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11.03.2019  |  06:00 Uhr

Türkgücü München und der Traum vom Profifußball: Mit aller Kraft nach oben

von Alexander Augustin

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Eigentlich zu gut für die Bayernliga: Der Kader von Türkgücü-Ataspor ist gespickt mit ehemaligen Drittliga-Spielern. Hier Stephan Thee (l.) und Christoph Rech. −Foto: Augustin

Eigentlich zu gut für die Bayernliga: Der Kader von Türkgücü-Ataspor ist gespickt mit ehemaligen Drittliga-Spielern. Hier Stephan Thee (l.) und Christoph Rech. −Foto: Augustin

Eigentlich zu gut für die Bayernliga: Der Kader von Türkgücü-Ataspor ist gespickt mit ehemaligen Drittliga-Spielern. Hier Stephan Thee (l.) und Christoph Rech. −Foto: Augustin


2016 spielt der SV Türkgücü-Ataspor München gegen den Abstieg in die Bezirksliga. Dann übernimmt Geschäftsmann Hasan Kivran den Verein. Sein Ziel: 2. Liga. Im Sommer wird der Klub wohl in die Regionalliga aufsteigen. Der Weg dürfte dann noch nicht zu Ende sein – weil hinter den Visionen ein Plan und Geld stecken.

In den Sprechchören der 30 mitgereisten Fans liegt mehr als nur die Sehnsucht nach Profifußball. "Türkgücü! Türkgücü!" – "türkische Kraft, türkische Kraft!" Es ist Stolz. Auf die Heimat, und sei es nur die sportliche. Sie folgen ihrem Verein wieder überall hin. Wenn es sein muss, sogar in die oberpfälzische Provinz.

Samstagnachmittag, Bayernliga-Jahresauftakt: Der SV Türkgücü-Ataspor München, souveräner Tabellenführer, gastiert in Vilzing, einem 500-Einwohner-Dorf am Stadtrand von Cham. Kunstrasen. Waldrand. Keine Tribünen. Nieselregen. 300 Zuschauer. Fünfte Liga. So ziemlich das Gegenteil von alldem, was sich Hasan Kivran (53) für Türkgücü vorstellt: Glanz, Aufmerksamkeit, Profifußball. Doch der Weg dahin könnte kürzer sein, als er scheint.

Ambitionierter Präsident: Hasan Kivran. −Foto: Verein

Ambitionierter Präsident: Hasan Kivran. −Foto: Verein

Ambitionierter Präsident: Hasan Kivran. −Foto: Verein


Als Kivran, Geschäftsführer einer Leasing-Firma, 2016 Präsident des Vereins wird, steht dieser vor dem Absturz in die Bezirksliga. Türkgücü hat kein Geld, keine Struktur. Kivran will das ändern. Die Münchner halten die Klasse, Kivran investiert. Der Verein holt in der Sommerpause 25 neue Spieler, dazu mit Andreas Pummer den Trainer vom damaligen Bayernliga-Meister FC Unterföhring. Plötzlich heißt das Ziel: Regionalliga, spätestens 2020.

Sie sind dem Plan voraus. Türkgücü wird, sollte nichts Außergewöhnliches passieren, im Sommer in die höchste Amateurklasse aufsteigen. Zehn Punkte Vorsprung hat der Klub auf den Zweiten Pullach – zwölf Spieltage vor Schluss. Doch Kivran sagt auch: "Ich bin kein Verwalter, eher ein Entwickler." Heißt: Die Regionalliga soll nur eine Zwischenstation sein. Dafür investiert er kräftig. Dem Vernehmen nach eine hohe sechsstellige Summe seit seinem Einstieg. Doch nur mit Geld lässt sich der Erfolg des einstigen Migrantenvereins nicht erklären.

Anruf bei dem Mann, der aus dem Geld Erfolg machen soll: Robert Hettich (43). Bis Sommer war er Mann für alles bei Wacker Burghausen – Scouting, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit. Vorher Pressesprecher bei 1860 München. Seit fünf Monaten bastelt Hettich am Regionalliga-Kader von Türkgücü. Im Herbst habe er Präsident Kivran kennen gelernt, sich öfter mit ihm getroffen, sagt er. "Und er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, den Verein bei den Planungen für die kommende Saison zu unterstützen."

Der Kader ist gespickt mit Ex-Drittliga-Spielern

Am Personal werde sich nicht viel ändern, sagt Hettich. Das ist auch nicht notwendig. Immerhin besteht der Kader zu einem guten Teil aus Spielern, die Regionalliga spielen können. Mindestens. Fabio Leutenecker etwa hat 174 Spiele in der 3. Liga gemacht, Stephan Thee 134, Pablo Pigl 54. Leistung ist wichtiger als Herkunft, das war bei Türkgücü nicht immer so. "Wir sind da ganz weltoffen", sagt Hettich. Sie wollen das Image vom "Türkenverein" ablegen.

So wird die prominenteste Verpflichtung ab Sommer auf der Bank sitzen: Reiner Maurer (59). Der Ex-Löwen-Trainer übernimmt – im Aufstiegsfall. "Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Zeit bei 1860", erzählt Hettich. "Reiner Maurer war nicht nur Trainer im Profi-, sondern auch im Amateurbereich und bringt viel Erfahrung aus dem Ausland mit. Daher passt er perfekt zu uns."

Andreas Pummer, der mutmaßliche Regionalliga-Aufstiegstrainer, wird Maurers Assistent. Für den 36-Jährigen kein Problem: "Das ist eine Position, die ich schon öfter bekleidet habe. Ich kenne die Rolle." Pummer hat nur die B-Lizenz, dürfte also gar nicht in der Regionalliga trainieren. Er spricht von einer Win-Win-Situation: "Ich kann meine Lizenzen nachholen, mich voll darauf konzentrieren – und gleichzeitig mit Reiner Maurer, einem sehr erfahrenen Trainer, zusammenarbeiten." Er und Maurer hätten sich auch schon mehrmals getroffen, gute Gespräche geführt. "Ich freue mich darauf", sagt Pummer. Torwarttrainer bleibt Sechzig-Legende Michael Hofmann (46), der auch noch als Spieler gemeldet ist.

Erfolgstrio: Torwarttrainer Michael Hofmann (v.l.), Chefcoach Andreas Pummer und Co-Trainer Alper Kayabunar. −Foto: Augustin

Erfolgstrio: Torwarttrainer Michael Hofmann (v.l.), Chefcoach Andreas Pummer und Co-Trainer Alper Kayabunar. −Foto: Augustin

Erfolgstrio: Torwarttrainer Michael Hofmann (v.l.), Chefcoach Andreas Pummer und Co-Trainer Alper Kayabunar. −Foto: Augustin


Der Klub wird in der Regionalliga auf semiprofessionelle Strukturen umstellen. Derzeit trainiert die Mannschaft dreimal die Woche, unter Maurer wird es bisweilen zwei Einheiten pro Tag geben. Und wie wird das finanziert? Dem Vernehmen nach soll im Aufstiegsfall ein Großsponsor aus der Türkei bereit stehen. Nach PNP-Informationen handelt es sich um eine Fluggesellschaft. Vom Verein: kein Kommentar.

Spagat: Kivrans Visionen und die sportliche Realität

Zuletzt hat Hasan Kivran von der 2. Liga gesprochen. Es ist ein Spagat: Auf der einen Seite seine Träume, auf der anderen die tägliche Arbeit von Hettich, Pummer und bald Maurer. "Unser Präsident hat zurecht Visionen", sagt Kaderplaner Hettich, "aber wir müssen erstmal unsere Hausaufgaben in der Bayernliga erledigen." Auch Pummer will sich nicht beeinflussen lassen: "Ich weiß, was Herr Kivran meint. Aber er weiß auch, dass ich mir aktuell nur über das nächsten Spiel Gedanken mache."

Dabei sind Kivrans Träume nachvollziehbar. Mit sechs Jahren zieht er mit seiner Familie nach München. Kivran spielt in der Jugend für den Verein, der damals noch SV Türk Gücü heißt. Er schafft den Sprung in die erste Mannschaft, die Bayernliga spielt. Dritthöchste Liga. Zu den Derbys gegen 1860 München kommen 12000 Zuschauer ins Grünwalder Stadion. Große Zeiten, längst vergangene Zeiten.

Heute spielt Türkgücü-Ataspor bei Heimspielen vor nicht einmal 300 Zuschauern. Und nicht einmal Zuhause. Weil die Bezirkssportanlage an der Heinrich-Wieland-Straße nicht Bayernliga-tauglich ist, hat sich der Verein im Sportpark Heimstetten eingemietet. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Zuschauer. "Wir sind ein Traditionsverein aus der Stadt, haben Fans in der Stadt. Diese müssen zurzeit nach Heimstetten rausfahren, was einen höheren Aufwand bedeutet, zumal es in Heimstetten ja keinen U- und S-Bahn-Anschluss gibt", sagt Hettich. 2020 soll die Zeit der Diaspora vorbei sein. Türkgücü darf ins Grünwalder Stadion, in die Stadt, ziehen, zumindest für die Rückrunde der nächsten Saison. "Ein guter Kompromiss", sagt Hettich. Ob das Grünwalder eine Dauerlösung sein kann, hängt auch davon ab, in welchen Ligen 1860 München (derzeit 3. Liga) und der FC Bayern II (derzeit Regionalliga) dann spielen. Zuletzt hat Präsident Kivran vom Bau eines eigenen Stadions gesprochen. Auch ein Umzug nach Garching sei möglich, sagt Hettich. Hauptsache eine langfristige Perspektive.

Zumindest sportlich gibt es diese. Präsident Kivran will sich in seinen Visionen nicht begrenzen lassen. Sein Motto: "Think big". Bald soll die 1. Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden. Auf dem Platz, wo ja bekanntlich die Wahrheit liegt, heißt die Realität: Fußballprovinz wie Vilzing. 1:3 verliert der Favorit. Die "Türkgücü!"-Rufe verstummen – vorerst. Bald werden sie durch richtige Stadien schallen. Burghausen, Augsburg, Schweinfurt. In der Regionalliga, so hört man, zittern sie schon vor der türkischen Kraft aus München.












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Letzte Änderung am






Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Türkgücü Ataspor München
23
41:17
51
2.
SV Pullach
24
42:35
44
3.
Jahn Regensburg II
24
54:38
39
4.
TSV Kottern
24
38:34
39
5.
DJK Vilzing
25
39:31
37
6.
TSV Dachau
22
38:33
37
7.
TSV Rain
23
44:35
36
8.
TSV 1860 München II
25
49:40
35
9.
SV Kirchanschöring
23
38:30
35
10.
TSV Schwabmünchen
22
47:38
32
11.
TSV Nördlingen
24
42:50
31
12.
1. FC Sonthofen
23
41:47
29
13.
Spvgg Hankofen-Hailing
23
34:41
27
14.
TSV Schwaben Augsburg
24
25:35
27
15.
FC Ismaning
23
33:40
24
16.
FC Unterföhring
23
23:37
21
17.
TuS Holzkirchen
23
26:73
6




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