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Wer bitte ist Tiraspol? | 15.09.2021 | 06:00 Uhr

Bei diesem Klub ist fast nichts normal: Ein schräger Sheriff für die Champions League

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Die Fans des FC Sheriff Tiraspol dürfen sich über Spiele gegen Real Madrid und Inter Miland freuen. −Foto: afp

Die Fans des FC Sheriff Tiraspol dürfen sich über Spiele gegen Real Madrid und Inter Miland freuen. −Foto: afp

Die Fans des FC Sheriff Tiraspol dürfen sich über Spiele gegen Real Madrid und Inter Miland freuen. −Foto: afp


Alles ist so normal, wie es eben ist, wenn sich eine Mannschaft zum ersten Mal für die Champions League qualifiziert hat: Die Gefühle spielen verrückt. "Zunächst hat keiner bei uns irgendetwas verstanden", erinnert sich Jurij Wernydub. Mittlerweile jedoch haben der Trainer des FC Sheriff Tiraspol und all die anderen es begriffen: Ja, wir spielen Champions League! "Die Sterne müssen günstig gestanden haben", sagt Wernydub.

Am Mittwochabend (18.45 Uhr/DAZN) pfeift der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin die historische Saison des FC Sheriff an, Gegner in Tiraspol ist Schachtjor Donezk. Es folgen Duelle mit den Branchengrößen Real Madrid und Inter Mailand, deren Kader das Zigfache wert sind als der auf 12 Millionen Euro taxierte des FC Sheriff. "Aber wir müssen keine Angst haben", behauptet Trainer Wernydub (55), denn: "Geld spielt nicht Fußball."

Klingt also ziemlich normal – tatsächlich aber ist beim FC Sheriff so gut wie nichts normal. Das geht schon damit los, dass Tiraspol in Transnistrien liegt, einem nur 4100 Quadratkilometer großen Landstrich im Osten von Moldau an der Grenze zur Ukraine. Die Region hat sich 1990 für unabhängig erklärt, sie ist de facto ein eigener Staat mit eigener Verwaltung und Währung – obwohl kein Land sie als solchen anerkennt. Knapp 500.000 Menschen leben dort.

Tatsächlich ist Transnistrien auch eher eine Firma. Eine Firma namens Sheriff, die, der Name lässt es vermuten, im Juni 1993 von ehemaligen Polizisten aus der Sowjetunion als Sicherheitsfirma gegründet wurde. Daraus ist ein Großkonzern entstanden, der in Transnistrien 60 Prozent des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet: Sheriff gehören eine Wohnungsbaugesellschaft, eine Supermarktkette, ein TV-Sender, Banken, Casinos und vieles mehr.

Damit nicht genug: Die Partei "Erneuerung" verfügt über 29 der 33 Sitze im transnistrischen Parlament – sie ist genau genommen der politische Arm von Sheriff. Präsident von Transnistrien ist seit 2016 der frühere Armee-Oberst Wadim Krasnoselski, zuvor Sicherheitschef von: Sheriff. Und schließlich: Einer der zwei Gründer von Sheriff ist Viktor Guschan, wenig überraschend Präsident und Gönner des firmeneigenen Fußball-Klubs.

Der FC Sheriff ist auch so ziemlich das Einzige, das Transnistrien noch mit Moldau verbindet. Der Klub, 1996 gegründet, seit 1998 erstklassig, ist in der ersten Liga von Moldau mittlerweile 19 Mal Meister geworden. Nur der FC Dacia Chisinau (2011) und der FC Milsami aus der Stadt Orhei (2015) kamen den "Wespen", wie die Spieler des FC Sheriff wegen der Vereinsfarben Gelb und Schwarz genannt werden, überraschend dazwischen.

Der Klub aus Tiraspol aber ist vergleichsweise gut ausgestattet. Er besitzt ein modernes Trainingsgelände und ein schickes, 200 Millionen Dollar teures Stadion mit immerhin 13.000 Plätzen, und der Kader ist international. Gegen FC Petrocub spielten am Sonntag ein Cristiano, ein Addo oder ein Traore – aber keiner der vier Spieler im Kader mit moldauischem Pass. "Es ist nicht einfach, aber der Fußball vereint uns", sagt Wernydub – ein Ukrainer.

Der Fußball mag die Spieler beim FC Sheriff vereinen, Wernydub, der die Probleme mit abtrünnigen Regionen nur zu gut aus seiner Heimat kennt, glaubt jedoch auch, dass seine Mannschaft und ihre Spiele in der Champions League "Moldau und Transnistrien vereinen". Nun ja. Die Spieler wie der spanische Verteidiger Gustavo Dulante wollen von Spannungen eh nichts wissen: "Der einzige Unterschied ist: Wir haben den Rubel, sie nutzen den Lei." − sid












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