Regionalligist in der Krise

„Froh, wenn er den Ball nicht bekommt“: Wackers Probleme – und jetzt droht der Abstiegskampf

17.11.2022 | Stand 18.11.2022, 13:43 Uhr

Zuletzt gab es nach den Spielen immer wieder hängende Köpfe beim SV Wacker: Sechs der letzten sieben Partien gingen verloren, die Abstiegszone ist plötzlich nur noch sechs Punkte entfernt. −Foto: Zucker

Von Alexander Nöbauer

Mit dem Saisonziel wollte der neue Coach Hannes Sigurdsson vor dem Start in die neue Spielzeit nicht so recht rausrücken.

Nachdem dieser jedoch geglückt war, wurde doch bald klar: Wacker Burghausen möchte in der Regionalliga Bayern vorne mitmischen. Das hat die Truppe des Isländers zunächst auch gut hinbekommen – und doch findet man sich gegen Ende des Fußball-Jahres viel näher an der Abstiegsregion als bei den Aufstiegsplätzen wieder, denn: Sechs der jüngsten sieben Spiele gingen verloren. „Es wäre naiv zu sagen, wir sind Siebter und haben mit dem Abstieg nichts zu tun“, warnt Kapitän Christoph Schulz angesichts von nurmehr sechs Punkten Vorsprung auf den ersten Relegationsplatz. Wacker hat, wie bereits in der vergangenen Saison, den Herbstblues.

Alles hätte so gut ausgesehen bis in den Oktober hinein: Nach 14 Spieltagen ist Wacker auf fünf Punkte am Tabellenführer Würzburg dran, liegt auf Rang 3. Mit der Partie der 15. Runde könnten es zwei Zähler werden, schließlich ist Burghausen in Unterfranken gefragt. „Ich glaube, das war der Knackpunkt“, meint der zurzeit verletzte Spielführer. „Zur Halbzeit waren wir 1:0 vorne, geben das Spiel doch noch aus der Hand und verlieren 1:3.“ Aus jenen fünf Punkten sind – sieben Begegnungen später – satte 21 Zähler Rückstand auf Platz 1 geworden.

Grund, die Flinte ins Korn zu werfen? Nicht für Wacker-Coach Sigurdsson! „Wir haben noch 17 Spiele, wir müssen nach vorne schauen. Und wir müssen nach oben schauen, denn da gehören wir hin!“ Wenn man nach unten schaue, würde man nur mit Angst auftreten. „Doch das hemmt die Spieler.“ Sein verletzter Kapitän geht da nicht ganz mit: „Natürlich müssen wir nach unten schauen. Wenn man jetzt vor der Winterpause noch mehr Spiele verliert, steckt man vielleicht schon mitten drin im Abstiegskampf.“ Und das, wo man sich in den ersten Wochen der Spielzeit immer wieder fragte, ob es Wacker in diesem Jahr packen kann.

Doch woran liegt es? Sigurdsson und Schulz machen einen Hauptgrund aus: die Verletztenmisere. Zuletzt haben über mehrere Partien hinweg zwölf der 22 Spieler gefehlt. Immer wieder wurde der Kader mit A-Jugendlichen aufgefüllt. „Keine Frage, ich vertraue ihnen“, stellt der Trainer unumwunden klar. Aber: Man dürfe vom Fußballerischen her nicht sofort das Gleiche erwarten, wie wenn die erfahrenen Kräfte auf dem Platz stehen. „Die Jüngeren müssen eigentlich reinkommen, ohne den großen Druck zu verspüren. Das kann man als Trainer über die Spielzeit steuern. Nur das ist momentan nicht möglich.“ Was der Ex-Profi jedoch auch von den Jüngeren erwartet ist die richtige Einstellung und Mentalität. Diese beiden Faktoren müssen definitiv stimmen. Jedoch kommt noch ein dritter ins Spiel: das Selbstvertrauen. Und jenes sei es, das dem einen oder anderen Kicker gerade fehle, meint Christoph Schulz – egal ob jung oder alt. „Einstudierte Mechanismen, die früher gut geklappt haben, laufen jetzt schief oder werden gleich gar nicht mehr ausprobiert. Teilweise kommt es einem so vor, wie wenn mancher Spieler froh wäre, wenn er nicht den Ball bekommt.“


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