2. Bundesliga

Nürnberger Euphorie verflogen: „Gescheitert“ an der Erwartungshaltung

15.08.2022 | Stand 15.08.2022, 12:38 Uhr

Am Freitagabend gab es Buhrufe und Pfiffe der 27 155 Zuschauer für die Nürnberger Fußball-Profis. −Foto: dpa

Die Anfangs-Euphorie beim 1. FC Nürnberg ist schon wieder dahin.

Beim ernüchternden 0:3 gegen einen fußballerisch dominanten 1. FC Heidenheim wendeten die anfangs laut anfeuernden Fans im Max-Morlock-Stadion schon lange vor dem Schlusspfiff den nur drei Wochen zuvor frenetisch gefeierten Derby-Siegern den Rücken zu.

Am Freitagabend gab es Buhrufe und Pfiffe der 27 155 Zuschauer für die Nürnberger Fußball-Profis. Vier Punkte nach vier Spieltagen passen nicht zu den hohen Erwartungen an diese Zweitliga-Saison.

„Das ist schon ein Nackenschlag für uns“, stöhnte Torwart Christian Mathenia. „Vier Punkte nach vier Spielen ist nicht der Start, den man sich wünscht, wenn man in die Top 6 will“, sagte Lino Tempelmann.

Trainer Robert Klauß rätselte über die Gründe für den kollektiven Leistungsabfall seiner Mannschaft. 90 Minuten funktionierte so gut wie nichts. Klauß äußerte Gesprächsbedarf. Er tippte auf eine mentale Blockade. „Ich glaube, dass wir an unserer eigenen Erwartungshaltung gescheitert sind. Wir wollten alle ein geiles Fußballspiel erleben, inklusive Publikum. Wir wollten ein Fußballfest wie gegen Fürth“, sprach Klauß. Das Vorhaben ging komplett schief. „Wir hatten zu große Erwartungen und konnten diese nicht erfüllen“, resümierte Klauß.

Die Offensive kam nie in Schwung, das Mittelfeld bekam nie Zugriff auf den Gegner - und in der nach Verletzungen umgebauten Abwehrkette fehlte jegliche Stabilität. Heidenheim spielte groß auf und erzielte durch Denis Thomalla (44. Minute), Adrian Beck (49.) und Jan-Niklas Beste (80.) auch noch zu guten Zeitpunkten die Tore. „Drei Gegentore sind einfach zu viel. In der 2. Liga musst du sehen, dass hinten die Null steht“, sagte Tempelmann: „Defensiv haben wir kein Bein auf den Boden gekriegt. Über die Offensive brauchen wir gar nicht zu reden.“

Der krasse Stimmungsumschwung im Stadion vom 2:0-Hoch gegen Fürth zum Tiefpunkt-Abend gegen Heidenheim passt zum „Club“. Für die neuen Spieler sei das ein Lernprozess, bemerkte Mathenia. Der Torwart sagte aber auch: „Die Fans dürfen ihrem Unmut freien Lauf lassen.“

Klauß und sein Team stehen nun schon früh in der Saison unter einem erheblichen Erfolgsdruck. Am Samstag geht„s nach Sandhausen, eine Woche später kommt der Hamburger SV. „Wir haben jetzt die Pflicht, nächste Woche ein richtig gutes Spiel zu machen und zu punkten“, verkündete Klauß. Schon wieder ist die Erwartungshaltung hoch.

− dpa