Kurdische Fahne als Auslöser

Pfefferspray und Polizeieinsatz: Spiel zwischen Türkgücü und FC Bayern II nach zwei Minuten abgebrochen

19.11.2022 | Stand 20.11.2022, 19:25 Uhr

Die Partie zwischen Türkgücü München und FC Bayern II wurde bereits nach zwei Minuten abgebrochen. −Foto: Imago Images

Das Regionalliga-Spiel zwischen Türkgücü München und den Amateuren des FC Bayern München ist am Samstag nach einem Polizeieinsatz mit Verletzten kurz nach Anpfiff abgebrochen worden. Auslöser sei im Bereich der Bayernfans eine Fahne mit kurdischem Symbol gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Samstagnachmittag auf Anfrage. Daraufhin sei die Stimmung unter den Fans gekippt. Die Polizei forderte anschließend Verstärkung an.

Das Banner zeigte eine kurdische Flagge und den Schriftzug „FC Bayern Fanclub Kurdistan“ und war insofern für die türkisch geprägten Gastgeber eine Provokation. Kurdistan ist eine nicht-anerkannte autonome Region in der Türkei. Videos zeigen, dass die Polizei massiv von Schlagstock und Pfefferspray Gebrauch machte. Mehrere Personen sollen verletzt worden sein.

Die türkischen Fans seien aufgebracht gewesen, sagte der Münchner Polizeisprecher Werner Kraus. Unter Einsatz von Pfefferspray sei die Fahne abgenommen worden, um „die Provokation nicht länger aufrechtzuerhalten“. Zuvor hatte es bereits eine Unterbrechung mit Durchsage des Stadionsprechers gegeben.

Mehrere Menschen wurden dadurch verletzt. Wie viele, war zunächst unklar. Sie wurden vor Ort ambulant versorgt. Wie mehrere Medien berichten, hat auch ein Kind Tränengas in die Augen bekommen. Über die Stadion-Lautsprecher war es auf der Suche nach seinem Vater.

Laut Stellungnahme des FC Bayern waren gerade einmal zwei Minuten gespielt, bevor der Schiedsrichter das Spiel zunächst unter- und dann abbrach. Twitter-Nutzer warfen der Polizei übermäßige Härte vor.

Grund für den Spielabbruch war, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet war, wie der Bayerische Fußball-Verband mitteilte. „Dass es zum Spielabbruch gekommen ist, kann beileibe nicht im Sinne des Fußballs sein – jede Form von Gewalt hat auf unseren Plätzen nichts zu suchen“, erklärte der Verband. Ob es sich bei dem kurdischen Symbol um ein Emblem der verbotenen PKK handelte, war zunächst noch unklar.

In der türkischen Millionen-Metropole Istanbul waren am vergangenen Sonntag sechs Menschen bei einem Anschlag ums Leben gekommen, mehr als 80 wurden verletzt. Die türkische Regierung gab der PKK, der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans, und der Kurdenmiliz YPG die Schuld. Diese weisen die Verantwortung zurück.

− sid/dpa