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13.08.2019 | 10:00 Uhr

"Wie ein Roboter": Der Dingolfinger Matthias Strohmaier über das harte Geschäft Profifußball

von Judith Malter

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Zwei Jahre trug Matthias Strohmaier das Trikot des FC Bayern – ein Profi-Einsatz blieb ihm aber verwehrt. −Foto: Mike Sigl

Zwei Jahre trug Matthias Strohmaier das Trikot des FC Bayern – ein Profi-Einsatz blieb ihm aber verwehrt. −Foto: Mike Sigl

Zwei Jahre trug Matthias Strohmaier das Trikot des FC Bayern – ein Profi-Einsatz blieb ihm aber verwehrt. −Foto: Mike Sigl


Er galt als eines der größten Talente in Niederbayern. Er spielte bei 1860 München. Beim FC Augsburg. Und beim FC Bayern. Immer auf dem Sprung zu den Profis, immer mit der Hoffnung auf den großen Durchbruch. Matthias Strohmaier (25) aus Dingolfing, hat schon viel erlebt in seiner Fußballkarriere. Erfolge und Rückschläge. Heute spielt er beim Regionalligisten VfR Garching. Anders als viele seiner Mannschaftskameraden hat Matthias Strohmaier den Traum vom Profifußball mittlerweile aufgegeben – und andere Ziele vor Augen.

Sicher, sagt er in einem Gespräch auf dem Balkon seiner Münchner Wohnung, "die Tür ist nicht komplett zu. Aber ich bin schon so realistisch zu wissen, dass man dazu verdammt viel Glück braucht. Und das hatte ich eben die ganze Zeit vorher auch nicht." Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, einen Trainer zu finden, der auf einen baut, verletzungsfrei bleiben – bei Matthias Strohmaier fehlte immer ein Faktor.

Oft stand ein Einsatz auf der großen Bühne kurz bevor. Beim FC Bayern München bekam der Dingolfinger kurz vor der Abfahrt des Mannschaftsbusses die Absage für einen Einsatz bei den Profis. Er saß schon im Bayern-Bus – dann kam Medhi Benatia. "Co-Trainer Hermann Gerland nahm mich zur Seite und sagte mir, dass Medhi Benatia doch fit und ich nicht dabei sei. Ich war am Boden zerstört." Statt wie zwei seiner Mitspieler ihr Profidebüt für den deutschen Rekordmeister zu geben, spielte Strohmaier am selben Abend wieder in zweiten Mannschaf in der Regionalliga gegen Bayreuth – und musste dort trotz Enttäuschung seine Leistung abrufen. "Manchmal fragt man sich schon, wo die Menschlichkeit im Fußball bleibt. Die wird unfassbar vernachlässigt. Du musst funktionieren wie ein Roboter", sagt Strohmaier mit ernstem Blick.

In der Jugend spielte Strohmaier fünf Jahre lang bei 1860 München, kam sogar für die Jugendnationalmannschaft zum Einsatz. Von 2012 bis heute folgten fünf weitere Stationen. Bei keiner blieb er länger als zwei Jahre. 2012 bis 2014 FC Augsburg, danach FC Bayern Amateure, 2016 FC Vaduz, ein Jahr später FC Schweinfurt. Zur laufenden Regionalliga-Saison wechselte er zum VfR Garching. "Eigentlich bin ich vom Typ her überhaupt nicht so. Ich würde am liebsten nur bei einem Verein bleiben", sagt Strohmaier. Verletzungen, wie beispielsweise ein Meniskusriss, führten dazu, dass er den Schritt in Richtung Profikarriere immer knapp verpasste.

Beim FC Vaduz, dem Liechtensteiner Klub, der in der Schweizer Liga startet, schnupperte Strohmaier sogar Profiluft, absolvierte ein Spiel in der Super League, der höchsten Spielklasse, und ein Qualifikationsspiel zur Europa League. Doch auch im Fürstentum folgte die Ernüchterung. Verletzungen führten dazu, dass er den Verein nach nur einem Jahr wieder verlassen musste. Nächste Station: FC Schweinfurt, Regionalliga Bayern. Ein Rückschritt, den er selbst heute nicht mehr als solchen ansieht. "Schon in meiner Zeit beim FC Bayern habe ich angefangen, BWL in Salzburg zu studieren, um mir ein zweites Standbein aufzubauen. Durch die Verletzungen hatte ich mehr Zeit mich darauf zu konzentrieren." Mehrere Jahre pendelte Strohmaier zwischen Bayern und Salzburg, musste seine Klausuren genau nach dem Spiel- und Trainingsplan seiner Vereine ausrichten. Im vergangenen Jahr schloss er das Studium ab.

Statt sich danach nur noch auf den sportlichen Erfolg mit Schweinfurt zu fokussieren, folgte in diesem Jahr der Wechsel zum VfR Garching, was viele aus sportlicher Sicht nicht nachvollziehen konnten. Dennoch fand Strohmaier dort jene Menschlichkeit, die ihm zuvor fehlte. "Seit ich mit dem Studium fertig bin, ist für mich der Zeitpunkt gekommen, einzusehen, dass es für den Profibereich nicht reicht. Deshalb wollte ich mich jetzt umorientieren", sagt er und lächelt. Bei Garching übernimmt er Verantwortung, gibt sein Wissen als spielender Co-Trainer weiter. "Ich denke brutal langfristig. Ich möchte in Zukunft Trainerscheine machen, hospitieren und verschiedene Praktika absolvieren, um nach meiner aktiven Karriere eine Position im Fußballbereich ausüben zu können. Zusammen mit meinem BWL-Studium bin ich dann ganz gut aufgestellt", erklärt er. Ab September wird er ein Praktikum beim FC Bayern München absolvieren. Ebenfalls wird Strohmaier bei einem US-amerikanischen Erstligisten hospitieren.

Mittlerweile wohnt er mit seiner Freundin Meike im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg in einer schönen Wohnung mit Balkon, auf dem er gerne mit seinen Freunden grillt. "Zum ersten Mal habe ich neben dem Fußball auch Freizeit. Früher gab es Schule, Fußball und später das Studium. Ich hatte selten einen festen Freundeskreis, da ich oft umgezogen bin. Wenn andere feiern waren, stand ich auf dem Fußballplatz. Ich genieße es, endlich mehr Zeit für Freunde und Familie zu haben", sagt er.

Wehmut über die verpasste Profi-Chance verspürt Matthias Strohmaier nicht: "Klar", sagt er, "ist irgendwo die Enttäuschung da, weil ich immer davon geträumt habe. Aber die Jammerei bringt nichts. Und auf der anderen Seite muss man ja auch dankbar dafür sein, dass man so viel erleben durfte, von dem andere so weit entfernt sind."












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