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Ex-Profi ist Sportdirektor in Luxemburg | 10.08.2020 | 06:00 Uhr

Niederbayer Breu im Interview: Über Trainer, Talente und die große Bedeutung von Futsal

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In seiner Position als Sportdirektor ist Reinhold Breu in Luxemburg zugleich als Nachwuchs-Nationaltrainer tätig. −Foto: imagoimages

In seiner Position als Sportdirektor ist Reinhold Breu in Luxemburg zugleich als Nachwuchs-Nationaltrainer tätig. −Foto: imagoimages

In seiner Position als Sportdirektor ist Reinhold Breu in Luxemburg zugleich als Nachwuchs-Nationaltrainer tätig. −Foto: imagoimages


2011 übernahm Reinhold Breu (49) aus Edenstetten (Landkreis Deggendorf) in Luxemburg das Amt des Sportdirektors – und leistete beim Fußballzwerg quasi Entwicklungshilfe. Mit Erfolg. Im Interview spricht der Ex-Profi über seine Erlebnisse, Besonderheiten in der Talentförderung und die große Bedeutung von Futsal.

Herr Breu, wie wird man denn Sportdirektor in Luxemburg?
Reinhold Breu:
Es war tatsächlich ein klassisches Bewerbungsverfahren. Die Stelle war ausgeschrieben, ich hatte dann insgesamt sechs Vorstellungsgespräche – und es hat geklappt.

Nach zehn Jahren ziehen Sie nun einen Schlussstrich. Warum?
Breu: Ich habe Lust auf etwas Neues. Von den 55 Sportdirektoren, die es in Europa gibt, bin ich von der Amtszeit her schon jetzt in den Top 3. Nach zehn Jahren ist es Zeit für einen Schnitt. Ich bin nicht der Typ, der sagt, so, jetzt verwalte ich ein bisschen. Ich will eine neue Herausforderung – und bin nach allen Seiten offen.

Wie groß war denn die Herausforderung, einen Fußballzwerg wie Luxemburg voranzubringen?
Breu: Sehr groß, weil die Voraussetzungen im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern nicht optimal sind. Man muss wissen: Luxemburg ist flächenmäßig viermal kleiner als Niederbayern und hat halb so viele Einwohner (626000, Anm. d. Red.). Wir haben pro Jahrgang rund 65 Talente, aus denen wir etwas machen können. Als ich anfing, waren wir auf Rang 140 der Weltrangliste. Und in der A-Nationalmannschaft gab es genau drei Profis. Der Rest waren alles reine Amateure.

Und jetzt?
Breu: In der Weltrangliste sind wir unter den Top 100, waren zwischendurch sogar auf Rang 85. Mittlerweile besteht die Nationalmannschaft nur mehr aus Profis. Und die Talente aus unserer Akademie spielen bei Gladbach, Bayern, Lyon, Bern oder Mainz und nicht mehr wie vor zehn Jahren bei Trier und Saarbrücken. Man sieht: Es ist viel passiert, aber es war auch ein hartes Stück Arbeit.

Was war denn Ihr Auftrag von Verbandsseite?
Breu: Die Order des Präsidenten war: Der einzelne Luxemburger muss fußballerisch besser werden. Das Motto: Die individuelle Qualität bringt den Mannschaftserfolg. Dabei ist der Trainer der entscheidende Schlüssel. Meiner Meinung nach entscheidet sich Erfolg immer am Trainer, nie an den Spielern. Vor allem im Nachwuchsbereich.

Wie läuft denn die Talentausbildung in Luxemburg ab?
Breu: Die Talente werden ab der U8, U9 gesichtet. Dann gibt es eine Art Stützpunkttraining. Ab der U12 kommen die Jungs dann zu uns in die Fußballschule, die zentral beim Verband angesiedelt ist. Der Vorteil sind natürlich die kurzen Wege in Luxemburg. Wir haben 14 Kleinbusse im Einsatz, holen die Kinder von der Schule ab, dann gibt es Mittagessen, eine Hausaufgabenbetreuung – und nachmittags wird trainiert. Jeden Dienstag oder Mittwoch fahren wir mit unseren U-Nationalmannschaften nach Mainz, Dortmund, Kaiserslautern, Metz und spielen internationale Freundschaftsspiele. Am Wochenende spielen die Jungs dann bei ihren Vereinen in der nationalen Liga.

Stimmt es, dass in Luxemburg Futsal beim Scouting eine wichtige Rolle spielt? In Bayern ist diese Form des Hallenfußballs oft nicht gerne gesehen.
Breu: Ja, wir scouten viel über den Futsalbereich. Den richtig guten Fußballer sieht man beim Futsal, gerade bei den Kleinen. Von U8 bis U14 ist Futsal ganz wichtig, weil der technische Anspruch enorm ist. Leute, die über Futsal jammern, haben meiner Meinung keine Ahnung, das sind "Bauernfußballer", die es weder mit Bande noch im Futsal-Modus können. Geschweige denn Nachwuchsfußballern helfen, sich im Indoor-Bereich zu entwickeln, gerade technisch und kognitiv. Schauen Sie nach Spanien, welche Spieler da hervorgehen − und Spanien ist eine Nation des Futsals.

Gibt es weitere Besonderheiten in Luxemburg?
Breu: Was ziemlich einmalig ist in Europa: Wir haben pro Jahrgang rund 65 Talente. Wenn ich diese Spieler für die U10 auswähle, dann weiß ich, dass ich daraus eine U17 machen muss. Ich habe keine Quereinsteiger mehr. Du kannst nicht wie in Deutschland sagen, so, ich brauche noch einen Spieler und den hole ich mir vom Verein xy. Nein, von diesen 65 Spielern müssen am Ende 24 dabei sein, die internationales Niveau haben, damit sie U17-Bundesliga spielen können. Das heißt, du musst sehr viel Geduld haben, du musst den Spielern auch mal ein schlechtes Jahr zugestehen. Du musst ganz akribisch arbeiten, weil nicht jeder ein von Gott geschenktes Talent hat. Diese Voraussetzungen haben meine Sicht, wie man mit jungen Spielern umgeht und arbeitet, verändert. Ich weiß jetzt: Es geht nur über Geduld und Ausdauer.

Fehlt in Deutschland diese Geduld?
Breu: Ja, die fehlt immer. Sobald ein Junge ein schlechtes Jahr hat in der "Fußballschule", wird er entlassen. Das ist fatal. Unser großes Plus in Luxemburg ist, dass wir die Geduld haben müssen. Und das Schöne ist: Wir werden immer belohnt. Viele Spieler, die mit 13, 14 auf der Kippe waren, sind jetzt in Gladbach und spielen U17-Bundesliga. Diese Geduld, diese Akribie musste ich auch erst lernen – aber es wird meine Arbeit auf jeden Fall auch in den nächsten Jahren positiv beeinflussen.

Warum schaffen so wenige Talente aus Niederbayern den Sprung in den Profifußball?
Breu: Die Qualität unseres Nachwuchses im Alter von sechs bis 14 hat sich deutlich verschlechtert. Gerade die technischen Schwierigkeiten sind deutlich. Ich habe mir letztes Jahr in Deggendorf ein U13-Spiel angeschaut, Neun gegen Neun – und sechs Jungs hatten Übergewicht. Es gab keine Spielaktivität und wenig Spielfähigkeit. Da braucht man sich nicht zu wundern. Aber wir müssen nicht nur den Fußball hinterfragen, den Schulsport, das Freizeitverhalten, ja das ganze System.

Also ist Niederbayern ein hoffnungsloser Fall?
Breu: Nein, gar nicht. Niederbayern hätte viel Potenzial, hier ist durchaus ein Fußballer-Gen vorhanden. Und auch das Freizeitverhalten der Kinder ist noch anders als in Großstädten. Das Problem ist die Ausbildung. Der Trainer ist entscheidend. Früher hatten die Kinder auf dem Dorf überhaupt keinen Trainer, die haben einfach jeden Tag zwei, drei Stunden Fußball gespielt. Heute spielen die Kinder oft überhaupt nicht, sie werden nur zweimal pro Woche bei einem Dorfverein trainiert. Von einem meist sehr engagierten Coach, der aber leider oft seine Erwartungen erfüllen will und nicht die der Kinder. Das hat häufig nichts mit wettspielmäßigem Training zu tun. Aber Fußball spielen lernt man nur durch Fußball spielen. Die besten Trainer müssten im Nachwuchs arbeiten. Nur so kommen wir weiter.
Interview: Andreas Lakota.
Das gesamte Gespräch lesen Sie hier bei PNP-Plus.
Das ist Reinhold Breu
Reinhold Breu ist in Weibing im niederbayerischen Edenstetten aufgewachsen. Seine Profi-Karriere startete der heute 49-Jährige bei 1860 München. Nach Stationen u.a. beim 1. FC Köln, Austria Wien und Eintracht Trier wechselte er zu Burghausen. Mit Wacker stieg er in die 2. Liga auf. Anschließend arbeitete der Diplom-Sportmanager als Stützpunkttrainer beim DFB, ehe er als Nachwuchscoach zu Jahn Regensburg wechselte. 2008 übernahm er Eintracht Trier, 2011 ging er als Technischer Direktor nach Luxemburg. Dort ist Breu, seit 2006 Inhaber der UEFA-Pro-Fußball-Lizenz, verantwortlich für den gesamten Fußballbereich und die Trainerausbildung. Zudem fungierte er selbst als Nachwuchs-Nationalcoach und ein Jahr sogar als Co-Trainer der A-Nationalmannschaft. Im kommenden Jahr endet sein Engagement im Großherzogtum auf eigenen Wunsch. Sein Haus in Weibing hat Breu nie aufgegeben. "Ganz ohne Heimat geht es nicht", sagt er.












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