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15.09.2020 | 18:00 Uhr

Adieu, Geisterspiele: Bundesländer einigen sich auf Probephase mit Zuschauern

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Finaler Jubel vor dem Shutdown: Fans beim Bundesligaspiel am 8. März zwischen Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf. −Foto: dpa

Finaler Jubel vor dem Shutdown: Fans beim Bundesligaspiel am 8. März zwischen Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf. −Foto: dpa

Finaler Jubel vor dem Shutdown: Fans beim Bundesligaspiel am 8. März zwischen Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf. −Foto: dpa


Die Zeit der Geisterspiele ist in allen Stadien der Fußball-Bundesliga nach sechs trostlosen Monaten vorbei – aber ausdrücklich auf Bewährung. Bundesweit einheitlich dürfen für eine sechswöchige Testphase bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern nun 20 Prozent der Plätze besetzt werden.

Das beschlossen die Vertreter der Bundesländer in einer Videokonferenz am Dienstag. Auch die Hallen-Sportarten wie Handball, Basketball und Eishockey atmen angesichts überlebensnotwendiger Lockerungen auf. "Sportveranstaltungen leben von der Unterstützung der Fans, von der Atmosphäre mit Publikum _ das gilt sowohl für Bundesligaspiele als auch für den Amateur- und Breitensport", sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und fügte an: "Mit sicheren Infektionsschutzkonzepten und Grenzen bei der Kapazität können die Vereine ihre Sportstätten jetzt endlich wieder mit Leben füllen. Dabei gilt: Hygienekonzepte, Schutzmaßnahmen und ein umsichtiges Vorgehen haben Priorität."

Das aktuelle Pandemie-Geschehen wird dabei berücksichtigt. So werden keine Zuschauer zu Veranstaltungen zugelassen, wenn die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am Austragungsort größer oder gleich 35 und das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar ist. Daher droht der Saisonstart am Freitag (20.30 Uhr/ZDF und DAZN) zwischen Titelverteidiger Bayern München und Schalke 04 vor leeren Rängen stattzufinden. Die 7-Tage-Inzidenz für München liegt aktuell bei 40,09.

Die Freude war dennoch groß. "Ich bin so glücklich und dankbar. Dass sich alle Bundesländer geeinigt haben, ist ein gutes Zeichen. Mit 20 Prozent kann man es mal angehen, um Erkenntnisse zu gewinnen", sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Jetzt sei die Zeit gekommen, um "mit Corona zu leben". Ähnliche Töne kamen aus der Liga. "Ich möchte mich bei allen aus der Politik bedanken, die in den vergangenen Wochen an der heutigen Entscheidung mitgewirkt haben", sagte Hans-Joachim Watzke. Gleichzeitig betonte der Geschäftsführer von Vizemeister Borussia Dortmund "die große Verpflichtung, dass wir als Klubs gemeinsam mit den beteiligten Fans mit dieser Probezeit in den kommenden Wochen äußerst verantwortungsvoll umgehen". Für das Heimspiel gegen Gladbach am Samstagabend plant der BVB mit 10.000 Zuschauern.

Das Abstandsgebot von 1,5 Metern muss dabei eingehalten werden, in den Stadien herrscht Alkoholverbot, Gästefans sind nicht erlaubt, die Tickets sind personalisiert. Zudem ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung bis zum Erreichen des Sitz- oder Stehplatzes Pflicht. Dabei tanzen die Vereine und Politiker allerdings auf dem Drahtseil. Am DFB-Pokal-Wochenende lösten Bilder dicht gedrängter Fans in Magdeburg (5000), Rostock (7500) oder Dresden (10.053) Unbehagen aus. In der Corona-Pandemie will der Fußball kein Negativbeispiel abgeben - und er will schon gar nicht den Eindruck vermitteln, alles sei ausgestanden.

Auch Manuela Schwesig bekam bei Twitter den Unmut zu spüren. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern hatte ihre Freude über die "gute Stimmung" im Rostocker Ostseestadion und den "großen Schritt in Corona-Zeiten" kundgetan. Die Rostocker Polizei jedoch betonte auf SID-Anfrage, vor allem im Bereich der Südtribüne sei die Abstandsregel zum Teil missachtet worden. Zudem gilt das Singen als sehr gefährlich.

Dennoch sagte Watzke mit Blick auf den Ligastart gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag (18.30 Uhr/Sky), er würde sich als Fan "den Abend definitiv freihalten". Das war deutlich, auch wenn Watzke noch Bedenken äußerte, was eine schnelle Umsetzung der Entscheidung angeht. Die Karten müssen verteilt oder verlost, Fans informiert, Konzepte umgesetzt, Ordnungsdienste instruiert werden. Das gilt auch für die Hallen-Sportarten, die angesichts ihrer Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen weit mehr zu leiden hatten als der Fußball. "Für uns ist es ein großer Schritt nach vorne. Zwar hätten wir uns etwas mehr als die 20 Prozent gewünscht, aber wir wollen da nicht kleinkrämerisch sein. Wir hoffen nun darauf, dass wir die Auslastung ab Ende Oktober noch weiter steigern können. 20 Prozent reichen für uns auf Dauer nicht aus, um profitabel zu wirtschaften", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (Saisonstart am 1. Oktober), dem SID.

Stefan Holz war zunächst ebenfalls zufrieden. "Ich begrüße das. Eine bundeseinheitliche Lösung ist eine wichtige Botschaft und ein Vertrauensvorschuss. Das ist ein erster positiver Schritt zur Rückkehr der Fans. Ich freue mich, dass diese Entscheidung so rasch gefallen ist und nicht wie zunächst angekündigt erst Ende Oktober", sagte der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, die am 6. November wieder spielen wird, dem SID. − sid












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