Landesliga Mitte

Erstes Derby nach 2454 Tagen: „Krasser Außenseiter“ Deggendorf fordert Stadtrivalen Seebach

20.07.2022 | Stand 20.07.2022, 8:14 Uhr

Antreiber: Seebach Mittelfeldmann Alexander Heindl und Deggendorfs Stürmer Roman Artemuk. −Fotos: Tschannerl/Escher/Montage: Augustin

Von Alexander Augustin

Aufstiegs-Mitfavorit gegen Neuling. Große Ambition gegen großer Name. Deggendorfs Stadtrand gegen Deggendorfs Zentrum. Am Mittwochabend (18.30 Uhr) kommt es zum ersten Pflichtspiel-Derby zwischen dem TSV Seebach und der Spvgg GW Deggendorf seit sieben Jahren. Die Heimatzeitung macht den großen Check vor dem Aufeinandertreffen auf der Seebacher Waldsportanlage.

Die Ausgangsposition

Man gehe als „krasser Außenseiter“ ins Derby, sagte Deggendorfer Sportkoordinator Andreas Schäfer nach dem 1:1 zum Saisonstart gegen Bogen. Seebach habe ein „Top-Mannschaft“ und mit Manfred Stern einen „Top-Trainer“. Zusammen mit Fortuna Regensburg und Ettmannsdorf zählt Schäfer den Stadtrivalen zu den Favoriten auf den Aufstieg. „Trotzdem versuchen wir natürlich, mit unseren Mitteln etwas zu holen“, sagt Schäfer.

„Das würde ich nicht unterschreiben, dass wir klarer Favorit sind“, widerspricht Seebachs Teammanager Manuel Ebner. „Gegen Bogen hat die Spvgg schon gezeigt, dass sie gute Spieler hat und auch mannschaftlich geschlossen auftritt. Trotzdem wollen wir natürlich unser Spiel aufziehen: variabel und spielbestimmend.“ Das gelang beim 1:0 zum Start in Bad Kötzting schon.

Die Unterschiede

Bei der Spvgg ist die eigene Jugend Trumpf. An der Trat wird enormer Aufwand betrieben, um das Aushängeschild des Vereins so professionell wie möglich aufzustellen. Das kostet Geld und vor allem Personal – Trainer, Betreuer, auch bei Jugendspielen braucht der Verein viele Helfer. „Es hängt ein riesiger Apparat dran“, sagt Sportkoordinator Schäfer. „Diese Manpower kann Seebach in den Herrenbereich investieren. Und das machen sie sehr gut, das muss man anerkennen.“ Beim TSV setzt man in der Jugend auf die JFG Ohetal Kickers.

Die Gemeinsamkeiten

„Die Stadt und der Landkreis“, sagt Seebach-Teammanager Ebner schmunzelnd auf die Frage nach dem Verbindenden. „Man kann die beiden Vereine wirklich schwer bis gar nicht vergleichen“, findet auch Schäfer. Vereint sind die beiden Klubs vor allem in der Wertschätzung füreinander.

Das Personal

In beiden Lagern entspannt sich die Lage langsam: Beim TSV kommt Zugang Elias Höng nach einer Sperre vom Ende der vergangenen Saison wohl zum Debüt. Auch die zuletzt angeschlagenen Waldemar Wagner und Dominik Hauner stehen wieder im Kader. Sandro Nickl (Knie) und Simon Griesbeck (Syndesmoseband) fehlen noch länger.

In Deggendorf kehrt Trainer Thomas Seidl nach Corona-Infektion auf die Bank zurück. Julius Reiner (Schulter), Lukas Baumgartner (Syndesmoseband), Nick Hof (Knie) und Tim Kraus (Trainingsrückstand) müssen weiter passen. Zudem weilt Lucas Donaubauer im Urlaub. Dafür werden Sebastian Kett und Elias Zach wohl wieder zu Optionen.

Die Historie

Das letzte Aufeinandertreffen in einem Ligaspiel datiert vom 31. Oktober 2015, genau 2454 Tage ist das her. Damals gewann der TSV in der Bezirksliga Ost nach einem 5:1 im Hinspiel auch das zweite Aufeinandertreffen – mit 3:0. Es trafen Matthias Lallinger, Lukas Jartschik und Thomas Lösl. Am Ende der Saison stieg Seebach in die Landesliga auf, Deggendorf wurde Elfter und stieg ein Jahr später in die Kreisliga ab. Während der TSV nach zwischenzeitlichem Wiederabstieg in die Bezirksliga bereits ins vierte Landesliga-Jahr am Stück geht, kehrte die Spvgg erst 2019 wieder in die Bezirksliga zurück – und feierte nach zwei Spielzeiten dort im Sommer die Rückkehr auf die große bayerische Fußballbühne.