Talente in den Profikader zu integrieren?
Seitz: Auch diese Frage lässt sich nicht so pauschal beantworten. Wir reden hier von Hochleistungssport, wo es nun mal um Gewinnen und Verlieren geht. In der Theorie könnte ich nun ganz viele schlaue Sachen sagen, aber in der Realität muss der Cheftrainer einer Profimannschaft auf sich schauen und in erster Linie Resultate bringen. Einem Cheftrainer klopft keiner auf die Schultern, wenn er sagen kann, ich habe vier Nachwuchsspieler rausgebracht. Für ihn geht es ums Erreichen von sportlichen Zielen. Sonst ist seine Mission schnell zu Ende.

Der permanente Erfolgsdruck macht es also schwierig für die Trainer, jungen Spielern das Vertrauen zu schenken?
Seitz: Genau. Glauben Sie, dass jemand folgenden Satz von einem Trainer akzeptieren würde: "Wir sind zwar abgestiegen, trotz des höchsten Budgets. Aber dafür habe ich drei Spielern zu je fünf Profi-Einsätzen verholfen.

Wie kann der Verein einen Profi-Trainer in Sachen Nachwuchsförderung unterstützen?
Seitz: Was wichtig ist, ist die Kommunikation zwischen den Verantwortlichen eines Nachwuchsleistungszentrums und der Profiabteilung. Ein Spieler aus dem Nachwuchs sollte nur belohnt und beispielsweise ins Training einer Profimannschaft geholt werden, wenn es eine entsprechende Empfehlung des Jugendtrainers gegeben hat.

Haben die Profi-Trainer überhaupt genug Einblick in die Nachwuchsabteilung?
Seitz: Grundsätzlich erkenne ich schon, dass die Verantwortlichen in den Profiabteilungen genau wissen, über welche Qualitäten die eigenen Nachwuchsspieler verfügen. Entscheidend ist aber, dass diese Spieler auch die Chance bekommen, ihre Fähigkeiten im Training und durch Einsätze bei den Profis unter Beweis zu stellen. Diesen Beweis müssen im Übrigen auch die Talente erbringen, die von außen verpflichtet werden.

Müssen Spieler – wie zum Beispiel in Frankreich – nicht früher nach oben geschoben werden?
Seitz: Stopp! Diese Wortwahl allein gefällt mir nicht. Man muss Spieler nicht nach oben "schieben". Man muss Spieler dann in die Hände der Profiabteilung abgeben, wenn sie dafür bereit sind. Wenn sie auf alles, was oben kommt, vorbereitet sind. Wir reden immer noch von jungen Menschen, für die man die Verantwortung hat. Es gibt auch genügend, die nicht genug vorbereitet waren und die am Druck oben kaputt gegangen sind.

Für alle, die es nicht schaffen: Welche Verantwortung trägt der Verein bzw. werden die Spieler auf einen Plan B vorbereitet?
Seitz: Wir Nachwuchstrainer müssen uns immer bewusst sein, dass es ein Großteil eben nicht schafft. Das muss man, finde ich zumindest, so ehrlich auch den Spielern vermitteln. Genauso wie man ihnen mit auf den Weg geben muss: Wenn du es bis hierher geschafft hast, bist du schon mal ein Sieger. Wenn du es in ein Nachwuchsleistungszentum eines Bundesligisten geschafft hast, ist das doch schon mal etwas sehr Positives. Man lernt Teamwork, man lernt es, sich durchzubeißen. Man lernt es, gemeinsam für etwas einzustehen. Man sollte hier als fürs Leben gestärkte Persönlichkeit rausgehen.

Hier Lesen Sie

Teil 1: Bayerwäldler Lukas Mühl: Mit Bescheidenheit in die Bundesliga.

Teil 2: Training mit Neuer, Spiele gegen Schalding: Christian Früchtl, der Pendler zwischen den Welten.

Teil 3: Wenn der Ausstieg zum Aufstieg wird: Mario Enzesberger und die wirren Wege einer Karriere.

Teil 4: Im Bayerwald gereift, von Tuchel entdeckt – Stephan Hains ungewöhnlicher Weg in den Profifußball.

Teil 5: Das Kreuz mit dem Knie: Ex-Profi Martin Giermeier – mit 27 Jahren ist Schluss mit Fußball.












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Dokumenten Information
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Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Türkgücü München
23
51:20
54
2.
Schweinfurt
23
49:28
45
3.
Nürnberg II
23
51:27
43
4.
Bayreuth
23
48:27
41
5.
Aschaffenburg
23
45:29
38
6.
Eichstätt
23
41:23
37
7.
Greuther Fürth II
23
29:25
35
8.
Buchbach
23
29:31
34
9.
Aubstadt
22
37:34
33
10.
FC Augsburg II
23
38:34
29
11.
Burghausen
23
28:33
26
12.
Illertissen
23
33:48
25
13.
Rain/Lech
22
24:40
24
14.
Heimstetten
23
37:52
23
15.
SV Schalding
22
26:47
23
16.
1860 Rosenheim
23
29:56
21
17.
Memmingen
22
22:36
19
18.
Garching
21
23:50
16




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