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11.05.2019 | 09:00 Uhr

"Geld schießt Tore" – Marcel Reif über den Bayern-Umbruch und die Zukunft des Fußballs

von Alexander Augustin,Gabriel Bub

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Mann der klaren Worte: Kommentator und Experte Marcel Reif (69). −Foto: Nadine Rupp/Sport 1

Mann der klaren Worte: Kommentator und Experte Marcel Reif (69). −Foto: Nadine Rupp/Sport 1

Mann der klaren Worte: Kommentator und Experte Marcel Reif (69). −Foto: Nadine Rupp/Sport 1


Zu Fuß kommt Marcel Reif in die Lounge eines Münchner Fünf-Sterne-Hotels. Er trägt ein Sakko überm Pullover, Jeans und weiße Sneaker. Reif klagt kurz über seinen Heuschnupfen, erkundigt sich beim Sport1-Sprecher nach den Quoten vom letzten Doppelpass und lässt sich in eine Couch fallen.

Herr Reif, der FC Bayern hat zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte Vorsprung auf Dortmund. Ist das Ding durch?
Marcel Reif: Für mich war es durch, als Dortmund 5:0 in München verloren hat, weil ich das Gefühl hatte, dass sie angefangen haben, zu glauben, dass sie etwas zu verlieren haben. Und so sind sie auch aufgetreten.

Ein Kopfproblem?
Reif: Das ist eine Mannschaft, die weit über ihren Verhältnissen gespielt hat. Bei denen fielen Weihnachten und Ostern zusammen, da haben sie Dinge gemacht, von denen sie manchmal selber nicht wussten, wieso. Und wenn Sie den Trainer angucken, der ein akribischer Zufalls-Ausschließer ist, der hat den Kopf geschüttelt, wenn sie gewonnen haben, weil es manchmal Zufall war. Sie haben junge Spieler, die noch lange nicht so weit sein können, dass sie eine Meisterschaft angehen könnten. Ich habe nie verstanden, warum man nicht sagt: Leute, spielt's euern Kinderfußball, wir probieren es dieses Jahr. Entscheidend ist sowieso nur der vierte Platz.

Der vierte Platz?
Reif: Das ist ja das Unromatische heutzutage: Es geht um die Plätze 1 bis 4. Die Champions-League-Millionen, nur darum geht's eigentlich. Und wenn du dann mal neun Punkte Vorsprung hast, musst du deshalb sagen: Ist doch wurscht. Wenn du es schaffst, ist es wunderbar. Aber dann kam der Moment, an dem sie wirklich etwas zu verlieren hatten.

Es hat Sie also nicht überrascht, dass der Vorsprung zusammengeschmolzen ist, den Dortmund im Winter noch hatte?
Reif: Doch. Es hat mich überrascht. Weil sie zu dem Zeitpunkt, als sie neun Punkte Vorsprung hatten, so unbedarft fröhlich wirkten. Die Bayern haben Nägel gekaut und sich mit sich selbst beschäftigt. Und da dachte ich, das schaffen die Bayern nicht. In Düsseldorf, da darfst du mal verlieren. Das passiert jedem einmal. Aber 5:0 gegen Bayern verlieren, das darf dir nicht passieren. Was dann danach geschehen ist, wundert mich nicht mehr.

Zumindest scheint die Bayern-Dominanz der letzten Jahre etwas zu bröckeln.Reif: Da haben Sie die letzten Jahre aber nicht aufgepasst. Immer, wenn die Dominanz zu bröckeln droht, gehen die aber richtig aus dem Sattel. Neun Punkte Rückstand, das passiert ihnen so schnell nicht wieder.

Dafür hat Bayern den Umbruch eingeleitet, Benjamin Pavard für 40 Millionen Euro verpflichtet, Lucas Hernandez für 80 Millionen. Glauben Sie, der Umbruch wird erfolgreich sein?
Reif: Er muss erfolgreich sein. Denn Geld schießt Tore. Wer kann sich denn zwei Weltmeister kaufen, die sowohl Außen- als auch Innenpositionen spielen können? Mit denen passiert doch kein Fehler. Geld spielt bei Bayern im Vergleich zu Anderen in Deutschland keine Rolle.

Wird der FC Bayern da an Niko Kovac festhalten? Mit ihm spielen sie eine der besten Rückrunden der Vereinsgeschichte.
Reif: Aber es geht um mehr. Es geht darum, ein neues Bayern zu schaffen. Traut man einem Trainer, der noch nie auf diesem Level trainiert hat, zu, die Ansprüche zu erfüllen? Ich würde es ihm wünschen, weil ich ihn sehr schätze, als Mensch und als Trainer. Aber Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinale steht eben nicht in der Vereinssatzung.
Das gesamte Interview lesen Sie in der Wochenendausgabe Ihrer Passauer Neuen Presse. Am Sonntag (11 Uhr) ist Marcel Reif als Experte im Sport1-Doppelpass.












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